Spesenvergütung: Polanski geht es nicht gut
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SpesenvergütungPolanski geht es nicht gut

Flug hin, Zug zurück, das Zurich Film Festival zahlte das Ticket, mit dem Roman Polanski zu seiner Verhaftung in die Limmatstadt reiste, mit einem Zustupf aus der Bundeskasse. In Gefangenschaft der Zürcher Behörden hat ihn sein Anwalt kürzlich «müde und deprimiert» vorgefunden.

Der Bund unterstützt das private Zurich Film Festival mit jährlich 50 000 Franken – und finanzierte damit Roman Polanskis Flugticket zur eigenen Verhaftung mit. Aus der mit Steuergeldern aufgepeppten Festival-Kasse wurden Polanski die Reisespesen bezahlt – darunter das Flugbillet von Paris nach Zürich, wo der Star-Regisseur verhaftet wurde.

«Polanski bekam eine Spesenentschädigung», bestätigt ein Sprecher des Zürcher Filmfestivals gegenüber «Sonntag». Insgesamt seien dem Star-Regisseur «unter 2000 Franken» bezahlt worden. «Davon 1100 Franken für den Flug nach Zürich.» Im Entschädigungspaket war laut «Sonntag» auch ein TGV-Zugbillet von Zürich nach Paris enthalten.

Anwalt fürchtet um geistigen Zustand

Roman Polanskis französischer Anwalt Hervé Temime erklärte im «Sonntag», er habe Polanski am Freitag getroffen und sei «in Sorge» um dessen geistigen und körperlichen Zustand. «Ich habe ihn müde und deprimiert vorgefunden», sagte Temime nach dem Besuch im Zürcher Gefängnis, wo Polanski inhaftiert ist.

Der Filmemacher bleibe aber kämpferisch und hoffe weiterhion auf seine provisorische Freilassung aus der Auslieferungshaft. Das Bundesstrafgericht in Bellinzona werde «sehr bald» über das entsprechende Gesuch entscheiden, sagt Temime gegenüber «Sonntag». Polanski sei bereit, «jede gewünschte Garantie» zu geben, dass er im Land bleibe, solange die Gerichte über das Auslieferungsgesuch an die USA zu befinden hätten.

Direktor des Film-Festivals kritisiert Bund

Karl Spoerri, der künstlerische Direktor des Zürcher Film-Festivals, kritisiert die Bundesbehörden wegen der Verhaftung von Regisseur Roman Polanski. «Das Vorgehen des Bundes wirkt in der Tat etwas unkoordiniert», sagt Spoerri im Interview mit der «NZZ am Sonntag». «Während ein Amt die Ausführung eines Haftbefehls vorbereitet, verfasst das andere eine Laudatio.» Daneben halte er den Zeitpunkt der Verhaftung für «schleierhaft» und «sehr irritierend».

Schliesslich habe sich Polanski unmittelbar vor dem Festival während Wochen in Gstaad aufgehalten. Die Kritik, Spoerri sei durch seine Einladung mitverantwortlich für die Festnahme des Regisseurs, lässt der künstlerische Direktor nicht gelten. «Wir fühlen uns in keiner Weise verantwortlich», sagt er im Interview. Man bemühe sich seit 2006, dass Polanski ans Festival nach Zürich komme. «Zu keinem Zeitpunkt aber kamen wir auf den Gedanken, dass er hier verhaftet werden könnte.»

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