Aktualisiert 11.06.2015 12:22

Im Auftrag der Post

Pöstler kämpfen gegen Stopp-Werbung-Kleber

Die Post will gegen die Stopp-Werbung-Kleber vorgehen. Jeder Briefträger muss zwei Kunden dazu bringen, ihre Sticker zu entfernen. Nun herrscht ein Wettkampf unter den Pöstlern.

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Pöstler sollen Kunden dazu bringen, ihre Kleber vom Briefkasten zu entfernen.

Pöstler sollen Kunden dazu bringen, ihre Kleber vom Briefkasten zu entfernen.

Die Schweizer Briefträger haben einen Zusatzjob gefasst. Neuerdings sollen sie bei ihren Kunden an der Haustür klingeln und diese davon überzeugen, ihre Stopp-Werbung-Kleber von den Briefkästen zu entfernen. Jeder zweite Haushalt schützt sich damit vor unerwünschter Werbung. Der Post passt das gar nicht, denn diese Massensendungen sind für sie eine wichtige Einnahmequelle.

Deswegen hat sich die Post nun vorgenommen, die Stopp-Werbung-Sticker um ein Prozent zu senken, wie der «Blick» schreibt. Dies bestritt das Unternehmen jedoch bis anhin. Jetzt packen betroffene Briefträger aus. «Dass es keine Zielsetzung von einem Prozent gebe, ist eine Unwahrheit», sagt Marion W.* zur Zeitung. Aus Angst vor einem Jobverlust will sie anonym bleiben. «Bis zum Jahresende muss jeder im Team vorerst zwei Stopp-Werbung-Kleber rückgängig machen», so W.

«Pro entfernten Kleber gibt es einen Strich»

Dieser Auftrag hat sich nun zu einem harten Wettkampf unter den Pöstlern entwickelt. Die Teamleiter der Briefträger haben in den Pausenräumen Listen aufgehängt: Auf der einen Seite stehen die Namen der Kunden , die ihre Aufkleber wieder entfernen sollen, auf der anderen jeder einzelne Mitarbeiter. «Pro entfernten Kleber kriegt der erfolgreiche Mitarbeiter einen Strich hinter seinen Namen», sagt Pöstler Kurt S.*

Ausserdem verteilt die Post an jeden Briefträger einen Leitfaden. Dieser enthält fixfertige Antworten, um kritische Einwände der Kunden zu entkräften. Die Post ermuntert auf der Anleitung auch zur Eigenwerbung für die Werbesendungen.

«Nötigung» der Mitarbeiter

«Effizienz- und Arbeitsdruck sind gross in der Zustellung und werden durch solche zusätzlichen Vorgaben noch verstärkt», sagt Bruno Schmucki, Sprecher der Gewerkschaft Syndicom zum «Blick». Das Ziel von einem Prozent sei zwar freiwillig. Wenn Teamleiter aber daraus einen Wettkampf machten und so moralischen Druck aufbauten, sei das problematisch.

Sara Stalder vom Konsumentenschutz ist entsetzt: Das Vorgehen der Post sei eine «Nötigung» der Mitarbeiter. Auch für die Kunden sei es eine Zumutung: «Die Post soll dem Willen der Konsumenten Respekt zollen, die sich vor der Werbeflut schützen wollen.»

Die Post hingegen sieht kein Problem: «Den Leiter der 1000 Zustellteams steht es frei, einen Wettbewerb zu starten», so Sprecher Oliver Flüeler. Individuelle Kleber-Ziele gebe es keine. «Es liegt auch im Interesse der Zusteller, dass die Stopp-Werbung-Kleber abnehmen.» Schliesslich helfe das auch, die Auslastung und Arbeitsplätze in der Zustellung zu sichern.

*Namen bekannt

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