Coronavirus - Politiker drängen auf Zulassung von AstraZeneca-Impfstoff
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CoronavirusPolitiker drängen auf Zulassung von AstraZeneca-Impfstoff

Experten gehen davon aus, dass der Impfstoff Vaxzevria mehr Vorteile als mögliche Risiken mit sich bringt. Nationalräte wollen das Vakzin bei einer Zulassung schnell verfügbar machen.

von
Bettina Zanni
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Seit AstraZeneca unter dem Verdacht schwerer Nebenwirkungen steht, haben verschiedene Länder den Impfstoff ausgesetzt.

Seit AstraZeneca unter dem Verdacht schwerer Nebenwirkungen steht, haben verschiedene Länder den Impfstoff ausgesetzt.

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Nun mehren sich jedoch Stimmen aus der Wissenschaft, die das Vakzin, das unter dem Namen Vaxzevria vermarktet wird, als zuverlässigen Schutz gegen eine schwere Covid-Erkrankung einschätzen.

Nun mehren sich jedoch Stimmen aus der Wissenschaft, die das Vakzin, das unter dem Namen Vaxzevria vermarktet wird, als zuverlässigen Schutz gegen eine schwere Covid-Erkrankung einschätzen.

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Viele Wissenschaftler sind sich einig: Die Gefahr schwer an Covid-19 zu erkranken ist höher als mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffes.

Viele Wissenschaftler sind sich einig: Die Gefahr schwer an Covid-19 zu erkranken ist höher als mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffes.

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Darum gehts

  • Die Gefahr, schwer an Covid-19 zu erkranken, ist im Vergleich zu möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs Vaxzevria höher.

  • «Hauptsache ist, dass die Bevölkerung raschestmöglich mit welchen Impfstoffen auch immer geimpft werden kann», sagt Mitte-Nationalrat Philipp Matthias Bregy.

  • Andere Politiker warnen vor zu viel Druck auf die Zulassung des Impfstoffs.

Hirnthrombosen und Blutplättchenmangel: Seit AstraZeneca unter dem Verdacht schwerer Nebenwirkungen steht, haben verschiedene Länder den Impfstoff ausgesetzt. Nun mehren sich jedoch Stimmen aus der Wissenschaft, die das Vakzin, das unter dem Namen Vaxzevria vermarktet wird, als zuverlässigen Schutz gegen eine schwere Covid-Erkrankung einschätzen. Viele Wissenschaftler sind sich einig: Die Gefahr, schwer an Covid-19 zu erkranken, ist im Vergleich zu möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs Vaxzevria höher.

In der Schweiz ist das Vakzin noch nicht zugelassen, Swissmedic wartet noch zu. Bestellt hat der Bund davon rund fünf Millionen Dosen. Laut dem Hersteller könnten diese rasch nach der Zulassung geliefert werden. Geht es nach Politikern, darf die Schweiz bei der Zulassung nicht mehr unnötig Zeit verlieren.

«Studien prioritär vorantreiben»

Es sei wichtig, dass die Schweiz so viel Impfstoff wie möglich generiere und die Impfkapazität erhöhe, sagt der Mitte-Nationalrat Philipp Matthias Bregy. Derzeit zeigt sich, dass das bereits einmal korrigierte Impfziel von Alain Berset – alle Willigen sind bis Ende Juli geimpft – in einigen Kantonen auf der Kippe steht. Hinzu kommen Lieferengpässe wie jüngst beim Vakzin von Moderna.

«Swissmedic muss die Studien, die für eine Zulassung oder Nicht-Zulassung von AstraZeneca entscheidend sind, prioritär vorantreiben», sagt Bregy. Sobald die Studien da seien, gelte es, keine Zeit mehr zu verlieren. «Vielleicht sind für Swissmedic ein paar Überstunden nötig – Hauptsache ist, dass die Bevölkerung raschestmöglich mit welchen Impfstoffen auch immer geimpft werden kann.»

Bevölkerung müsse aufgeklärt werden

Bregy würde sich auch wünschen, dass das BAG die in den letzten Wochen entstandenen Zweifel am Impfstoff thematisiert und richtig stellt. «Es ist wichtig, die Bevölkerung aufzuklären, damit sich möglichst viele impfen lassen.» In Deutschland haben sich Kanzlerin Angela Merkel sowie der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach öffentlichkeitswirksam mit AstraZeneca impfen lassen.

«Je mehr Impfstoff wir verfügbar haben, desto schneller können wir in die Normalität zurückkehren», sagt auch FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Sobald sich ein neuer Impfstoff als wirksam und sicher herausgestellt habe, müsse die Schweiz diesen zulassen.

Auch Ruth Humbel (Die Mitte), Präsidentin der nationalrätlichen Gesundheitskommission, sagt: «Es ist klar: Sobald sich erwiesen hat, dass das gesundheitliche Risiko einer Impfung kleiner ist als jenes einer Nicht-Impfung, muss das Vakzin zugelassen werden.» Sie gehe davon aus, dass die Arzneimittelbehörde Swissmedic diese Fragen vertieft abkläre.

Impfstoff sei keine Zigarettenmarke

GLP-Nationalrat Martin Bäumle warnt hingegen vor zu viel Druck auf die Zulassung von Vaxzevria. «Impfen ist auch ein Solidaritätsakt und muss sicher sein.» Die Wahl eines Impfstoffs sei nicht mit dem Konsum einer bestimmten Zigarettenmarke oder Antibabypille vergleichbar. «Mit einer Impfung wollen insbesondere Jüngere, die Covid nicht als Risiko sehen, kaum Gesundheitsrisiken in Kauf nehmen.» Es sei deshalb essentiell, dass Swissmedic für den Impfstoff vom Hersteller die erforderlichen Datengrundlagen erhalte.

Auch SVP-Nationalrat Thomas Aeschi vermutet: «Swissmedic wird ihre Gründe haben, weshalb die AstraZeneca Impfung noch nicht zugelassen ist.» Jeder solle möglichst bald seinen Impfstoff frei wählen können. «So trägt jeder selbst die Verantwortung, falls vielleicht später langfristige Folgeschäden bei einem Impfstoff entdeckt werden.»

Swissmedic wartet auf Daten

Swissmedic-Mediensprecher Lukas Jaggi bestätigt, dass die Datengrundlage für den Impfstoff von AstraZeneca zurzeit unvollständig ist. «Wir warten noch auf Daten aus einer in Nord- und Südamerika laufenden Zulassungsstudie.» Wann diese vorliegen würden, sei zurzeit unbekannt. Gemäss amerikanischen Medienberichten will die Firma die Studiendaten bei der US-Arzneimittelbehörde bis Ende April einreichen.

Sobald Swissmedic die kritische Masse an Daten hat, kann die Behörde laut Jaggi sehr schnell entscheiden. «Dank der laufenden Begutachtung ist ein Entscheid innerhalb von wenigen Tagen möglich.»

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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