Aktualisiert 05.09.2008 13:41

Facebook

Politiker stehen am Facebook-Pranger

Facebook wird nicht nur genutzt, um persönliche Kontakte zu pflegen, sondern auch um gezielt andere Personen zu diffamieren. Politiker sind die beliebtesten Ziele.

von
Manuel Bühlmann

Die Gruppe mit dem Arbeitstitel: «Ich könnte Mike Shiva den ganzen Tag die Fresse polieren» hat offensichtlich Nachahmer auf den Plan gerufen. Dieses Mal richtet sich der Zorn einzelner Community-Mitglieder gegen Bastien Girod, Nationalrat der Jungen Grünen. Er sei die «Fleisch gewordene Schande für den Nationalrat», steht in der Einleitung geschrieben.

Mittlerweile haben sich knapp 1000 Personen der Gruppe angeschlossen, um gegen den Initianten der Stopp-Offroader-Initiative Dampf abzulassen. Girod hat dafür wenig Verständnis: «Wenn dadurch wenigstens ein politischer Diskurs angeregt würde, könnte ich es ja noch verstehen. Für Gewaltaussagen habe ich jedoch, auch wenn sie nicht ernst gemeint sind, null Verständnis. Sie zeugen lediglich von fehlenden Argumenten», sagt der Nationalrat der jungen Grünen auf Anfrage von 20 Minuten Online. Persönlich unterhält er einen privaten Facebook-Account und nutzt die Social-Community, um seine politischen Belange zu kommunizieren. Die Facebook-Gruppe «Stopp-Offroader Initiative» vereint bislang 322 Mitglieder.

Auch gegen den Juso-Chef wird mobil gemacht

Auch Cédric Wermuth, Präsident der Jungsozialisten (Juso), bekommt sein Fett weg. Den elf Teilnehmern der verschwindend kleinen Gruppe «Ich könnte Cédric Wermuth pausenlos die Fresse polieren!!!» stösst Wermuths Engagement für die Durchführung des ersten Zürcher Botellóns sauer auf. Verwaltet wird die Gruppe von einem gewissen «Davide Licari». Er schreibt: «Ich bin zwar kein Fan von Esther Maurer, aber diesmal muss ich ihr leider Recht geben, wenn sie sagt, dass diese Jugendlichen hirnkrank sind» und fordert den jungen Politiker unverblümt auf: «Lieber Cédric Wermuth, als Präsident taugst du einfach nichts, wenn du solche Aktionen befürwortest. Such dir doch lieber ein neues Hobby.»

Wermuth nimmt das Ganze mit Humor: «Das nervt mich nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Wenn sich gewisse Leute über das Engagement der Jusos aufregen, zeigt es doch, dass wir mit unserer Politik den Nerv der Zeit getroffen haben. Solange es nicht zu massiven Beleidigungen kommt oder in reale Aggressionen umschlägt, ist das für mich unproblematisch», so Wermuth auf Anfrage von 20 Minuten Online.

Wermuth nervt sich auf Facbook über Girod

Brisant an der Sache: Der Präsident der Jusos ist selbst Mitglied der Facebook-Gruppe «Bastien Girod nervt». «Ich habe mich dort einmal als Mitglied eingetragen, weil ich die Stopp-Offroader-Initiative nicht für besonders schlau halte», erklärt Wermuth. Dass es darunter auch User gibt, die Girod mit Gewalt drohen, wusste der JUSO-Präsident bislang nicht. «Sollte dies tatsächlich wahr sein, werde ich gleich wieder aus dieser Facebook-Gruppe austreten. Es ist genau der Schlag von Leuten, die nicht den Mut haben, sich offen einer Diskussion zu stellen», sagt Wermuth und fügt hinzu: «Bastien Girod gehört übrigens zur Liste meiner Facebook-Freunde.»

Gegen die Zürcher Polizeivorsteherin Esther Maurer wird auf Facebook ebenfalls mobil gemacht. Über 4000 Mitglieder fordern deren Abwahl. Im Gegensatz zu den anderen Pranger-Gruppen wollen es die Initianten «Walker Sascha» und «Daniel Spitz» nicht bei missbilligenden Worten belassen. Sie fordern die Mitglieder auf, sich am 18. September zwecks Besprechung des weiteren Vorgehens zu treffen – in der Realität.

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