Aktualisiert 18.05.2005 15:54

Pocken-Zerstörung wieder verschoben

Die Vernichtung der Pockenviren soll nach Meinung von Experten der Weltgesundheitsorganisation weiter verschoben werden. Die derzeit noch bestehenden Viren seien nötig für Forschungszwecke, hiess es.

«Forschungsarbeiten sind weiter nötig zur Verbesserung der Diagnose von Pocken, für bessere Impfungen und für die Produktion von Medikamenten gegen dieses Virus», sagte Mike Ryan, WHO-Direktor für Alarmoperationen, am Mittwoch in Genf. Bislang gebe es keine Behandlungsmöglichkeit gegen Pocken.

Wenn diese drei Dinge erreicht seien, werde die WHO die Vernichtung der Pockenbestände fordern, sagte Ryan weiter. Bis dahin müsse eine Ausgewogenheit zwischen Forschung und der Gefahr einer unabsichtlichen Verbreitung von Pockenviren gefunden werden.

Die Pocken sind nach Angaben der WHO seit 1979 weltweit ausgerottet. Die einzigen bekannten Kulturen von Pockenviren werden in zwei staatlichen Labors gelagert, einem in den USA und einem in Russland.

Empfehlungen an WHA

Ein seit 1996 bestehendes Expertenkomitee unterbreitet seine Empfehlungen jährlich der Weltgesundheitsversammlung (WHA), dem höchsten Entscheidungsgremium der WHO, das in Genf noch bis am 25. Mai tagt.

Das Expertenkomitee habe der WHA vier Gruppen von Empfehlungen vorgelegt, sagte Daniel Lavanchy, WHO-Projektleiter zu Pocken. Für die Entwicklung von Medikamenten sollen grün fluoreszierende Markerproteine zugelassen werden. Das erhöhe die Sicherheit, denn das Laborpersonal sei damit weniger lang den Viren ausgesetzt.

Vorbehalte

Das Expertenkomittee empfehle zudem, einzelne Gene des Pockenvirus in andere Viren der selben Familie der Orthopoxviren einzusetzen, sagte Lavanchy weiter. Tests könnten damit ohne lebende Pockenviren durchgeführt werden.

WHO-Generaldirektor Jong-wook Lee seinerseits empfahl dem Komittee, diese Frage erneut zu prüfen. Eine solche Forschung könne Folgen für die «Biosafety» haben, erklärte er.

Die Experten sprachen sich auch dafür aus, Teile der DNA des Pockenvirus im Reagenzglas synthetisch herzustellen und gezielte Veränderungen der DNA von Orthopoxviren vorzunehmen. Dabei soll eine künftig mögliche künstliche Herstellung der ganzen DNA des Pockenvirus strikt verboten bleiben.

Das Komitee empfiehlt weiter den Austausch von DNA-Teilen des Pockenvirus unter Labors, um die Herstellung von Diagnostikmitteln zu fördern.

Ryan erinnerte daran, dass der Entscheid, Forschungsarbeiten zu Pockenviren vorzunehmen, schon vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 getroffen wurde. Pockenviren seien aber bereits in früheren Jahrhunderten als biologische Waffe eingesetzt worden, sagte er.

(sda)

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