Aktualisiert 13.08.2019 13:45

Graubünden

Plötzlich verfärben sich Bergbäche weiss

Forscher haben einen schneeweissen Bach im Münstertal entdeckt. Es ist schon der zweite im Kanton Graubünden. Ein Wissenschaftler klärt auf.

von
mwa
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Forscher haben im Münstertal einen weissen Bach entdeckt. Doch nicht das Wasser hat die spezielle Farbe angenommen, sondern die Steine sind durch Ablagerungen weiss geworden.

Forscher haben im Münstertal einen weissen Bach entdeckt. Doch nicht das Wasser hat die spezielle Farbe angenommen, sondern die Steine sind durch Ablagerungen weiss geworden.

Institut für Geologie, Universität Bern
Schon im August 2018 wurde in Graubünden ein weisser Bach entdeckt. Auch hier ging die Färbung auf Aluminiumflocken zurück.

Schon im August 2018 wurde in Graubünden ein weisser Bach entdeckt. Auch hier ging die Färbung auf Aluminiumflocken zurück.

Institut für Geologie, Universität Bern
Die Quelle des Bachs liegt im Einzugsgebiet eines kleinen Bergsees in einem südlichen Seitental des Engadins.

Die Quelle des Bachs liegt im Einzugsgebiet eines kleinen Bergsees in einem südlichen Seitental des Engadins.

Institut für Geologie, Universität Bern

Die Natur in Graubünden überrascht einmal mehr mit einem seltenen Phänomen: Forscher haben im Münstertal im Val Costainas einen weissen Bach gefunden. Doch eigentlich hat nicht das Wasser die weisse Farbe angenommen, sondern die Steine, berichtet das Regionaljournal Graubünden des SRF. Durch die Steine scheint es so, als wäre das Wasser weiss. Christoph Wanner, Wissenschaftler an der Universität Bern, klärt auf: «Auslöser sind Flocken aus Aluminiumverbindungen, die sich auf den Steinen ablagern.» Ganz am Anfang stehe das Mineral Pyrit, das im Kontakt mit Wasser Säure erzeugt. Diese löst im Quellgebiet des Bachs das Aluminium aus dem Gestein. Durch zufliessende Bäche kommt es dann zur Neutralisation der Säure und zu Ablagerung von Aluminium auf den Steinen, die diese weiss färbt. Sobald der Prozess abgeschlossen ist, hat das Wasser wieder eine normale Zusammensetzung.

Nachdem letztes Jahr Berichte über die Forschungsergebnisse zu einem weissen Bergbach im Engadin veröffentlicht worden waren, erhielt das Team von Wanner zahlreiche Nachrichten mit Hinweisen zu weiteren weissen Gewässern. So auch zum Bach im Münstertal. «Auf solche Zuschriften haben wir gehofft, aber das Ausmass war dann doch erstaunlich», so Wanner gegenüber 20 Minuten. Bisher seien aber erst die Forschungen zum Engadiner Bergbach abgeschlossen. Ob es sich bei allen Bächen um das selbe Phänomen handelt, kann Wanner deshalb noch nicht sagen.

Klimawandel für zunehmende Ablagerungen verantwortlich?

Eine grosse Bedrohung für Tiere und Menschen stelle das weisse Wasser nicht dar. «Die Schwefelkonzentration ist relativ hoch, das könnte im schlimmsten Fall zu Verdauungsproblemen führen. Wahrscheinlich ist es aber unbedenklich», sagt Wanner. Trotzdem empfiehlt der Wissenschaftler nicht, literweise Flüssigkeit aus dem Bach zu trinken.

Forscher sowie einige Alphirte vermuten, dass die Ablagerungen in den letzten Jahren zugenommen haben. Für die Zunahme könnte der Klimawandel zuständig sein, so Wanner. «Wir vermuten, dass dies mit dem abschmelzenden Permafrost zusammenhängt.» Dies sei zwar noch nicht bewiesen, stelle aber eine wichtige Arbeitshypothese für das Forscher-Team dar.

Bach, der einfach im Boden verschwindet

Schon vor einigen Wochen sorgte ein spezielles Natur-Phänomen in Graubünden für Aufsehen: In Innerferrera verschwindet ein Bach einfach so im Boden. Das Wasser dreht kurz im Gegenuhrzeigersinn und ist dann weg. Das trockene Bachbett führt dann noch etwa 500 Meter weiter. Die Ursache für das Verschwinden des Wassers ist unklar. Der zuständige Wildhüter vermutet ein Loch unter der Erde. Sowohl er als auch das Amt für Jagd und Fischerei sehen aber keinen Handlungsbedarf. «Das ist einfach die Natur und völlig in Ordnung so», äussert sich der Wildhüter damals gegenüber 20 Minuten.

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