Aktualisiert 29.09.2009 06:13

Starregisseur verhaftet

Polanski konnte seine Frau treffen

Das Ehepaar Polanski habe sich inzwischen treffen können, sagte sein französischer Rechtsanwalt Hervé Temime am Rande eines Prozesses in Paris. Derweil hat die Staatsanwaltschaft in Los Angeles bekannt gegeben, dem provisorischen das definitive Auslieferungsgesuch nachliefern zu wollen.

Es sei für Polanski ein Trost gewesen, seine Frau sehen zu können. Polanski sei «schockiert», aber «kampflustig», sagte Temime am Abend in Paris vor den Medien. Am Montagnachmittag stattete auch der französische Konsul in der Schweiz, Jean-Luc Fauré-Tournaire, dem Häftling einen ersten Besuch ab. Am Abend tat es ihm der polnische Botschafter Jaroslaw Starzyk gleich. Wo sich Polanski aufhielt, wollten die Zürcher Justizbehörden nicht preisgeben, wie aus einem Bericht der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen SF vom Montagabend hervorgeht.

Der Starregisseur Roman Polanski hat am vergangenen Samstagabend seine Ehefrau Emanuelle Seigner persönlich über seine Verhaftung im Flughafen Zürich-Kloten informiert. Er telefonierte mit der Schauspielerin und Sängerin, mit der er zwei Kinder hat, am späten Abend, wie Temime am Montag in einem Gespräch auf der Internetseite der Pariser Tageszeitung «Le Figaro» sagte.

Temime äusserte die Hoffnung, dass Polanski rasch freigelassen werden könne. Man habe überhaupt nicht mit der Verhaftung gerechnet, zumal Polanski seit Jahren regelmässig in die Schweiz gereist sei. Der Oscar-Preisträger, dem auf dem Weg zu einer Ehrung am 5. Zurich Film Festival ein US-Haftbefehl wegen der angeblichen Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens im Jahre 1977 zum Verhängnis wurde, hielt sich laut Temime regelmässig in Gstaad im Berner Oberland auf, wo er ein Haus besitzt. Allein dieses Jahr sei er drei Monate dort gewesen, sagte Temime.

Oft in Gstaad

Polanski sei bis dahin von der Schweizer Justiz nie belästigt worden. Toni von Grünigen, der Vizegemeindepräsident von Saanen, zu dem Gstaad gehört, bestätigte auf Anfrage, dass der Regisseur oft in Gstaad war, aber selten gesehen worden und nie irgendwie aufgefallen sei. «Er war stets ruhig, zurückgezogen und bescheiden, wie es alle unsere Gäste sind», sagte von Grünigen.

Rechtsanwalt Temime wies darauf hin, dass Polanski trotz des US-Haftbefehls stets in der ganzen Welt herumgereist sei. Seines Wissens habe der Regisseur nur die USA gemieden. Menschlich gesehen finde er es unerträglich, dass ein Mann von 76 Jahren, der keinerlei Gefahr für die Gesellschaft darstelle und auf künstlerische wie persönlicher Ebene eine herausragende Reputation geniesse, auch nur einen einzigen Tag im Gefängnis erleiden müsse. Er denke, dass die Schweizer Justiz, der die Respektierung der Bürgerrechte am Herzen liege, dem Auslieferungsbegehren eine angemessene Antwort geben werde, sagte der Anwalt. (dapd)

Französischer Generalkonsul besuchte Polanski

Der französische Generalkonsul in Zürich hat am Montag Roman Polanski in der Auslieferungshaft besucht. Polanski werde gut behandelt und bedanke sich bei den zahlreichen Menschen, die ihm seine Unterstützung zugesichert hätten, teilte das Konsulat am Abend mit. Der Besuch erfolgte gemäss den Bestimmungen über den konsularischen Schutz, wie sie in der Wiener Konvention von 1963 verankert sind.

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