Sprachtest und Versicherungspflicht: Politiker kämpfen gegen Pfusch-Ärzte aus der EU
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Sprachtest und VersicherungspflichtPolitiker kämpfen gegen Pfusch-Ärzte aus der EU

Zahnärzte, die einen Schaden anrichten und dann ins Ausland verschwinden, Fachärzte, die kein Deutsch sprechen: Solche Fälle soll es in der Schweiz künftig nicht mehr geben.

von
J. Büchi
Derzeit werden auch Ärzte in der Schweiz registriert, die keiner Landessprache mächtig sind.

Derzeit werden auch Ärzte in der Schweiz registriert, die keiner Landessprache mächtig sind.

Fall 1: Frau Meier hat Zahnweh. Sie findet in einer Zürcher Gruppenpraxis einen französischen Zahnarzt, der günstiger ist als seine Schweizer Berufskollegen. Sie lässt sich behandeln - doch die Schmerzen verschwinden nicht, sondern werden noch schlimmer. Als Meier den Zahnarzt nochmals aufsuchen will, ist dieser verschwunden. Sie muss in einer anderen Praxis für viel Geld den Schaden flicken lassen, den der Franzose verursacht hat.

Fall 2: Herr Keller erleidet einen psychischen Zusammenbruch, kommt in eine Klinik. Als er dort zum Gespräch mit dem behandelnden Arzt gebeten wird, wähnt er sich im falschen Film: Der Mediziner aus Bulgarien spricht weder Deutsch noch Französisch. Keller kann sich nicht mit ihm verständigen.

Vorkommnisse wie diese ereignen sich immer wieder in der Schweiz. Die Politik will diesem Treiben nun einen Riegel schieben: Die Gesundheitskommission des Nationalrats hat sich letzte Woche einstimmig für eine Änderung des Medizinialberufegesetzes ausgesprochen. Die Anforderungen an ausländische Ärzte und Zahnärzte sollen damit deutlich steigen.

Keine Bewilligung, keine Versicherung

Eine Mehrheit der Kommission sprach sich dafür aus, dass sich nur noch Ärzte in der Schweiz registrieren lassen können, die eine Landessprache beherrschen. Gar ohne Gegenstimme fiel der Entscheid, dass künftig alle Mediziner eine Haftpflichtversicherung haben müssen. Heute können beispielsweise Zahnärzte aus europäischen Ländern im Rahmen der Personenfreizügigkeit ohne Bewilligung und ohne Versicherung 90 Tage lang in der Schweiz arbeiten. Wenn sie einen Schaden anrichten und danach verschwinden, gibt es keine Möglichkeit, sie zur Rechenschaft zu ziehen.

GLP-Nationalrätin und Patientenschützerin Margrit Kessler hat mit einem Vorstoss auf das Problem aufmerksam gemacht. Für sie ist es ein grosser Erfolg, dass die Nationalratskommission dem Geschäft zugestimmt hat. «Die Zahl der Fälle, in denen sich Patienten wegen schlechter Erfahrungen mit ausländischen Zahnärzten beschweren, nimmt zu.» Wie 20 Minuten berichtete, musste ihre Stiftung für Patientenschutz deshalb sogar eine zweite Expertin für Zahnarzt-Probleme anstellen. Von der Gesetzesänderung verspreche sie sich nun viel, so Kessler.

Fachverbände bestätigen Handlungsbedarf

Marco Tackenberg, Sprecher der Zahnärzte-Gesellschaft SSO, pflichtet ihr bei: «Wir begrüssen es sehr, wenn die Patientensicherheit mit der Gesetzesrevision erhöht werden kann.» Dass es heute keine Handhabe gibt, Zahnärzte aus dem europäischen Ausland zur Rechenschaft zu ziehen, sei der SSO schon lange ein Dorn im Auge.

Patientenschützerin Kessler unterstützt auch die Forderung, dass jeder Arzt künftig eine Landessprache beherrschen soll: «Es kann nicht sein, dass bulgarische oder rumänische Psychiater ihre Patienten nicht verstehen!» Der Ärzteverband FMH forderte schon im Frühling, dass für berufstätige Ärzte ein Sprachtest eingeführt wird. «In anderen Ländern wie England oder Deutschland ist dies heute schon üblich», bekräftigt FMH-Präsident Jürg Schlup. «Denn Medizin ist Teamwork: Nicht nur Arzt und Patient, sondern auch die Mediziner untereinander müssen sich verstehen.»

Als Nächstes berät der Nationalrat über die Gesetzesrevision. Aufgrund der klaren Mehrheiten in der Kommission stehen die Chancen gut, dass es durchkommt.

Haben Sie selbst schlechte Erfahrungen mit ausländischen Ärzten oder Zahnärzten gemacht? Schreiben Sie uns an feedback@20minuten.ch

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