Krise als Chance: Plötzlich Promi – UBS sei dank
Aktualisiert

Krise als ChancePlötzlich Promi – UBS sei dank

Wegen der UBS-Fastpleite gingen Milliarden verloren. Es gibt aber auch Gewinner: Einige Kritiker und Experten schafften dank Bankenkrise, Lohnexzessen und Steuerstreit den grossen Durchbruch.

von
Sandro Spaeth

So abgedroschen es auch klingen mag: «Krise als Chance» gilt nach wie vor – jedenfalls für alle Bankenspezialisten, Finanzjournalisten und Wirtschaftsrechtsexperten. Sie haben wegen der Krise eine mediale Grossplattform bekommen – und teilweise Promi-Status erreicht. Ob TV, Radio oder Print: Es vergeht kein Tag ohne tiefschürfende Einschätzungen von Uni-Professoren oder ohne geharnischte Worte von UBS-Kritikern. Die Presse ist auf Experten angewiesen – diese nützen die Auftritte aber gekonnt, um den Bekanntheitsgrad und damit den eigenen «Markenwert» zu steigern.

Ein Paradebeispiel geballter Expertenkraft war die UBS-Generalversammlung von letzter Woche. Als Redner eingeschrieben hatte sich auch der Sprecher der Lehmann-Anlage-Opfer-Vereinigung, René Zeyer. Jahrelang war Zeyer Kommunikationsberater von Banken, heute ist er deren grosser Kritiker: Er schrieb die kritischen Bücher «Banken, Banker, Bankrott» sowie zuletzt «Zaster und Desaster». Seine Werke aus der Welt der Abzocker erhielten mit jeder weiteren UBS-Hiobsbotschaft Auftrieb.

Minder schweigt, Biedermann spricht

An der UBS-GV zugegen war auch Thomas Minder, der Vater der Abzocker-Initiative. Auf markige Worte an die Adresse von Grübel und Villiger hat der Unternehmer aber verzichtet, obwohl im damit TV-Präsenz garantiert gewesen wäre. Zur Rede setzte hingegen Dominique Biedermann an. Der Chef der Anlagestiftung Ethos verbuchte mit der Decharge-Verweigerung durch die Aktionäre für 2007 einen grossen Erfolg und wurde in der Presse als Sieger gefeiert. Bekannt geworden war Biedermannn bereits lange vor der UBS-Krise. Er kritisierte öffentlich Konzerne wie Novartis und Nestlé, bei denen der Job von CEO und VR-Präsident von einer Person im Doppelmandat ausgeübt wurde. Nun hat die UBS Biedermann zurück ins Rampenlicht gebracht.

Von der Gunst der Stunde profitiert auch der Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig, der auch für 20 Minuten Online schreibt: Noch am Abend der UBS-GV stellte er sein neues Buch «Paradies Perdu» vor, welches den Untergang des Schweizer Bankgeheimnisses beschreibt. Anfang 2009 veröffentlichte Hässig bereits das Buch «Der UBS Crash» und traf damit bereits ein erstes Mal den Nerv des Volkes. Hässig und Zeyer sind nur Exponenten einer ganzen Anzahl von Autoren, die jüngst Bücher zu UBS, Bankgeheimnis und Schwarzgeld auf den Markt warfen.

Professor hier, Professor da

Ein UBS-basierender Bekanntheitsschub erhielten auch einige Universitäts-Professoren. Zuletzt am vergangenen Mittwoch: Wirtschafsrechtsprofessor Peter V. Kunz gab gegenüber Medien Live-Einschätzungen aus der St.-Jakob-Halle und verfolgte die gesamte GV live auf Radio DRS; Bankenprofessor Urs Birchler war am Abend Studiogast in der Sendung «10vor10».

Auch Aktionär Rudolf Weber hat seinen ganz grossen Auftritt der UBS zu verdanken: 2008 überreichte der dem scheidenden UBS-Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel eine ganze Kette-Cervelats. Wegen seiner «Wurstrede» war die Vorfreude auf Webers Rede besonders gross. Mit seinem Ausruf, «Herr Villiger, wir sind doch nicht so blöd», der die Boni-Geschenke an die Manager geisseln sollte, schaffe es Weber 2010 in der Originalitätsrangliste aber nicht ganz nach oben.

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