Aktualisiert 18.08.2015 14:04

Eis go zieh mit... Martin Bäumle«Politiker könnten von den Bellers etwas lernen»

Der GLP steht ein schwieriger Wahlherbst bevor. Präsident Martin Bäumle erklärt, womit er punkten will und wofür er eine Millionärsgattin bewundert.

von
J. Büchi
1 / 5
20 Minuten trifft GLP-Präsident Martin Bäumle im Café Fédéral zu Salat und Mineral.

20 Minuten trifft GLP-Präsident Martin Bäumle im Café Fédéral zu Salat und Mineral.

Seit seinem Herzinfarkt im März des vergangenen Jahres hat Bäumle 14 Kilo abgespeckt.

Seit seinem Herzinfarkt im März des vergangenen Jahres hat Bäumle 14 Kilo abgespeckt.

Alessandro Della Valle
Die GLP ist Martin Bäumles Baby. Im Herzen sei er immer grünliberal gewesen, schon lange vor der Trennung von den Grünen. «Ein gesunder Staatshaushalt und eine nachhaltige Umweltpolitik gehören für mich untrennbar zusammen», so Bäumle.

Die GLP ist Martin Bäumles Baby. Im Herzen sei er immer grünliberal gewesen, schon lange vor der Trennung von den Grünen. «Ein gesunder Staatshaushalt und eine nachhaltige Umweltpolitik gehören für mich untrennbar zusammen», so Bäumle.

urs Flueeler

Hätte dieses Treffen vor drei Jahren stattgefunden, wäre das gemeinsame Mahl üppiger ausgefallen. Martin Bäumle bestellt im Café Fédéral eine Schüssel «Märitsalat» und einen halben Liter Mineralwasser. Auf die Spezialität des Hauses, das Entrecôte, verzichtet er. «Früher hätte ich 200 Gramm Fleisch bestellt, mit Pommes dazu», erzählt der Präsident der Grünliberalen und lächelt verschmitzt.

Nach seinem Herzinfarkt im vergangenen März hat er seine Lebensgewohnheiten radikal umgekrempelt, die Risikofaktoren analysiert und nach Möglichkeit eliminiert. Von einem «Schuss vor den Bug» sprach er, der Rastlose, damals. Inzwischen hat er 14 Kilogramm abgenommen. Das Telefon bleibt am Sonntag öfter einmal ausgeschaltet («auch zum Wohl der Beziehung»). Auf zu anstrengende Reisen und Einsätze für den FC Nationalrat verzichtet Bäumle vorerst («die Pulsuhr zeigt, dass es dafür noch zu früh ist»).

«Wir wollten zu viel»

Während es mit der Gesundheit aufwärts geht, musste Bäumle im Frühling diesen Jahres politisch einen weiteren Schuss vor den Bug hinnehmen. Wobei er selbst lieber von einem «Weckruf» spricht. Zuerst lehnte das Stimmvolk im März die erste GLP-Initiative mit einem Rekord-Nein ab. Im April verlor die Partei an den kantonalen Wahlen in Luzern und Zürich markant. Das habe «sehr weh getan», gibt Bäumle unumwunden zu. Die verantwortlichen Faktoren hat er auch in diesem Fall knallhart analysiert.

«Bei der Initiative wollten wir zu viel und haben das Ganze zu technisch aufgegleist», so Bäumle selbstkritisch. Und bei den Wahlen sei es der GLP nicht gelungen, zu mobilisieren und sich als finanzpolitisch kompetente Partei zu verkaufen. Dazu komme die ungünstige Grosswetterlage. Also rabenschwarze Aussichten für die nationalen Wahlen im Herbst? «Ich habe immer gesagt, 2015 wird das Jahr der Bewährung», so Bäumle. «Es wird anspruchsvoll, die sensationellen Wahlerfolge der letzten Jahre zu wiederholen. Aber ich halte es für möglich.»

«Energiewende droht zu kippen»

Die GLP ist Martin Bäumles Baby. Im Herzen sei er immer grünliberal gewesen, schon lange vor der Trennung von den Grünen. «Ein gesunder Staatshaushalt und eine nachhaltige Umweltpolitik gehören für mich untrennbar zusammen», so Bäumle. Nur wenn es der Wirtschaft gut gehe, könne sie ökologische Innovationen vorantreiben. «Wenn die Umweltpolitik den Unternehmen hingegen zu viele Regeln auferlegt, schadet das der Wirtschaft und damit auch dem ökologischen Fortschritt.»

Fast hat man das Gefühl, der studierte Chemiker sei etwas verzweifelt ob der Tatsache, dass sich dies nicht längst allen erschlossen hat. Am grünen Mäntelchen der Konkurrentin FDP lässt er jedenfalls kein gutes Haar. «Ich empfehle jedem, mal deren Wahlverhalten zu studieren. Das sind nichts als leere Worthülsen.» Viele Wähler würden wohl nicht realisieren, dass das Parlament die Energiewende zu kippen drohe, wenn die Bürgerlichen im Herbst noch zulegen.

Die scharfe Kritik kommt von einem, der in jungen Jahren selbst oft für einen Jungliberalen gehalten wurde. Auch heute kokettiert er mit seinem Lebensstil, der nicht in allen Belangen als grün bezeichnet werden kann. Zwar hat Bäumle sein Zuhause zum Energieplus-Haus hochgerüstet und ist oft mit dem Velo unterwegs. Er fährt aber auch leidenschaftlich gern Töff und gönnt sich auch sonst «den einen oder anderen Luxus». Als Grünliberaler stehe er dazu.

Bekannt mit Bellers

Apropos Luxus: Zu den Bekannten von Bäumle und seiner Frau Yuliya zählt eines der berühmtesten Glamour-Paare der Schweiz: Walter und Irina Beller. Was verbindet die Bäumles mit den Bellers? Der Medienprofi setzt zu einer Antwort an, verschluckt sich, hustet, lacht. Dann, wieder ernst: Man habe sich an der Veranstaltung Art on Ice kennengelernt. «Als wir die Einladung erhalten haben, schauten wir uns ein paar Videos an und dachten: Schon etwas schräg.» Im persönlichen Gespräch hätten sich Yuliya und Irina – beide stammen aus der Ukraine – dann aber sofort gefunden. Und auch die beiden Männer haben sich schätzen gelernt.

In Bundesbern könnte der eine oder andere etwas von den Bellers lernen, ist Bäumle überzeugt. «Irinas Buch wurde schweizweit bekannt, ohne dass sie einen Franken in Werbung investiert hätte – das muss ihr zuerst einmal jemand nachmachen.» Das Buch sei im Übrigen viel besser, als es zuweilen dargestellt werde. «Ich musste bei der Lektüre x-mal lachen. Ich würde es jedem empfehlen.» Wird Irina Beller also die neue Kampagnenberaterin der GLP? «Das glaube ich kaum, wir haben bisher nur wenig über Politik gesprochen.»

Fünf Fragen an Martin Bäumle

Was wären Sie gerne geworden?

Als Junge Lokomotivführer des TEE-Zugs (Trans-Euro-Express), später Umwelt-Wissenschaftler

Ihr erster Job?

Stimmenzähler in Dübendorf

Ihr bester Entscheid?

Meine Frau zu heiraten

Das letzte Mal betrunken?

So richtig nur einmal in meinem Leben, vor bald 20 Jahren

Was würden Sie mit einer Million machen?

Gut investieren für die Zukunft

«Eis go zieh mit...»

Während der Parlamentssessionen trifft sich 20 Minuten jeweils mit bekannten und weniger bekannten Politikern verschiedener Parteien auf ein Bier. Oder auch auf ein Glas Wein, einen Kaffee oder einen Himbeersirup. Hauptsache, es entstehen spannende Gespräche, die auch einen Einblick in die Persönlichkeiten hinter der politischen Arbeit erlauben.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.