Nur das Image zählt: Politiker können sagen, was sie wollen
Aktualisiert

Nur das Image zähltPolitiker können sagen, was sie wollen

Ein Experiment der Sendung «Einstein» zeigt: Haben Politiker mal
ein Image aufgebaut, dann spielt es keine Rolle mehr, was genau sie sagen.

von
Désirée Pomper

In Zusammenarbeit mit SF liess der Sozialpsychologe Christian Fichter die Parteipräsidenten der SVP und

der SP vor der Kamera ein Forderungspapier der CVP vorlesen. Das Video wurde 900 Testpersonen gezeigt. Alle waren sich einig: Die Forderungen seien «sehr typisch» für Toni Brunner beziehungsweise für Christian Levrat. Sogar ein Professor für Medienpsychologie fiel auf das Experiment herein. «Politiker können bis zu einem gewissen Grad sagen, was sie wollen. Was zählt, ist ihr Image», sagt Fichter.

Toni Brunner erstaunt das Resultat nicht. «Als Parteipräsident ist man abgestempelt», so Brunner. Es gehe für den Betrachter nur noch darum, ob man ihn hasse oder liebe. Das Resultat sei aber ein Beweis dafür, dass man Brunner als Markenzeichen und Imageträger der Partei wahrnehme, so Fichter.

Was Brunner und Levrat bereits gelungen ist, wünschen sich auch viele andere Politiker. «Die Nachfrage nach Imageberatern für Politiker wächst rasant», weiss Fichter. Die Marketing-Maschinerie in der Politszene laufe heiss, die «Amerikanisierung» halte nun auch hier Einzug.

Fichter vermutet, dass der Imageeffekt evolutionspsychologisch bedingt sei: «Sich an einem gespeicherten Image zu orientieren, erlaubt uns, instinktiv richtig zu handeln.» Im Normalfall funktioniere das gut – solange man nicht getäuscht werde.

«Einstein»: Donnerstag, 21 Uhr auf SF 1

Auch bei Zeitungen

Der Image-Effekt greift nicht nur bei Politikern. Forscher der Universität Zürich zeigten im Rahmen des Wissenmagazins «Einstein» rund vierhundert Probanden einen «Tages-Anzeiger»-Artikel; allerdings im «Blick»-Layout. Alle hielten den Artikel über Handytarife für unglaubwürdig. Der gleiche Artikel im NZZ-Kleid dagegen hinterliess ausnahmslos einen topseriösen Eindruck. Keine einzige Testperson hegte Verdacht. Nicht einmal die Jour-

nalisten unter ihnen.

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