03.07.2018 13:02

Riesenexpedition

Polarstern wird ein Jahr in der Arktis eingefroren

Einfach treiben lassen. So lautet der Plan für einen deutschen Eisbrecher. Im Eis eingefroren, soll er mitsamt der Crew 350 Tage durch das Nordpolarmeer driften.

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Es soll die grösste Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten werden: 2019 wird der Eisbrecher Polarstern unter der Ägide von Forschern des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) vom norwegischen Tromsø in die Arktis aufbrechen.

Ein Jahr lang soll das Forschungsschiff mitsamt der Besatzung fest eingefroren im arktischen Eis durch das Nordpolarmeer driften. Versorgt von weiteren Eisbrechern und Flugzeugen werden insgesamt 600 Menschen aus 17 Ländern an der Expedition teilnehmen.

Frühwarnsystem für den Klimawandel besser kennenlernen

Das Ziel der aufwendigen Expedition sei es, die Wechselwirkung zwischen Atmosphäre, Eis und Ozean zu erforschen, so Expeditionsleiter Markus Rex gemäss Mitteilung des AWI.

Die Arktis gilt als Frühwarnsystem für den Klimawandel. Das dunkle Wasser nimmt mehr Energie auf als Eis, das die Sonnenstrahlung reflektiert, und durch das dünnere Eis gelangt mehr Wärme aus dem relativ warmen Ozean an die Oberfläche und in die Atmosphäre. So verstärken Rückkopplungseffekte die Erwärmung der Arktis erheblich.

Wie genau das vonstatten geht, ist jedoch unklar, wie Rex sagt: «Die Dramatik der Erwärmung in der Arktis wird in den heutigen Klimamodellen nicht in vollem Umfang wiedergegeben und die Unsicherheiten der Klimaprognosen für die Arktis sind enorm.» Diese Lücken soll die Expedition schliessen.

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Die «Polarstern» ist ein als Eisbrecher ausgelegtes Forschungs- und Versorgungsschiff. 2019 wird sie im Rahmen der sogenannten Mosaic-Expedition von Tromsø (Norwegen) aus in See stechen.

Die «Polarstern» ist ein als Eisbrecher ausgelegtes Forschungs- und Versorgungsschiff. 2019 wird sie im Rahmen der sogenannten Mosaic-Expedition von Tromsø (Norwegen) aus in See stechen.

AWI/Stefan Hendricks
Ein Jahr lang soll das Forschungsschiff mitsamt der Besatzung fest eingefroren im arktischen Eis durch das Nordpolarmeer driften.

Ein Jahr lang soll das Forschungsschiff mitsamt der Besatzung fest eingefroren im arktischen Eis durch das Nordpolarmeer driften.

AWI/Stefan Hendricks
Versorgt von weiteren Eisbrechern und Flugzeugen werden insgesamt 600 Menschen aus 17 Ländern an der Expedition teilnehmen.

Versorgt von weiteren Eisbrechern und Flugzeugen werden insgesamt 600 Menschen aus 17 Ländern an der Expedition teilnehmen.

AWI/Mario Hoppmann

Nach norwegischem Vorbild

Die Idee, sich im Eis der Arktis einfrieren zu lassen, ist nicht neu. Bereits vor 125 Jahren unternahm der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen eine ähnliche Erkundungsreise, die als Fram-Expedition in die Geschichte einging (siehe Box).

Die während des zwischen 1893 und 1896 dauernden Forschungstrips durchgeführten Beobachtungen leisteten wichtige Beiträge zu der damals noch jungen Forschungsdisziplin der Ozeanographie.

So lieferte die Eisdrift der Fram und der Marsch der Crew nach Norden den erstmaligen Beweis, dass sich zwischen dem eurasischen Kontinent und dem Nordpol keine grösseren Landmassen befinden und die Nordpolarregion im Wesentlichen durch vereiste Tiefsee gekennzeichnet ist.

Vor 125 Jahren brach die Fram zu einer ähnlichen Expedition auf – das Schiff existiert bis heute. (Video: visitoslo.com)

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Am 5. Dezember 1914 legte Ernest Shackleton und seine Mannschaft an Bord der «Endurance» in Südgeorgien ab. Das Ziel der sogenannten Imperial Trans-Antarctic Expedition: Die erste Durchquerung der Antarktis auf dem Landweg. (Im Bild: Die «Endurance» verlässt am 1. August 1914 die Millwall Docks in London)

Am 5. Dezember 1914 legte Ernest Shackleton und seine Mannschaft an Bord der «Endurance» in Südgeorgien ab. Das Ziel der sogenannten Imperial Trans-Antarctic Expedition: Die erste Durchquerung der Antarktis auf dem Landweg. (Im Bild: Die «Endurance» verlässt am 1. August 1914 die Millwall Docks in London)

Getty Images/Topical Press Agency
Doch bereits am 18. Januar 1915, noch bevor man antarktisches Festland erreicht hatte, sass der Dreimaster völlig im Packeis fest.

Doch bereits am 18. Januar 1915, noch bevor man antarktisches Festland erreicht hatte, sass der Dreimaster völlig im Packeis fest.

Getty Images/Scott Polar Research Institute, University of Cambridge
Die Mannschaft war dazu verdammt, im auf dem driftenden Packeis zu warten. Die Zeit vertrieb man sich unter anderem mit Fussball.

Die Mannschaft war dazu verdammt, im auf dem driftenden Packeis zu warten. Die Zeit vertrieb man sich unter anderem mit Fussball.

Getty Images/Scott Polar Research Institute, University of Cambridge

Wie kommt man darauf, sich einfach driften zu lassen?

Wie kommt man darauf, sich einfach driften zu lassen?

Die Inspiration zu Nansens Fram-Expedition lieferte die USS Jeannette. Das amerikanischen Kriegsschiff war im Juni 1881 vor der Nordküste Sibiriens gesunken. Drei Jahre später wurden im Eis eingeschlossene Überreste der USS Jeannette dann an der Südwestküste Grönlands wiederentdeckt – sie waren also tausende Kilometer gedriftet.

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