Geimpft, genesen, getestet - Politiker drängen mit Coronapass auf schnelle Lockerungen
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Geimpft, genesen, getestetPolitiker drängen mit Coronapass auf schnelle Lockerungen

Parteichefs fordern, dass der Bund rasch einen Impfnachweis schafft. Schon in wenigen Wochen soll die Schweiz zur Normalität zurückkehren.

von
Bettina Zanni
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Ein Coronapass wie in Dänemark oder das so genannte Impfzertifikat sollen frühere Lockerungen ermöglichen. 

Ein Coronapass wie in Dänemark oder das so genannte Impfzertifikat sollen frühere Lockerungen ermöglichen.

20min/Simon Glauser
Nur wer mit dem Pass eine Impfung, eine überstandene Infektion oder einen aktuellen Coronatest belegen kann, hat Zugang zu den geöffneten Angeboten.

Nur wer mit dem Pass eine Impfung, eine überstandene Infektion oder einen aktuellen Coronatest belegen kann, hat Zugang zu den geöffneten Angeboten.

Getty Images/iStockphoto
«Der Bundesrat wäre gut bedient, wenn er vorwärts machen könnte wie Dänemark», sagt Andrea Gmür-Schönenberger, Präsidentin der Mitte-Fraktion.

«Der Bundesrat wäre gut bedient, wenn er vorwärts machen könnte wie Dänemark», sagt Andrea Gmür-Schönenberger, Präsidentin der Mitte-Fraktion.

cvp-luzern.ch

Darum gehts

  • Dänemark öffnet Ende Mai mit dem Einsatz eines Coronapasses vollständig.

  • Ein Covid-free-Nachweis sei für frühere, aber kontrollierte Lockerungen unabdingbar, sagt die Präsidentin der Mitte-Fraktion.

  • Die FDP-Chefin fordert vom Bundesrat am Mittwoch eine Strategie mit klarer Perspektive.

Dänemark geht mit grossen Schritten aus dem Shutdown. Ab dem 6. Mai werden Restaurants und Cafés sowie Kinos und Theater wieder öffnen. Ende Mai, wenn alle Bürger über 50 Jahre ein Impfangebot erhalten haben, soll das Land bis auf wenige Ausnahmen zur vollständigen Normalität zurückgekehrt sein. Die Grundlage für die beschleunigten Lockerungen bietet ein digitaler Coronapass.

Nur wer mit dem Pass eine Impfung, eine überstandene Infektion oder einen aktuellen Coronatest belegen kann, hat Zugang zu den geöffneten Angeboten. Eng begleitet werden die Öffnungen zudem von einer stark ausgebauten Testinfrastruktur an PCR- und Schnelltests. Derzeit werden bei einer Bevölkerung von knapp sechs Millionen bis zu 400’000 Tests pro Tag gemacht. Das sind täglich 16 mal mehr Tests als in der um zwei Millionen bevölkerungsreicheren Schweiz.

Bundesrat solle vorwärts machen wie Dänemark

Schweizer Clubvertreter träumen bereits von Öffnungen dank Tests. Auch der Infektiologe Christian Garzoni sieht in breit angelegten Selbsttests Öffnungspotenzial. Das Impfzertifikat, das Schweizer Pendant zum dänischen Coronapass, steckt derweil nach der Datenpanne der Website «meineimpfungen.ch» noch in den Kinderschuhen. Ein international anerkanntes Impfzertifikat hat der Bundesrat erst für den Sommer angekündigt. Vor dem Entscheid des Bundesrats über das weitere Vorgehen in der Pandemie setzen Politiker Druck auf.

«Der Bundesrat wäre gut bedient, wenn er vorwärts machen könnte wie Dänemark», sagt Andrea Gmür-Schönenberger, Präsidentin der Mitte-Fraktion. Ein Covid-free-Nachweis sei für frühere, aber kontrollierte Lockerungen unabdingbar. «Der Bund muss möglichst rasch eine App beschaffen, in der die digitale Erfassung von Genesenen, Getesteten und Geimpften möglich ist.»

«Schnelle Rückkehr zur Normalität ist möglich»

Je länger Lockerungen hinausgezögert würden, desto grösser würden die wirtschaftlichen und psychosozialen Schäden, sagt Gmür-Schönenberger. Es sei höchste Zeit, dass der Bund eine Art Resozialisierung einleite. «Es gibt Studenten, die eine Uni noch nie von innen gesehen haben und Mitarbeiter, die seit Monaten im Homeoffice stecken.»

Auch Franz Grüter, Vize-Präsident der SVP, fordert einen Impfpass, um schnelle Lockerungen umzusetzen. «Dänemark zeigt, dass eine schnellere Rückkehr zur Normalität möglich ist.» Der Bund müsse nach dem IT-Debakel von «meineimpfungen.ch» die gesamte Website umkrempeln. «Ich wünsche mir, habe aber meine Zweifel, dass der Bund in den nächsten Wochen einen Impfpass zustande bringt.» Wenn der Bund den Impfpass nicht schnell hinbekomme, müsse für die Übergangsphase ein Tool organisiert werden, mit dem sich Immune und Getestete ausweisen könnten.

«Zuständige Stellen müssen endlich aufwachen»

Auch die FDP steht hinter einem frühzeitigen Impfpass. Je länger der Impfprozess dauere, desto länger werde die Bevölkerung in ihren Freiheiten eingeschränkt sein, sagt FDP-Präsidentin Petra Gössi. «Darum müssen die zuständigen Stellen endlich aufwachen.» Der Bundesrat müsse am Mittwoch dringend eine Strategie präsentieren, die eine klare Perspektive biete.

Die Option eines international anerkannten Impfpasses ist laut Gössi ein wichtiger Teil für den Weg zurück zur Normalität. «Der Bundesrat muss vor dem Sommer eine funktionierende Lösung vorlegen.» Das Innendepartement und das BAG seien deshalb gefordert, mit den Kantonen das Tempo beim Impfen zu erhöhen.

SP unterstütze datenschutzkonformen Nachweis

Linke Politiker sind zurückhaltender. Mattea Meyer, Co-Präsidentin der SP, weist darauf hin, dass das Parlament dem Bundesrat im Covid-Gesetz die Möglichkeit gegeben habe, einen Nachweis für eine Impfung, eine überstandene Erkrankung oder einen negativen Test auszuarbeiten. «Die SP unterstützt einen solchen persönlichen, fälschungssicheren und datenschutzkonformen Nachweis.»

Wichtig sei zudem, dass es jetzt mit den Impfungen in den Kantonen rasch vorwärtsgehe, viel getestet werde und das Contact Tracing funktioniere, so Meyer. «Das erlaubt vorsichtige, wissenschaftlich abgestützte Öffnungsschritte. Klar ist aber, dass es auch bei Lockerungen weiterhin Schutzmassnahmen braucht.»

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