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Hole-Punch CloudPlötzlich öffnet sich der Himmel über der Schweiz

Über der Ostschweiz zeigte sich am Sonntag ein seltenes Wetterphänomen: sogenannte Hole-Punch Clouds. Zahlreiche User posteten Bilder auf Social Media.

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Löcher im Himmel über Arbon: Dieses Bild entstand am Sonntag (24.02.2019).

Löcher im Himmel über Arbon: Dieses Bild entstand am Sonntag (24.02.2019).

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Ebenfalls in Arbon: Ein zweites Loch in den Wolken, damit sich das erste nicht so einsam fühlt.

Ebenfalls in Arbon: Ein zweites Loch in den Wolken, damit sich das erste nicht so einsam fühlt.

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Und noch eines.

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Plötzlich tut sich mitten in der Wolkenschicht ein Loch auf, als würde von oben jemand hinunter sehen wollen und hätte dafür die Wolken mit einem Schlag aufgebrochen. Im Innern des Lochs wächst eine zerfranste Wolke: Dieser Anblick bot sich am Sonntagnachmittag am Himmel über der Ostschweiz und Graubünden. Dabei waren mehrere Löcher zu sehen. Auf Social Media kursieren zahlreiche Bilder des Phänomens.

SRF-Meteorologe Christoph Siegrist erklärt: «Wenn aus einer höheren Luftschicht Eiskristalle in die Wolkenschicht fallen, können sie Wasserdampf aufnehmen und wachsen auf Kosten der alten Wolken.» Anders gesagt: An der Stelle, wo die Eiskristalle sich an die Wolkenschicht anlagern, löst sich diese auf und gibt ein Loch frei. Die Eiskristalle werden schwerer und fallen nach unten: So bilden sie im Loch eine neue, fransige Wolke, die an eine Feder erinnert.

Sehr selten

Das Phänomen nennt sich Hole-Punch Cloud. Eine deutsche Bezeichnung dafür gibt es nicht, würde man es übersetzen wollen wäre es wörtlich «Loch-Schlag Wolke».

Voraussetzung für das Phänomen ist laut Siegrist eine mittelhohe Schichtwolke, also auf einer Höhe zwischen 4000 und 7000 Metern, mit stark unterkühlten Wassertröpfchen. «Typischerweise herrscht eine Temperatur von -15 °C bis -20 °C, der Wolkentyp heisst Altocumulus», erklärt er. Global gesehen seien nur jeweils 7,8 Prozent der Erde mit diesem Wolkentyp bedeckt: «Schon daher sind die Bedingungen für die Hole-Punch Cloud eher selten gegeben»so Siegrist. Theoretisch könnte das Phänomen aber zu jeder Jahreszeit und in allen Regionen der Schweiz mit selber Wahrscheinlichkeit auftreten.

Woher stammen die Eiskristalle?

Wie das Loch entstehe, wisse man heute zwar. Woher allerdings die Eiskristalle stammen sei noch nicht restlos geklärt. Eine Theorie gehe davon aus, dass dass die Eiskristalle aus höheren Wolken hinunter in die Altocumulus-Wolke fallen. «Am Sonntag gab es darüber aber keine weiteren Wolken, diese Ursache scheidet hier also aus», so der Meteorologe.

Deshalb dürfte hier die zweite Ursache in Frage kommen: Flugzeuge, die durch die Wolkenschicht flogen. «Flugzeuge verursachen eine lokale Ausdehnung der Luft und damit einen Druckabfall. Dies führt zu einer starken Abkühlung der Luft, so dass sich Eiskristalle bilden können», so Siegrist. Der Druckabfall könne entweder am Düsenausgang des Flugzeugs entstehen, weil sich dort die Luft aus der Düse rasch ausdehnt oder an den Flügeln oder Propellern jeweils auf der Seite mit dem starken Unterdruck.

Video: SRF Meteo

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