Jugend+Sport: Politiker vermiesen Pfadi die Sommerlager
Aktualisiert

Jugend+SportPolitiker vermiesen Pfadi die Sommerlager

Der Bund senkt die Beiträge für Jugendlager massiv. Die Pfadi sieht die Qualität ihrer Lager in Gefahr.

von
Pascal Michel
Durch die tieferen Jugend+Sport-Beiträge müssen die Pfadfinder im Lager beim Essen sparen.

Durch die tieferen Jugend+Sport-Beiträge müssen die Pfadfinder im Lager beim Essen sparen.

Im kommenden Sommerlager müssen Schweizer Pfadis sparen: Das Bundesamt für Sport (Baspo) kürzt die Beiträge für Lager, die vom Programm Jugend+Sport (J+S) unterstützt werden, um einen Viertel. Statt 7.60 Franken pro Tag und Teilnehmer gibt es ab August nur noch 5.70 Franken.

Die Reduktion trifft Jugendverbände wie die Pfadi empfindlich. «Mit einer so drastischen und plötzlichen Kürzung haben wir nicht gerechnet», sagt Manuela Mühlemann von der Pfadibewegung Schweiz. Sie schätzt den Ausfall für ein durchschnittliches Pfadilager auf bis zu 600 Franken. «Um diese Gelder zu kompensieren, werden wir beim Essensbudget oder bei Ausflügen Abstriche machen müssen.»

Eltern müssen höhere Beiträge zahlen

Auch für Jungwacht und Blauring, die ihre Lager ebenfalls zu einem Teil durch J+S-Gelder finanziert, ist der Entscheid «sehr problematisch». «Die Kürzung der Beiträge stellt für uns einen grossen finanziellen Einschnitt dar», sagt Jubla-Sprecherin Monika Elmiger. Das führe dazu, dass einige Gruppen die Kosten für ein Lager auf die Teilnehmer abwälzen müssten.

In diesem Fall seien es die Eltern, die für die höheren Lagerkosten aufkommen müssten. «Das ist bedenklich, da so Kinder aus finanziell benachteiligten Familien ausgeschlossen werden könnten.» Ein weiteres Problem liegt laut Elmiger in der kurzfristigen Kommunikation: «Wir haben dieses Jahr mit den aktuellen Beiträgen gerechnet und müssen nun unsere Budgets auf den Kopf stellen.»

«Kürzung ist nicht im Sinne des Parlaments»

In der Politik stossen die einschneidenden Beitragsreduktionen auf Unverständnis. Für dieses Jahr ist für Jugend+Sport ein Betrag von 75 Millionen Franken budgetiert. Durch die steigende Zahl an Gesuchen rechnete das Parlament mit einem Mehraufwand von bis zu 15 Millionen Franken und stellte dem Baspo in Aussicht, diese Zusatzkosten mit einem Nachtragskredit aufzufangen. «Eine Kürzung der Beiträge ist überhaupt nicht im Sinne des Parlaments, weil wir klar signalisierten, dass der Kredit angenommen würde», sagt der Luzerner Ständerat Konrad Graber (CVP).

Graber spricht von einem Missverständnis zwischen Bundesamt und Parlament: «Im Rat war stets klar, dass die Beiträgshöhe nicht angetastet wird und sich das Baspo sonst mit einem Antrag, in dem die Mehrkosten begründet werden, ans Parlament wendet, statt die Höhe der Beiträge zu senken.»

«Parlament will hohe Beiträge»

Christoph Lauener, Sprecher des Baspo, rechtfertigt die Kürzungen: «Wir arbeiten mit dem vorgegebenen Budget, das wir einhalten müssen.» Der Nachtragskredit, der im Parlament besprochen worden sei, hätte nur den Fehlbetrag für das vergangene Jahr ausgeglichen. Durch die steigende Nachfrage für Lager und Kurse komme man dieses Jahr nicht darum herum, die Beiträge ab August zu senken.

Ständerat Konrad Graber bleibt dabei: «Die voreiligen Kürzungen sind nicht nachvollziehbar.» Er fordert nun einen Bericht, in dem das Amt den Entscheid rechtfertigt und darlegt, mit welchen Auswirkungen zu rechnen wäre. Und mit einem Vorstoss will Graber die Kürzungen rückgängig machen: «Ich bin überzeugt, dass das Parlament die hohen Beiträge will und das nötige Geld zur Verfügung stellen wird.»

Das hofft auch Matthias Aebischer, Präsident der Bildungskommission des Nationalrats: «Ab Mitte bis Ende Jahr gibt es möglicherweise eine kurze Durststrecke, doch für 2016 werden wir alles daran setzen, dass wieder die höheren Beiträge ausbezahlt werden können.»

Die vom Bundesamt für Sport angekündigten Beitragskürzungen für Jugend+Sport-Angebote treten ab 1. August 2015 in Kraft. Alle Lager und Kurse, die noch vor diesem Stichtag abgeschlossen werden, erhalten noch die bestehenden höheren Beträge. Sobald eine Aktivität jedoch im August endet, wird der tiefere Satz vergütet - auch wenn die Mehrheit des Lagers im Juli stattfand.

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