Aktualisiert 30.03.2020 19:09

Schutz vor Corona

Politiker befürworten eine teilweise Maskenpflicht

Die Österreicher müssen in der Öffentlichkeit bald Masken tragen. In der Schweiz fordern Politiker zumindest in Teilbereichen eine Maskenpflicht.

von
Daniel Graf

Mundschutz oder nicht? Auch an der Pressekonferenz vom 23. März 2020 vertrat Daniel Koch vom BAG die Meinung, dass Schutzmasken keinen Schutz für die tragende Person bieten.

Am Montagmittag hat Österreich beschlossen, im Kampf gegen das Coronavirus schrittweise eine Tragepflicht für Atemschutzmasken einzuführen. Ab Mittwoch sollen die Masken vor Supermärkten abgegeben werden und beim Einkauf getragen werden müssen.

Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Tragen von Atemschutzmasken obligatorisch werden, sobald man sich an die Öffentlichkeit begibt. In der Schweiz empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit nach wie vor, in der Öffentlichkeit keine Masken zu tragen.

«Die Schweiz hat ihre Hausaufgabe nicht gemacht»

Doch auch in der Schweiz befürworten Politiker eine teilweise Maskenpflicht: «Wenn es genug Masken hätte, würde es Sinn machen, eine vorübergehende Maskenpflicht etwa für das Einkaufen oder den ÖV einzuführen», sagt Grünen-Nationalrat Bastien Girod. Das Tröpfchensystem in den Lebensmittelläden sei zwar eine gute Lösung. «Dennoch ist immer noch möglich, dass hustende Kunden andere anstecken.» Würden alle eine Maske tragen, sei das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, geringer.

Andreas Glarner, SVP-Nationalrat und Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK), ist sich bewusst, dass das Tragen einer Atemschutzmaske nicht zuverlässig vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützt, wie er sagt. «Doch wenn alle, die sich möglicherweise angesteckt haben, von Anfang an eine Maske hätten tragen müssen, hätten wir sicherlich einige Ansteckungen verhindern können», sagt Glarner. Wären ausreichend Masken vorhanden gewesen, so hätte das BAG wohl diese Strategie verfolgt.

«Unzureichende Lager sind ein klares Versäumnis»

Diese Meinung teilt Ruth Humbel, CVP-Nationalrätin und Präsidentin der SGK: «Wenn die Schweiz von Anfang an ausreichend Masken an Lager gehabt hätte, hätte man vermutlich auch diese Massnahme ergriffen, um das Virus einzudämmen.» Es sei ein «klares Versäumnis», dass die Lager nicht ausreichend gefüllt gewesen seien.

Humbel sagt aber auch: «Am wichtigsten ist es, Abstand zu halten und sich regelmässig die Hände zu waschen.» Durch das Tragen von Atemschutzmasken könnten die Menschen sich in einer falschen Sicherheit wiegen und andere Massnahmen vernachlässigen.

CVP-Ständerat Erich Ettlin ist indes der Meinung, eine Maskenpflicht wäre derzeit wohl unverhältnismässig: «Im Vergleich zum erwartbaren Nutzen wäre das ein zu einschneidender Eingriff in die Freiheit der Bürger.» Auch Ettlin sagt aber: «Sobald die Schweiz genügend Masken hat, könnte die Empfehlung zu einer teilweisen Maskenpflicht abgeändert werden.» Dann könnten Masken überall dort zur Pflicht werden, wo die Massnahmen des Social Distancing nicht eingehalten werden können, etwa im Verkauf.

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