«Time-Out»: Plüss und die Kunst, «Goodbye» zu sagen
Aktualisiert

«Time-Out»Plüss und die Kunst, «Goodbye» zu sagen

SCB-Sportchef Sven Leuenberger hat ein gutes Gespür, wann es Zeit ist, sich von einem grossen Namen zu trennen. Deshalb will er Martin Plüss (35) behalten.

von
Klaus Zaugg

Die Gefahr, den richtigen Augenblick zum Rücktritt zu verpassen, ist in der Politik weniger gross als im Sport. Weil es in der Politik für die meisten wichtigen Jobs eine Amtszeitbeschränkung gibt.

Im Mannschaftsport ist es anders. Die Erotik grosser Namen verführt Sportchefs immer wieder dazu, zu lange an einem Star festzuhalten. Das ist deshalb gefährlich (oder kurzweilig), weil ein erfahrener Spieler mit einem grossen Ego oft nachlassende Leistung durch seinen Einfluss neben dem Eis zu kompensieren versteht.

Leuenberger hat das Gespür für den richtigen Zeitpunkt

Es ist auch für den Sportchef beim SCB nicht einfach, einen Starspieler zu verpflichten. Aber noch unendlich viel schwieriger ist es, zu spüren, wann es Zeit wird, sich von einem grossen Namen zu trennen. SCB-Sportchef Sven Leuenberger hat sich immer wieder zum richtigen Zeitpunkt von grossen Namen getrennt - und bisher immer recht behalten. Er hat Martin Steinegger ausgemustert und unter anderem Christian Dubé, Simon Gamache, Thomas Ziegler, Marc Reichert, Christian Berglund und Sébastien Bordeleau ziehen lassen – und er hat jedes Mal Recht behalten. Sven Leuenberger beherrscht die Kunst, «Goodbye» zu sagen, beinahe so gut wie Servettes Chris McSorley.

Deshalb ist es ein grosses Kompliment für Martin Plüss, dass ihn Sven Leuenberger in Bern halten möchte. Der SCB-Sportchef sagt: «Wir haben uns in letzter Zeit mehrmals unterhalten und bis zu einer allfälligen Einigung braucht es wohl noch ein paar weitere Gespräche.» Martin Plüss ist eine aussergewöhnliche Spielerpersönlichkeit. Er hat keinen Agenten. Deshalb kann er alles direkt mit Leuenberger regeln. Er sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Ich habe mich noch nicht entschieden. Das dauert bei mir jeweils etwas länger.» Er könne sich durchaus vorstellen, in Bern zu verlängern. «Es muss auch kein Mehrjahresvertrag sein.» Eine bemerkenswerte Aussage. Spieler in seinem Alter tendieren jeweils zu einem letzten «Rentenvertrag.»

Rückkehr zu Kloten?

Eigentlich müsste die Kloten Flyers alles daran setzen, den SCB-Captain zu verpflichten. Martin Plüss ist ein Klotener und hat den Klub im Sommer 2004 verlassen, um seine Karriere in Schweden fortzusetzen, ehe er 2008 nach Bern wechselte. Ein «Coming Home» von Plüss würde das Unternehmen der Kloten Flyers auf und neben dem Eis besser machen.

Klotens neuer Sportdirektor André Rötheli denkt anders. Er sagt, die Mannschaft brauche vor allem auf den Aussenbahnen offensive Verstärkung. Aber Martin Plüss ist Center und kein Flügel. «Ich habe mit Martin Plüss keine Transfergespräche geführt.» Und tatsächlich bestätigt Plüss: «Aus Kloten habe ich keine Anfrage.»

SCB mit Plüss besser

Der SCB hat mit Martin Plüss als Leitwolf in fünf Jahren einen Titel geholt (2010) und ein Finale zweieinhalb Sekunden vor Schluss im 7. Spiel gegen die ZSC Lions verloren (2012). Ohne Plüss gewannen die Berner vorher in elf Jahren einen Titel (2004) und erreichten das Finale von 2007. Der SCB ist mit Martin Plüss besser als ohne. Sehr vieles spricht dafür, dass Sven Leuenberger keinen Fehler macht, wenn er versucht, Martin Plüss zu halten.

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