Strafrechtler: Polanski soll sich nicht weiter wehren
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StrafrechtlerPolanski soll sich nicht weiter wehren

Der polnischer Regisseur Roman Polanski kommt nicht so schnell aus dem Auslieferungsknast. Es sei denn, er entschliesse sich für eine vereinfachte Auslieferung an die USA.

von
hal

Roman Polanski bleibt in Haft: Für das Bundesamt für Justiz ist die Gefahr zu gross, dass der 76-Jährige flüchtet – obwohl er das Gegenteil versichert. Das Bundesamt für Justiz (BJ) schenkt Roman Polanski keinen Glauben: Obwohl dieser hoch und heilig verspricht, bei einer Haftentlassung in der Schweiz zu bleiben, tritt es nicht auf sein entsprechendes Gesuch ein. «Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass eine sehr hohe Fluchtgefahr besteht», sagt BJ-Sprecher Folco Galli. Selbst eine hohe Kaution oder ein Hausarrest im Chalet in Gstaad seien keine ­Gewähr dafür, dass der Star-Regisseur nicht flüchte.

Damit hat Polanski die erste Runde im Kampf gegen seine Auslieferung verloren. Nun muss das Bundesstrafgericht in Bellinzona entscheiden, ob es die Haft aufhebt. Laut Strafrechtsdozent Gerhard ­Fiolka von der Universität Freiburg hat Polans­ki aber auch da wenig Chancen: «Die Praxis ist sehr rest­riktiv. Nur wenn wirklich Gewähr besteht, dass jemand sich der Auslieferung nicht entzieht, ist eine Entlassung denkbar – etwa wenn er seine ganze Verwandtschaft in der Schweiz hat oder gebrechlich ist.» Dies sei beim französisch-polnischen Doppelbürger, der schon aus den USA geflohen ist, definitiv nicht der Fall.

Polanski bleibt also nur ein Ausweg, um die harte Auslieferungshaft zu verkürzen: Er kann sich mit einer vereinfachten Auslieferung an die USA einverstanden erklären. Fiolka: «Ansonsten läuft er Gefahr, dass die Auslieferungshaft länger dauert als eine allfällige Untersuchungshaft in den USA.»

700 Stars fordern die Freilassung Polanskis

In nur einer ­Woche haben bereits 700 Prominente aus der Filmbranche die Petition für eine Freilassung von Roman Polanski unterschrieben – darunter die Schauspielerinnen Penélope Cruz und Tilda Swinton sowie die Regisseure Martin Scorsese und Woody ­Allen. In der Petition steht, es sei untragbar, dass ein Filmfestival zur Polizeifalle werde. Polanski wurde am 26. September bei der Anreise zum Zurich Film Festival am Flughafen Zürich verhaftet.

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