Aktualisiert 06.02.2008 17:45

Pöschwies-Mord: «Keine Vertuschung»

Zehn Tage nach dem Tötungsdelikt in der Strafanstalt Pöschwies hat die Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich am Mittwoch Vertuschungs-Vorwürfe zurückgewiesen.

Zu neuen Vorwürfen des «Blicks», wonach der mutmassliche Täter das spätere Opfer bereits vor dem Tötungsdelikt sexuell attackiert hatte, äusserte sich Michael Rüegg, Kommunikationsbeauftragter der Justizdirektion, nicht und verwies auf die laufenden Untersuchungen. Der Vorwurf der Vertuschung sei aber nicht akzeptabel, sagte er. So könnten wegen der Untersuchung keine öffentlichen Angaben gemacht werden. Die Gefängnisleitung Pöschwies habe alles dokumentiert. Diese Dokumentation sei der Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Die Disziplinierung gegen den mutmasslichen Täter sei nicht im Zusammenhang mit einer Gewalttat ergangen. Thomas Manhart, Chef des kantonalen Amts für Justizvollzug habe von einem «nicht gravierenden» Vorfall gesprochen.

Auch der Anwalt der Familie des vor zehn Tagen getöteten 25-Jährigen und Peter Zimmermann von Selbsthilfeorganisation von und für Strafgefangene und Entlassene, Reform 91, die Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Strafvollzugs im Kanton Zürich eingereicht hatte, äusserten sich aus Rücksicht auf die Untersuchungen nicht. Laut Zimmermann gibt aber zu denken, dass der mutmassliche Täter nur wegen seiner Selbstmordneigung und nicht wegen seiner sexuellen Neigung therapiert worden sei. Der 49-Jährige wird seit 1996 in der Pöschwies verwahrt, weil er 1982 und 1993 zwei 14- beziehungsweise 13-jährige Schüler sexuell missbraucht und ermordet hatte.

Noch immer ist indessen nicht klar, wie der 25-jährige Häftling am vergangenen 27. Januar in der Zelle des mutmasslichen Täters getötet worden ist. Das Obduktionsgutachten, welches Hinweise auf die Tötungsart geben könne, liege noch nicht vor, sagte Francoise Stadelmann von der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich. (dapd)

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