24.09.2020 11:00

Polestar 2 gegen Tesla 3 – wer gewinnt?

Der erste Stromer der Volvo-Tochter überzeugt (fast) von A bis Z.

von
Dieter Liechti
24.9.2020

Freude herrscht: Seit einer Woche sind wir «Besitzer» des ersten Polestar 2 in der Schweiz! Wobei Besitzer übertrieben ist: Der Polestar 2 ist unser neuster Jahres-Testwagen. Sprich: Während 12 Monaten wollen wir herausfinden, ob der Neuling das Zeugs dazu hat – sorry für den immer gleichen Vergleich –, gegen das Model 3 von Tesla zu bestehen. Das heisst, wir werden laufend über unsere Erfahrungen – gute und schlechte – berichten. Zum Auftakt gibts nur erste Eindrücke:

Die 4,6 Meter lange Fliesshecklimousine gefällt mit unaufgeregtem Design.
Elegante Silhouette

Die 4,6 Meter lange Fliesshecklimousine gefällt mit unaufgeregtem Design.

Polestar
In den Frontscheinwerfern erkennt man das von Volvo verwendete Lichtdesign, das an Thor’s Hammer erinnern soll. 
Thor’s Hammer

In den Frontscheinwerfern erkennt man das von Volvo verwendete Lichtdesign, das an Thor’s Hammer erinnern soll.

Polestar
In der Nacht ist der Polestar 2 auf Anhieb an dem mutigen Design des Rücklichts erkennbar.
Linientreue

In der Nacht ist der Polestar 2 auf Anhieb an dem mutigen Design des Rücklichts erkennbar.

Polestar

Design

Limousinen sind in der Schweiz alles andere als ein Renner. Aber Tesla zeigt mit dem Model 3, dass es immer mehr Menschen eher um die Funktion als die Form geht. So oder so: Der Polestar 2 ist zwar unaufgeregt gezeichnet, wirkt aber trotzdem sehr sportlich und zugleich elegant. Das sorgt für Aufsehen auf den Schweizer Strassen. Das hat aber nicht nur mit dem Design des kompakten Stromers – Länge 4,6 Meter, Breite 1,85 Meter – zu tun, sondern auch mit der Tatsache, dass man das Logo an Front und Heck noch nicht (er)kennt.

Performance

Business as usual, wer schon andere Stromer gefahren ist. Die 300 kW (408 PS) beschleunigen den Polestar 2 mühelos in 4,7 Sekunden auf Tempo 100. Kraft ist dank einem maximalen Drehmoment von 660 Nm in allen Situationen vorhanden, der Stromer spricht vehement an. Bei 205 km/h geht ihm die Puste aus, doch das interessiert heute keinen mehr. Viel wichtiger: Die zwei identischen Elektromotoren an den beiden Achsen ermöglichen einen variablen Allradantrieb. Schräg: Wer das aufpreispflichtige Performance-Paket bestellt, kann seine Dämpfer verstellen. Allerdings nicht über den Touchscreen, sondern manuell – unter dem Fahrzeug liegend. Das passt irgendwie nicht.

Reichweite

Die Batteriekapazität von 78 kWh genügt auf dem Papier für eine Normreichweite nach WLTP von 470 Kilometern. In der Realität werden es aber weniger sein. Vor allem, wenn auch Autobahnstrecken zum Alltag gehören. Wer wie ich in der ersten Testwoche mehrheitlich in der Stadt und der Agglomeration unterwegs war, braucht sich hingegen keine Sorgen zu machen – zum einen sind dann wirklich um die 400 Kilometer möglich, zum andern lädt der Polestar 2 mit bis zu 150 kW – so werden 80 Prozent der Batterie in 40 Minuten gefüllt.

Konnektivität

Als Apple-Mensch fällt es mir zwar persönlich noch immer schwer, «Ok Google» zu sagen, doch der Sprachassistent im erstmals verbauten Google-Betriebssystem Android Automotive OS macht seine Sache gut. Auch mit dem hochformatigen Touchscreen komme ich gut zurecht. Ob Klimaanlage, Ladeoptionen, Fahrmenüs – auch das läuft über den Touchscreen. Always on, «regelmässig upgedated», verspricht Polestar.

Verarbeitung

Volvo-like. Die Materialien sind hochwertig, die Verarbeitungsqualität top. Hier hat Tesla keine Chance. Alles, was man berührt, fühlt sich deutlich hochwertiger an als bei den Amis.

Preis

Die 57’900 Franken sind nicht wenig, aber dafür bekommt man ein topausgerüstetes Auto, das trotz (oder wegen) seinem grünen Mäntelchen Fahrspass pur verspricht.

Schwedisch oder Chinesisch?

Huānyíng oder Välkommen? Ob es sich bei dem Polestar um ein chinesisches oder schwedisches Produkt handelt, ist nicht ganz klar. CEO Thomas Ingenlath meint: «Der Hauptsitz von Polestar ist in Schweden, die Ingenieure sind Europäer aber gebaut wird das Auto vorerst in China.» Also alles eine Frage der Perspektive.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
26 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Mr. T

25.09.2020, 23:05

Das neuste Tesla Model S Plaid macht einfach mal nen neuen Rekord auf der Norschleife und lässt einen Sportwagen (Porsche) um 22 Sekunden hinter sich :-D Und das mit einer 5-Platz Limousine. Der erste Tesla Sportwagen (Roadster) kommt erst noch. Und all die jetzt kommen, für was braucht ein Auto 1100PS. Beim E-Auto steuert man den Verbrauch zu 95 % mit dem Fuss. Nur schon zu wissen, ein überlegenes Auto zu fahren macht spass. Ein V8 schluckt immer viel, egal wie man ihn fährt.

Romulus

25.09.2020, 19:20

Ich war heute Tesla Model 3 Performance testfahren. Und was soll ich sagen, einfach ein tolles Auto. Der Allrad reagiert so schnell auf Traktionsverlust, dass sogar bei nassem Wetter wie heute Beschleunigungen auf 100 unter 4 Sekunden machbar sind. Das Allrad-System ist alleine schon Grund einen Tesla zu kaufen. Und wenn ich mir so ansehe wie die Konkurrenz mehr Verbrauch, grössere Batterien (mit grossem Cobalt-Anteil) aber weniger Reichweite und viel weniger Leistung hat, kommt für mich definitiv nichts anderes mehr in Frage.

Tom Haller

25.09.2020, 16:41

Ah, es ist also lediglich eine Frage der Perpektive, ob ich für die KPC arbeiten gehen bzw. dieses Chinaauto kaufen soll oder nicht. Herzlichen Dank für diese schöne neue Erkenntnis.