Keine Haftentlassung: Polanski will in der Schweiz bleiben
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Keine HaftentlassungPolanski will in der Schweiz bleiben

Roman Polanski hat die erste Runde im Kampf gegen die Auslieferung an die USA verloren. Das Bundesamt für Justiz trat nicht auf ein Gesuch des Filmemachers für sofortige Haftentlassung ein. Polanskis Pariser Anwalt warf den Medien Lynchjustiz vor und plädierte für einen nüchternen Entscheid des Bundesstrafgerichts.

Formell ging es beim Entscheid des Bundesamts für Justiz um ein Wiedererwägungsgesuch, mit dem die Anwälte Polanskis den provisorischen Auslieferungshaftbefehl der USA in Frage stellten, wie BJ-Sprecher Folco Galli der Nachrichtenagentur AP erklärte. Das Bundesamt trat nun gar nicht auf dieses Gesuch ein, das gleichzeitig mit der Haftbeschwerde in Bellinzona in Bern deponiert worden war. Dies - so Galli -, weil sich das Bundesamt in seiner Stellungnahme zu Handen des Bundesstrafgerichts gegen eine Haftentlassung Polanskis ausgesprochen hat. «Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass eine sehr hohe Fluchtgefahr besteht», sagte der BJ-Sprecher. Auch eine Haftentlassung gegen Bezahlung einer Kaution oder gegen andere Sicherungsmassnahmen könnte die Anwesenheit Polanskis während des Auslieferungsverfahrens nicht gewährleisten.

Polanski sichert Verbleib in der Schweiz zu

Polanskis Anwälte reagierten mit einer in Paris veröffentlichten schriftlichen Stellungnahme. Demnach sichert der Regisseur zu, während des ganzen Auslieferungsverfahrens die Schweiz nicht zu verlassen. Polanski werde auch alle Verpflichtungen einhalten, die ihm dafür auferlegt werden könnten. Sein Schweizer Anwalt werde seine Eingabe beim Bundesstrafgericht machen, damit dieses den Entscheid über die Haftbeschwerde in voller Kenntnis des Sachverhalts fällen könne. Hoffentlich seien die Schweizer Richter in der Lage, vom Lynchen der Medien zu abstrahieren, fügte Rechtsanwalt Herve Temime vor Journalisten hinzu.

Die nächste Etappe im möglicherweise mehrmonatigen Verfahren gegen Polanski führt also nach Bellinzona. Dort muss die II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts entscheiden, ob sie der Beschwerde gegen die provisorische Auslieferungshaft stattgibt und die Haft gegen den Starregisseur aufhebt. Seine Anwälte hatten die Möglichkeit einer Kautionszahlung und eines Hausarrests im Ferienhaus des französisch-polnischen Doppelbürgers in Gstaad im Berner Oberland erwähnt. Die Haft ist gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts allerdings im Auslieferungsverfahren die Regel.

Auslieferungsgesuch noch nicht eingetroffen

Noch ausstehend ist das formelle Auslieferungsgesuch der USA, die Polanski für den sexuellen Missbrauch eines 13-jährigen Mädchens im Jahre 1977 zur Rechenschaft ziehen wollen. Mit der Verhaftung am vergangenen 26. September auf dem Flughafen Zürich-Kloten ist eine Frist von maximal 60 Tagen für die Einreichung des Gesuchs angelaufen. Es wird in erster Instanz vom BJ beantwortet. Das Verfahren sieht Weiterzugsmöglichkeiten ans Bundesstrafgericht und ans Bundesgericht vor. Gemäss dem neuen Bundesgerichtsgesetz treten die Richter in Lausanne aber nur noch auf Beschwerden ein, wenn es sich um einen «besonders bedeutenden Fall» handelt. Ein solcher liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist.

Polanski kann sich aber jederzeit auch mit einer vereinfachten Auslieferung an die USA einverstanden erklären. Juristen halten diese Möglichkeit für die wahrscheinlichste Variante, falls es den Anwälten gelingt, Zusicherungen der US-Justiz zu erhalten, dass der Regisseur dort keine Haftstrafe absitzen muss. (dapd)

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