Zeitreise in die 2000er: «Polarstar»-Besitzer sucht Nachfolger für Revival der Partyfoto-Webseite
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Zeitreise in die 2000er«Polarstar»-Besitzer sucht Nachfolger für Revival der Partyfoto-Webseite

Schaumpartys, Fasnachtsbälle, viel Alkohol und nackte Haut: Auf der Webseite «Polarstar» sind Partys aus den 2000er-Jahren digital verewigt. 2015 wurde der Betrieb der Seite eingestellt – nun wünscht sich Mitinhaber Izedin Arnautovic einen Nachfolger.

von
Michelle Muff
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Schaumpartys und Arschgeweihe: Auf der Seite «Polarstar» wurden von 2003 bis 2015 regelmässig Bilder von Partys aus der ganzen Zentralschweiz hochgeladen. 

Schaumpartys und Arschgeweihe: Auf der Seite «Polarstar» wurden von 2003 bis 2015 regelmässig Bilder von Partys aus der ganzen Zentralschweiz hochgeladen. 

Betreiber der Seite sind Michael Fehr, Adrian Husner und Izedin Arnautovic: Sie waren in 15 Jahren an über 2000 Events als Partyfotografen unterwegs. Das Bild stammt von einem Event vor zehn Jahren.

Betreiber der Seite sind Michael Fehr, Adrian Husner und Izedin Arnautovic: Sie waren in 15 Jahren an über 2000 Events als Partyfotografen unterwegs. Das Bild stammt von einem Event vor zehn Jahren.

Izedin Arnautovic
Fotografiert wurde überall, wo die Menschen zusammenkamen, um zu feiern: Wie etwa hier am Openair Sempach 2010. 

Fotografiert wurde überall, wo die Menschen zusammenkamen, um zu feiern: Wie etwa hier am Openair Sempach 2010. 

©Arnautovic Izedin - Izedin.ch

Darum gehts

  • Auf der Webseite «Polarstar» wurden von 2003 bis 2015 regelmässig Partybilder veröffentlicht. 

  • Auch heute noch sind die Bilder der Partygäste auffindbar.

  • Mitinhaber Izedin Arnautovic wünscht sich nun einen Nachfolger.

Über 2000 Partys wurden von ihren Kameras für die Nachwelt verewigt: Izedin Arnautovic, Michael Fehr und Adrian Husner fotografierten von 2003 bis 2015 feierwütige Jugendliche und Erwachsene an Partys in der ganzen Zentralschweiz – und stellten die Bilder anschliessend auf die von ihnen betriebene Webseite «Polarstar».

Auch heute noch sind die alten Partypics aufgeschaltet: Ein Klick durch die Galerie offenbart längst vergessene Momentaufnahmen, an die einige der Fotografierten sich wohl lieber nicht noch mal erinnern. Beim Wet-T-Shirt-Contest 2006 etwa tanzen Partygäste halbnackt um den Sieg, am Fasnachtsball 2008 präsentieren sich zwei Clowns wild knutschend und an der Schaumparty 2004 wurde stolz das Bauchnabelpiercing samt Arschgeweih-Tattoo in die Kamera gestreckt.

«Wir versuchten, die Würde der Gäste zu wahren»

«Wir haben Polarstar mit riesigem Elan betrieben», sagt Izedin – auch bekannt als Edi – heute. Teilweise sei man in einer Nacht an bis zu vier verschiedenen Partys gewesen: «Wir haben nichts verdient, sondern das freiwillig aus Vergnügen gemacht.» Die Reaktionen seien fast immer positiv ausgefallen, so Izedin: «Die Leute liessen sich gerne von uns ablichten und warteten am Tag nach der Party immer ungeduldig auf die Bilder.» Manchmal hätten ihnen aber auch besorgte Partygäste geschrieben mit der Bitte, gewisse Schnappschüsse zu löschen: «Es kam oft vor, dass jemand meinte, der Freund oder die Freundin dürfe diese Fotos nicht sehen. Dann löschten wir sie natürlich.»

Trotz des ganzen Alkohols, der an den Partys geflossen sei, versuchte man, die Würde der Abgelichteten zu bewahren, sagt Izedin: «Personen, die offensichtlich nicht mehr zurechnungsfähig waren, haben wir nicht fotografiert.» Eine Ausnahme stellten enge Freunde dar: Sei etwa ein guter Freund nach einem Bier zu viel in der Ecke eingeschlafen, habe man das manchmal zum Spass abgelichtet: «Diese Bilder kamen dann zu den sogenannten Tresor-Fotos: Diese werden bis heute gut verwahrt und wurden natürlich nie veröffentlicht.»

«Es wäre schön, einen Nachfolger zu finden»

2015 fotografierte Izedin die letzte Party – wie geht es nun mit «Polarstar» weiter? «Es wäre natürlich schön, einen würdigen Nachfolger zu finden, dem man das Zepter mit gutem Gewissen weitergeben könnte», sagt Izedin. Gewisse Anforderungen müsste die Person mitbringen: «Sie muss grosse Freude am Fotografieren haben, gesprächig sein und auch mit wenig Schlaf und teils aggressiven Partygästen auskommen.»

Izedin bezweifelt aber, dass das Konzept heute immer noch so gut funktionieren würde wie damals: «Die Auflagen für Partys wurden in den vergangenen Jahren immer strenger: Dadurch gibt es auch weniger Veranstaltungen als vor 15 Jahren. Ausserdem ist auch das Bedürfnis nach offiziellen Partybildern gesunken, da die Partygäste mit ihren eigenen Handykameras Fotos machen können.»

«Polarstar» werde man trotzdem weiterhin aufgeschalten lassen, sagt Izedin: «Es kostet nicht viel und zudem sind es lustige Erinnerungen an vergangene Zeiten.» Aber: Würde ein potenzieller Nachfolger mit einem guten Konzept auf Izedin, Adrian und Michael zukommen, würde man sich natürlich gemeinsam an den Tisch setzen: «Dann werden wir die Lage neu besprechen», sagt Izedin mit einem Grinsen. 

Darf ein Partyfotograf die Gäste einfach fotografieren?

Martin Steiger, Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf Datenschutz- und Medienrecht, erklärt, welche Rechte einem Partygast zustehen – und ob ein Fotograf Bilder von betrunkenen Gästen machen darf.

Darf man als Partyfotograf Bilder der Gäste machen und ins Internet stellen?
Jede Person hat das Recht am eigenen Bild: Das heisst, man hat einen grundsätzlichen Anspruch, zu bestimmen, ob man gefilmt oder fotografiert werden darf. Auch über die Verwendung der Bilder kann man bestimmen. Ein Partyfotograf darf Bilder von Gästen machen, wenn diese dem Fotografieren zustimmen. Das kann einerseits direkt erfolgen, zum Beispiel über die AGB beim Ticketkauf. Andererseits auch indirekt: Posiert man vor der Kamera des Fotografen, gilt das ebenfalls als Zustimmung.

Was gilt, wenn ein Gast sehr betrunken ist?
Ist man völlig betrunken, ist man nicht mehr urteilsfähig. Einen Partygast, der offensichtlich unter starkem Alkohol- oder Drogeneinfluss steht, sollte man nicht fotografieren, da die Zustimmung nicht rechtsgültig sein dürfte. Die meisten Partyfotografen wissen das und stellen keine Personen bloss. 

Und was kann man tun, wenn man ein Bild nicht mehr online haben möchte?
Man hat jederzeit das Recht, ein Bild löschen zu lassen – gerade auch, wenn das Bild vor langer Zeit aufgenommen wurde. In diesem Fall soll man dem Betreiber der Website oder dem Fotografen schreiben und ihn bitten, das Bild zu entfernen. Seriöse Betreiber nehmen solche Anfragen ernst und löschen meist ohne Widerrede. Ansonsten könnte das Recht am eigenen Bild und auf Vergessen verletzt werden. 

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