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«The Ghost Writer»Polanski: Gefangen im goldenen Käfig

Vor genau einem Jahr wurde Roman Polanski verhaftet, als er in die Schweiz einreisen wollte. Also musste er «The Ghost Writer», den Film, an dem er damals gerade arbeitete, während seines Hausarrests in Gstaad fertig stellen.

von
Philippe Zweifel
Einander ausgeliefert: Pierce Brosnan und Ewan McGregor in Roman Polanskis «The Ghost Writer».

Einander ausgeliefert: Pierce Brosnan und Ewan McGregor in Roman Polanskis «The Ghost Writer».

Vielleicht ist das der Grund für gewisse Parallelen in «The Ghost Writer». Wie Polanski muss im Film jemand in einem Haus ausharren, das ihm zum Goldenen Käfig wird: Der britische Ex-Premier Adam Lang, dem vom Internationalen Strafgerichtshof der Prozess gemacht werden soll. Weil die USA niemanden an den Strafgerichtshof ausliefern, ist er in einem Anwesen an der amerikanischen Ostküste vorläufig sicher.

Eigentlich aber gehts um einen Ghostwriter, der im Haus anwesend ist, um die Memoiren des Premiers zu verfassen. Ein vermeintlich langweiliger Job – wären da keine dunklen Geheimnisse, auf die der Mann stösst. Unter anderem, dass vor ihm bereits ein Ghostwriter hier war, der eines Tages tot im Meer treibend aufgefunden wurde.

Meisterlich platziert Polans­ki Augenblicke der Paranoia in die unheimliche Luxusvilla, die wie ein moderner Führerbunker wirkt. Wenig Gewalt, fast keine Action – dafür viel Spannung: «The Ghost Writer» hätte Alfred Hitchcock gefallen. Ein wunderbar altmodischer Thriller über die Politik der Gegenwart.

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