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«Masslos enttäuscht»Pokerturniere bald wieder legal – Spieler unzufrieden

Mit dem neuen Geldspielgesetz werden kleine Pokerturniere wieder legal – unter Auflagen. Diese stossen bei Pokerfreunden auf harsche Kritik.

von
P. Michel
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Mit dem neuen Geldspielgesetz sollen Pokerturniere in Vereinen wieder legal werden. Doch die Auflagen zu Maximaleinsätzen, Anzahl Turnieren pro Tag und Rechnungslegung passen nicht allen Pokerfreunden.

Mit dem neuen Geldspielgesetz sollen Pokerturniere in Vereinen wieder legal werden. Doch die Auflagen zu Maximaleinsätzen, Anzahl Turnieren pro Tag und Rechnungslegung passen nicht allen Pokerfreunden.

Keystone/Dominic Favre
Laut Marc Horisberger, Präsident des Verbands der Pokerspielanbieter, wird es unter diesen Bedingungen selbst nach der Legalisierung keine Pokerturniere geben. «Wenn einerseits die Zahl der Turniere begrenzt und andererseits tausende Franken teure Revisionen gefordert werden, lohnt es sich für keinen Club, ein attraktives Turnier anzubieten und gleichzeitig Miete und Löhne zu zahlen.»

Laut Marc Horisberger, Präsident des Verbands der Pokerspielanbieter, wird es unter diesen Bedingungen selbst nach der Legalisierung keine Pokerturniere geben. «Wenn einerseits die Zahl der Turniere begrenzt und andererseits tausende Franken teure Revisionen gefordert werden, lohnt es sich für keinen Club, ein attraktives Turnier anzubieten und gleichzeitig Miete und Löhne zu zahlen.»

Keystone/Dominic Favre
Auch SVP-Nationalrat Lukas Reimann ist «masslos enttäuscht»: «Dass ein kleiner Club eine Rechnungslegung wie eine Aktiengesellschaft machen soll, ist nicht praktikabel.» Damit würge man einen potentiell einträglichen Wirtschaftszweig ab.

Auch SVP-Nationalrat Lukas Reimann ist «masslos enttäuscht»: «Dass ein kleiner Club eine Rechnungslegung wie eine Aktiengesellschaft machen soll, ist nicht praktikabel.» Damit würge man einen potentiell einträglichen Wirtschaftszweig ab.

Keystone/Peter Klaunzer

Pokerturniere um kleine Beträge in Pokerclubs könnten bald wieder erlaubt sein. Das neue Geldspielgesetz, das derzeit im Parlament behandelt wird, sieht vor, solche Turniere unter Auflagen zu legalisieren (siehe Box). Doch statt in Jubel auszubrechen, kritisiert die Pokerszene den Gesetzesentwurf scharf.

Laut Marc Horisberger, Präsident des Verbands der Pokerspielanbieter, wird es unter den vorgesehenen Bedingungen selbst nach der Legalisierung keine Pokerturniere geben. «Wenn einerseits die Zahl der Turniere begrenzt und andererseits tausende Franken teure Rechnungsprüfungen gefordert werden, ist es für keinen Club möglich, ein attraktives Turnier anzubieten, dessen Einnahmen Miete und Löhne deckt.»

Vorschriften seien nicht praktikabel

Über die Ausgestaltung des Gesetzes ist SVP-Nationalrat Lukas Reimann «masslos enttäuscht»: «Dass ein kleiner Club eine Rechnungslegung wie eine Aktiengesellschaft machen soll, ist nicht praktikabel.» Damit würge man einen potentiell einträglichen Wirtschaftszweig ab: «Wir müssen diese Arbeitsplätze und Einnahmen in der Schweiz behalten. In den Boom-Jahren haben diese Pokervereine viele Jobs für Studenten angeboten.»

Sascha Crescionini, Betreiber der Pokerplattform Buy-in.ch, ist zwar erfreut über die Gesetzesrevision. «Damit könnten viele Spieler, die derzeit noch illegal pokern, ihrem Hobby wieder auf legalem Weg nachgehen.» Andererseits rechnet er «wegen der hohen Auflagen im vorliegenden Gesetzesentwurf» damit, dass es nach der Legalisierung wohl zwei Drittel weniger Pokerclubs geben wird als früher. Nachdem das Bundesgericht vor sechs Jahren eine Beschwerde des Casinoverbands gutgeheissen und Poker als Glücksspiel eingestuft hatte, mussten alle kommerziellen Pokervereine schliessen oder gar mit Razzien aufgelöst werden.

Marc Horisberger fordert, dass die Spieler selbst entscheiden können, wie viele Turniere sie an einem Abend spielen wollen und so «der Markt über Spielerzahl, Einsatzhöhe und Anzahl Turniere entscheidet». Sascha Crescionini schlägt einen maximalen Einsatz pro Turnier von 20 bis maximal 300 Franken vor.

«Es darf keine Parallelbranche entstehen»

Der Schweizer Casinoverband will sich zur Festlegung der maximalen Einsätze und zur Zahl der erlaubten Turniere pro Tag nicht äussern. Der Verband betont, dass keine kommerzielle Parallelbranche entstehen dürfe, welche die Casinos konkurrenziere. «Die Hauptsache ist: Kleine Pokerturniere mit Geldeinsatz werden wieder erlaubt, so wie es die Betreiber immer wollten», sagt Marc Friedrich, Geschäftsführer des Casinoverbands. Es sei auch normal, das kommerzielle Betreiber sich an gewisse Regeln halten müssten. Friedrich betont: «Wer ohne Auflagen zu Einsatz und Spieldauer pokern will, kann dies mit dem neuen Gesetz im privaten Freundes- und Familienkreis jederzeit tun.»

Dass sich Pokerclubs, die zu wenig reguliert werden, als Konkurrenz für die Casinos erweisen, glaubt Crescionini nicht: «Obwohl die Casinos seit dem Bundesgerichtsentscheid das Monopol über Pokerturniere haben, ist das Angebot kaum gewachsen.» Während früher schweizweit dreissig bis vierzig Turniere pro Tag durchgeführt worden seien, gebe es heute Tage, wo in keinem Casino ein Turnier stattfinde. «Da liegt es nahe, dass jene Leute, die sich für kleine Pokerturniere interessieren, ohnehin nicht ins Casino gehen.»

Auflagen für kleine Pokerturniere

Nach dem neuen Geldspielgesetz muss ein Pokerclub diverse Voraussetzungen erfüllen, um Pokerturniere veranstalten zu können. Der Club muss ein Verein sein, der einen guten Ruf geniesst und eine transparente Geschäftsführung garantiert. Zusätzlich muss beim Turnier sich der Geldeinsatz im «tiefen» Bereich befinden, wobei der Bundesrat noch definieren muss, wie hoch die Einsätze sein dürfen. Ebenfalls noch festgelegt werden muss, wie viele Turniere pro Tag ein Verein durchführen dürfte. Ab 24 Turnieren pro Jahr ist der Club verpflichtet, sich an die Rechnungslegungspflichten nach Obligationenrecht zu halten und eine Revision seiner Finanzen erstellen zu lassen.

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