Aktualisiert 10.10.2005 06:58

Poker um die Macht geht weiter

Deutschland wartet auch drei Wochen nach der Bundestagswahl auf eine Entscheidung in der Kanzlerfrage. Gestern abend ging das zweite Spitzentreffen zu Ende.

Nach dreieinhalb Stunden beendeten die Spitzen von Union und SPD ihr zweites Vierertreffen im Machtkampf um eine grosse Koalition.

Wie verabredet verliessen Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU), CSU-Chef Edmund Stoiber sowie der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die Parlamentarische Gesellschaft in Berlin ohne Stellungnahmen.

Die SPD hatte am Sonntag im Ringen um eine grosse Koalition mehr Zeit verlangt. Auf Wunsch von Müntefering sollte es in dem Gespräch am Sonntagabend entgegen früherer Planungen noch keine abschliessenden Festlegungen über Kanzleramt und Kabinett geben.

Heute morgen wollen SPD und CDU die Parteipräsidien über die Ergebnisse der Verhandlungen informieren. Für 11.00 Uhr ist ein weiteres Spitzentreffen verabredet. Erst dann soll endgültig beschlossen werden, ob es zu Koalitionsverhandlungen kommt.

Anschliessend wollen die Parteivorstände beider Seiten zu getrennten Sitzungen zusammenkommen, um die Entscheidungen endgültig abzusegnen.

Unterdessen bekräftigten beide Seiten ihren Anspruch auf das Kanzler-Amt. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach sagte, die CDU/CSU werde keine Koalition mit der SPD eingehen, wenn Merkel nicht Kanzlerin wird. Auch eine Teilung der Kanzlerschaft sei inakzeptabel.

Dagegen kann sich SPD-Innenminister Otto Schily eine zeitliche Teilung der Kanzlerschaft zwischen Schröder und Merkel «sehr gut» vorstellen. «Das würde das nötige Vertrauen beider Partner zueinander stärken», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.