Intensivstationen füllen sich - Politik fordert wegen Kosovo-Rückkehrern wieder Reisequarantäne
Aktualisiert

Intensivstationen füllen sichPolitik fordert wegen Kosovo-Rückkehrern wieder Reisequarantäne

Derzeit landen viele Reiserückkehrer aus dem Kosovo auf den Schweizer Intensivstationen. Politiker und Politikerinnen fordern nun erneut die Einführung einer Quarantäneliste für Risikoländer.

von
Daniel Graf
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Ferienrückkehrer insbesondere aus dem Kosovo und Nordmazedonien liegen derzeit häufig auf einer Schweizer Intensivstation. 

Ferienrückkehrer insbesondere aus dem Kosovo und Nordmazedonien liegen derzeit häufig auf einer Schweizer Intensivstation.

20min/Marco Zangger
Seit dem Ende der Sommerferien sind die Spitäler in der Schweiz aufgrund vieler Covid-Patienten und -Patientinnen wieder stark unter Druck. 

Seit dem Ende der Sommerferien sind die Spitäler in der Schweiz aufgrund vieler Covid-Patienten und -Patientinnen wieder stark unter Druck.

20min/Marco Zangger
Alain Berset bringt in der «NZZ am Sonntag» deshalb die Wiedereinführung einer Quarantäneliste in Hinblick auf die Herbstferien ins Spiel. 

Alain Berset bringt in der «NZZ am Sonntag» deshalb die Wiedereinführung einer Quarantäneliste in Hinblick auf die Herbstferien ins Spiel.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Nach ausgelassenen Ferien liegen derzeit viele Rückkehrer aus dem Kosovo wegen Covid auf Schweizer Intensivstationen.

  • Weil sich die Lage in den Spitälern wieder zuspitzt, fordern verschiedene Politiker und Politikerinnen die Wiedereinführung einer Quarantäneliste für Risikoländer.

  • GLP-Nationalrätin Melanie Mettler will hingegen auf bessere Aufklärung über die Impfung setzen.

Im Kosovo wurde diesen Sommer ausgiebig gefeiert: Wie die «Sonntagszeitung» (Bezahlartikel) schreibt, kamen alleine im Juli 446’340 Passagiere in der kosovarischen Hauptstadt Pristina an. Mit gravierenden Folgen für das Land: Ferienreisende schleppten die Delta-Variante in den Kosovo ein, wo sie sich aufgrund der tiefen Impfquote rasch ausbreiten konnte.

Nun bekommt die Schweiz das ebenfalls zu spüren: Seit viele Kosovo-Reisende wieder zurück sind, ist der Anteil an Schweiz-kosovarischen Reiserückkehrer auf den Schweizer Intensivstationen gestiegen. Mittlerweile würden sie einen beträchtlichen Teil der hierzulande behandelten Covid-Patienten ausmachen, führte die Corona-Taskforce des Bundesrats vergangene Woche aus.

Berset bringt Reisequarantäne wieder ins Spiel

Weil die Intensivstationen seit dem Ende der Sommerferien stark unter Druck geraten sind, drohte Gesundheitsminister Alain Berset (SP) in der «NZZ am Sonntag» damit, dass die Reisequarantäne im Hinblick auf die Herbstferien wieder nötig werden könnte.

Das fordert auch Mitte-Nationalrat Lorenz Hess: «Im Hinblick auf die Herbstferien müssen wir aus den Fehlern lernen.» Laut Hess würden in den Herbstferien mindestens so viele Schweizerinnen und Schweizer im Ausland Ferien machen wie im Sommer. «Die Quarantäneliste muss zumindest für Länder mit hohen Inzidenzen wieder eingeführt werden.»

Begleitet werden müsse diese Liste von «rigorosen Grenzkontrollen»: «Wer aus einem Risikoland kommt, müsste so oder so zehn Tage in Quarantäne. Für alle anderen Länder muss gelten: Nur, wer mit einem Testresultat zweifelsfrei nachweisen kann, dass er oder sie nicht Träger des Virus ist, soll einreisen dürfen.»

«Eigenverantwortung hat nicht funktioniert»

Auch GLP-Nationalrat Jörg Mäder unterstützt die Wiedereinführung der Reise-Quarantäne: «Gerade Reisende aus Ländern mit hohen Inzidenzen sollten nach der Rückkehr wieder zehn Tage in Quarantäne müssen.» Dies werde insbesondere im Hinblick auf die Herbstferien wichtig, damit sich das Szenario mit den Kosovo-Rückkehrern nicht wiederhole.

Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel sieht ebenfalls Handlungsbedarf: «Die Situation mit den Reiserückkehrern aus dem Kosovo zeigt, dass Eigenverantwortung in einer Krise nicht funktioniert. Der Bundesrat muss jetzt wieder den Tarif durchgeben und klar definieren, was hinsichtlich der Herbstferien für Reiserückkehrer gilt.» Humbel würde es begrüssen, wenn die Testpflicht für alle rigoros durchgesetzt würde. «Ungeimpfte müssten in Quarantäne und dürften diese erst wieder verlassen, wenn sie nach mindestens vier Tagen erneut einen negativen Test vorweisen können.»

Um die Testpflicht durchzusetzen, will Humbel etwa die Carunternehmen in die Pflicht nehmen: «Sie müssten dafür sorgen, dass sämtliche Personen, die per Car zurück in die Schweiz kommen, sich testen lassen. Werden Verstösse festgestellt, könnten den Carunternehmen Bussen auferlegt werden.»

«Fordern seit über einem Jahr Grenzkontrollen»

SVP-Nationalrat Thomas Aeschi sieht sich aufgrund der Entwicklungen in den Intensivstationen in einer Forderung bestätigt, die seine Partei schon lange stelle: «Seit über einem Jahr sagen wir, dass es strikte Grenzkontrollen braucht. Nur, wer an der Schweizer Grenze zweifelsfrei nachweisen kann, dass er oder sie kein Träger und Verbreiter des Virus ist, soll einreisen dürfen.»

Wie genau das sichergestellt werden könne, sei Sache von Bund und Kantonen. «Vor dem Hintergrund, dass im Ausland offenbar gefälschte PCR-Testresultat im Umlauf sind, liegt aber der Schluss nahe, dass nur in der Schweiz durchgeführte PCR-Tests zugelassen sein sollten», sagt Aeschi. Konkret müssten Reiserückkehrer in der Schweiz einen PCR-Test machen und so lange in Quarantäne gehen, bis das negative Resultat vorliegt.

«Jeden Grenzgänger zu kontrollieren, ist unrealistisch»

Anders sieht das GLP-Nationalrätin Melanie Mettler: «Die vielen Personen mit Migrationshintergrund auf den Intensivstationen zeigen auf, dass wir gewisse Bevölkerungsteile mit den Informationen zur Impfung nicht erreicht haben. Es muss deshalb jetzt im Fokus stehen, die Informationen auch den Personen zugänglich zu machen, die sich bis heute noch nicht wirklich mit dem Impfentscheid auseinandergesetzt haben.» Neben Personen mit Migrationshintergrund seien das etwa auch Bewohnerinnen und Bewohner von sehr abgelegenen Gebieten.

Von Grenzkontrollen hält Mettler nichts: «Es gibt etwa 350’000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger, die teilweise fast täglich die Grenze überqueren, um hier zu arbeiten. Nicht zuletzt im Gesundheitswesen. Hier können regelmässige Tests in den Unternehmen einen wichtigen Beitrag leisten. Die Schweiz ist ein Transitland mitten in Europa. Restlos alle an der Grenze zu kontrollieren, halte ich schlicht für unrealistisch.» Auch die Wiedereinführung einer Quarantäneliste ist für Mettler derzeit nicht angezeigt.

Eine strengere Kontrolle des Covid-Zertifikats beim Grenzübertritt findet Mettler aber sinnvoll, besonders, wenn sich die Lage bis zu den Herbstferien weiter verschlimmert und erneut mit vielen Reiserückkehrenden aus Ländern mit hohen Inzidenzen zu rechnen ist.

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