Nach Superspreader-Events - Infektiologe Andreas Cerny fordert Schliessung der Clubs
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Nach Superspreader-EventsInfektiologe Andreas Cerny fordert Schliessung der Clubs

In Basel haben sich 91 Personen in fünf Clubs mit Corona angesteckt. Aus der Politik werden Forderungen nach Restriktionen laut: In Clubs soll nur noch dürfen, wer am Eingang sein Impfbüchlein vorzeigen kann. Andere Politiker halten davon jedoch nichts.

von
Jeanne Dutoit
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Jeder, der ein Covid-Zertifikat hat oder einen negativen Schnelltest vorweisen kann, darf in einem Club feiern. (Nordstern /Symbolbild)

Jeder, der ein Covid-Zertifikat hat oder einen negativen Schnelltest vorweisen kann, darf in einem Club feiern. (Nordstern /Symbolbild)

Roman Schoch 
Basel-Stadt verzeichnet bereits 91 Corona-Ansteckungen innerhalb eines Clubs.

Basel-Stadt verzeichnet bereits 91 Corona-Ansteckungen innerhalb eines Clubs.

Viertel Klub
Der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny ist über die Zahl der Neuansteckungen nicht überrascht. Die Delta-Variante begünstige die Ansteckungen in den Clubs.

Der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny ist über die Zahl der Neuansteckungen nicht überrascht. Die Delta-Variante begünstige die Ansteckungen in den Clubs.

Privat

Darum gehts

  • In Basel-Stadt ist es in Clubs zu 91 Corona-Neuansteckungen gekommen.

  • Mindestens fünf Nachtlokale sind davon betroffen. Zwei weitere stehen in Abklärung.

  • Ein Infektiologe fordert aufgrund der steigenden Fallzahlen die sofortige Schliessung aller Clubs.

  • Auch Politiker wollen die Massnahmen verstärken: Nicht geimpften Personen soll der Zutritt ins Tanzlokal verweigert werden.

Das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt vermeldet auf Anfrage von 20 Minuten, dass es seit der Öffnung der Clubs innerhalb von fünf Nachtlokalen zu 91 Corona-Ansteckungen gekommen sei (Stand Montagvormittag). «Darunter sind 23 Personen mit Wohnsitz in anderen Kantonen», so Mediensprecherin Anne Tschudin. Infektionsherde in zwei weiteren Clubs seien in Abklärung.

Zu den Neuansteckungen sagt Tschudin: «Unter den Infizierten befinden sich nur wenige geimpfte Personen. Die Fälle zeigen somit, wie sinnvoll die Impfung ist.»

Bereits in der Vergangenheit kam es bei Partys zu sogenannten Superspreader-Events. Etwa in Zürich im Sommer 2020. Nachdem ein Partygast positiv auf Corona getestet wurde, wurden 300 Personen in Quarantäne geschickt. Sie alle hatten zuvor im selben Lokal gefeiert.

«Klar, dass es zu Ausbrüchen kommt»

Die Gründe, wieso es bei Partys in Innenräumen vermehrt zu Corona-Fällen komme, sieht der Infektiologe Andreas Cerny bei der grassierenden Delta-Variante. «Das Risiko einer Übertragung des Virus durch Aerosole ist deutlich höher», so Cerny.

Darum komme es während Club-Besuchen zu Ansteckungen:

  • Delta-Variante ist hochansteckend.

  • Viele Personen feiern auf engem Raum, ohne Masken.

  • Antigen-Schnelltest ist nicht zu 100 Prozent korrekt.

«Es ist klar, dass es unter diesen Bedingungen zu Ausbrüchen kommen muss», fasst Cerny zusammen und betont die Bedeutung eines funktionierenden Contact-Tracings. Die Öffnung der Clubs erfolgte in den Augen des Infektiologen zum falschen Zeitpunkt. Die momentane Situation fasst Cerny als «unglücklich und bedrohlich» zusammen.

«Geimpfte sollen nicht unter Schliessung leiden»

Cerny verweist auf die Parallelen des Sommers 2020 und spricht von einer weiteren drohenden Welle. Während die Fallzahlen steigen würden, befinde sich Bundesbern im Ferienmodus. «Reagieren müsste die Regierung aber jetzt. Es wäre sinnvoll, die Clubs wieder zu schliessen», so Cerny.

Von einer Schliessung der Clubs will der Basler LDP-Grossrat Raoul Furlano absehen. Er fordert hingegen, dass nur noch jene Personen in den Club reinkommen, die am Eingang ihr Impfbüchlein nach erfolgter zweifacher Immunisierung vorweisen können. «Wenn sich alle impfen lassen würden, müssten wir überhaupt nicht mehr über dieses Thema sprechen», so der Kinderarzt bestimmt. «Eine Schliessung würde alle treffen. Ich bin der Meinung, dass nicht die Geimpften unter den Nichtgeimpften leiden müssen», so der Politiker.

Grossrätin Andrea Strahm ist ebenfalls dieser Meinung. «Ich finde es durchaus vertretbar, nur Geimpften den Zutritt in Clubs zu ermöglichen», so die Anwältin. «Heute hat jeder die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Wer das nicht will, geht nicht in den Club», sagt die Die Mitte-Politikerin.

SP-Frau will keine verfrühten Restriktionen

Alexander Bücheli, Sprecher der Schweizer Bar und Club Kommission (SBCK) hält sich zurück, wenn es darum geht, wem der Club-Zutritt in Zeiten von Corona erlaubt wird. «Die Rahmenbedingung, wer ein Zertifikat erhält, bestimmt die Wissenschaft zusammen mit der Politik und nicht wir», so Bücheli. Fest stehe, dass die SBCK dahinter stehe, dass der Clubbesuch so sicher wie möglich bleibe. «Wir stehen hinter der Zertifikats-Lösung, wie sie heute gehandhabt wird», so Bücheli.

Auch SP-Grossrätin Franziska Roth hält nichts von «verfrühten» Restriktionen. Clubs müssten für jedermann zugänglich bleiben. «Junge Leute brauchen das», so die Sozialpädagogin. Sonst würde sich das Zielpublikum in einem «unkontrollierten Rahmen» treffen, was in Roths Augen auch nicht zielführend sei. Weiterhin wichtig bleibe natürlich die Einhaltung des 3G-Modells, sodass nur Getestete, Genesene oder Geimpfte am Nachtleben teilnehmen dürfen.

Laut der Zürcher Gesundheitsdirektion wurden seit dem letzten Öffnungsschritt im Kanton Zürich rund 2800 Personen positiv getestet wurden. «Davon sind rund 50 Personen bei etwa 15 Ereignissen im Kontext von Clubbesuchen nachvollziehbar», sagt Beat Lauper, Leiter des Contact Tracing. Er betont: «Clubs, Bars und Restaurants sind im Contact Tracing bisher kein Problem.» Die meisten Fälle habe man im Kontext von Sportaktivitäten, gefolgt von der Arbeit und in der Kleinkind-Betreuung, gefolgt von Lagern (mit Kindern) und Schulen. «In der letzten Woche hatten wir einen einzigen Vorfall in einem Club, 53 hingegen in den anderen genannten Kategorien.»

Niederländer schlossen Clubs nach zwei Wochen wieder

In den Niederlanden handelte die Regierung radikal und beendete Anfang Juli die Party bereits zwei Wochen nach der Öffnung der Tanzlokale. Anlass zur Schliessung waren die Neuinfektionen, die in Zusammenhang mit dem Nachtleben gebracht wurden. Zuletzt wurden vor der Schliessung 7000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden registriert.

Auch auf Mallorca muss seit einer Woche mit angezogener Bremse gefeiert werden, nachdem die Corona-Infektionen auf der Party-Insel gestiegen sind. Einige Clubs mussten schliessen, wie die «Berner Zeitung schreibt (Bezahlartikel). Zudem wurden in der Nacht Partys an Stränden und in Parks verboten.

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