Aktualisiert 29.09.2009 06:03

Star-Regisseur in U-Haft

Polanski sollte schon mehrfach verhaftet werden

Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles reagiert auf die Kritik, sie habe das Verfahren wegen Missbrauchs eines Kindes gegen Roman Polanski vor drei Jahrzehnten nicht korrekt geführt. Es sei unzutreffend, dass sie sich deshalb nie um die Verhaftung des Filmemachers bemüht habe, seit dieser 1978 geflüchtet sei.

Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte am Montag eine Liste über die mehrfachen Versuchen, die Verhaftung Polanskis im Ausland zu erreichen. Zuletzt sei dies im Jahre 2007 mit einem an Israel übermittelten Haftbefehl geschehen. Zuvor habe man sich unter anderem mit England, Thailand und Frankreich um die Festnahme des Regisseurs bemüht.

Polanskis Anwälte hatten in einer im Juli dieses Jahres eingereichten Eingabe an ein Gericht in Kalifornien erklärt, die Staatsanwaltschaft von Los Angeles habe sich in den vergangenen 30 Jahren nicht einmal um die Auslieferung Polanskis bemüht. Hätten sie dies getan, wäre das Fehlverhalten der Staatsanwaltschaft in diesem Fall zum Vorschein gekommen, erklärten sie. Die Anwälte werfen dem damals zuständigen Richter vor, er habe sich nach dem Schuldbekenntnis Polanskis, 1977 eine 13-Jährige sexuell missbraucht zu haben, nicht an eine mit dem Beschuldigten ausgehandelte Vereinbarung über die Strafe gehalten.

Polanskis US-Agent Jeff Berg sagte, die Verhaftung in der Schweiz sei sehr ungewöhnlich, nachdem der Regisseur den Sommer in seinem Haus in Gstaad verbracht habe. Zuvor habe er in aller Öffentlichkeit während sechs Monaten in Deutschland den Film «The Ghost» gedreht. «Ich denke, er möchte dieses Kapitel abschliessen», sagte Berg.

Im US-Aussenministerium in Washington wollte man sich nicht zu der Affäre äussern. Die Rolle des Aussenministeriums beschränke sich darauf, das von Kalifornien vorbereitete formelle Auslieferungsgesuch darauf zu prüfen, ob es die Bedingungen des bilateralen Auslieferungsvertargs mit der Schweiz erfülle, sagte ein Sprecher. Die Aussenminister Frankreichs und Polens hatten US-Aussenministerin Hillary Clinton schriftlich ersucht, sich für eine Begnadigung Polanskis einzusetzen. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.