Pöschwies: Zweifacher Kindermörder schlägt wieder zu
Aktualisiert

Pöschwies: Zweifacher Kindermörder schlägt wieder zu

Der Verwahrte, der in der Strafanstalt Pöschwies einen Mithäftling getötet hat, sitzt seit Mitte der 90er-Jahre ein. Er hatte zwei Jungen ermordet.

Der gelernte 49-jährige Psychiatrie-Pfleger R.K. hatte 1982 einen Jungen getötet und verstümmelt und 1993 ein weiteres Opfer ertränkt. Seine lebenslängliche Zuchthausstrafe wurde zugunsten einer Verwahrung auf unbestimmte Zeit aufgehoben.

In der Strafanstalt Pöschwies wurde er zusammen mit 29 Mithäftlingen untergebracht. Entgegen der landläufigen Meinung, Verwahrte fristeten ein Dasein in Isolationshaft, pflegte R.K. täglich Umgang mit seinen Mithäftlingen. Allerdings sei er bis jetzt nicht gewalttätig geworden, wie Gefängnisdirektor Ueli Graf gegenüber 20minuten.ch sagte: «Der Täter ist seit Mitte der Neunziger Jahre in unserer Einrichtung. Natürlich ist er als psychisch Kranker auffällig, hatte aber mit den jüngsten gewalttätigen Zwischenfällen in Pöschwies nichts zu tun.»

Problematische Abteilung

Allerdings war die Abteilung, in der R.K. und sein Opfer untergebracht waren , eine der eher problematischen. «Die betreffende Abteilung ist die Abteilung für Suchtprobleme. Dort befinden sich Suchtkranke, psychisch und körperlich Kranke und ältere Gefangene», sagt Graf. In der Abteilung waren zehn weitere Verwahrte untergebracht. «Die 70 Verwahrten werden etwa gleichmässig auf die verschiedenen geschlossenen Abteilungen verteilt», sagt Graf. Bei der Belegung nehme man auch auf die persönlichen Umstände der Gefangenen Rücksicht. Deshalb sei der psychisch Kranke R.K. in der Abteilung für Suchtkranke untergebracht gewesen.

Keine Parallelen zu früherem Tötungsdelikt

Bereits vor eineinhalb Jahren kam es in der Strafanstalt Pöschwies zu einem Tötungsdelikt. Damals tötete ein Albaner einen Landsmann. «Es kann kein Vergleich zum Tötungsdelikt vom Oktober 2006 gezogen werden. Es handelte sich im vorliegenden Fall nicht um eine Zelle mit Doppelbelegung», sagt Graf.

Den Spardruck seitens des Kantons, den Graf im Zusammenhang mit der seit 2004 ansteigenden Gewalt in der Strafanstalt, wiederholt kritisierte, habe mit dem Tötungsdelikt nichts zu tun.

«Wir werden die Lehren ziehen»

Das kantonale Amt für Justizvollzug will sich des Falles umgehend annehmen, wie Vorsteher Thomas Manhart gegenüber 20minuten.ch sagte: «Wir werden den Fall bis ins letzte Detail analysieren. Damit beginnen wir sofort und wir werden unsere Lehren aus der Analyse ziehen.»

Maurice Thiriet, 20minuten.ch

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