Politischer Vorstoss: Politiker will Abschaffung von Hundehalter-Kursen
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Politischer VorstossPolitiker will Abschaffung von Hundehalter-Kursen

SVP-Nationalrat Sebastian Frehner und das Konsumentenforum fordern die Abschaffung obligatorischer Hundehalterkurse. Diese seien wirkungslos.

von
S. Marty
SVP-Nationalrat Sebastian Frehner fordert die Abschaffung der obligatorischen Hundehalter-Kurse.

SVP-Nationalrat Sebastian Frehner fordert die Abschaffung der obligatorischen Hundehalter-Kurse.

Vom Lernen der Hundesprache über die passende Leine bis hin zum richtigen Geldmanagement: Wer sich einen neuen Hund zulegt, muss seit Herbst 2008 einen Theorie- und Praxiskurs zu jeweils vier Stunden besuchen und einen so genannten Sachkundenachweis erwerben. So sieht es die Eidgenössische Tierschutzverordnung vor. Der Halter soll unter anderem lernen, «einen Hund zu führen und zu erziehen, Risikosituationen zu erkennen und zu entschärfen». Mit jedem weiteren Hund muss der Besitzer erneut zum Praxistest – und dies sogar dann, wenn der Hund zuvor mit einem anderen Besitzer den Kurs schon absolviert hat.

Seit der Einführung dieser Regeln sorgen sie für Kritik – ein kantonaler Vorstoss aus Zürich, der deren Abschaffung forderte, fand keine Mehrheit. Nun will es SVP-Nationalrat Sebastian Frehner auf nationaler Eben versuchen. In der Sondersession will er Anfang Mai eine entsprechende Interpellation einreichen, wie er exklusiv gegenüber 20 Minuten sagt. «Die Kurse sind eine reine Pflichtübung, die das Geschäft der Hundeschulen antreiben. Sie sind nutzlos und gehören deshalb abgeschafft.» Der bürokratische Zwang würde Hundehalter deutlich mehr belasten als andere Tierhalter. So will Frehner vom Bundesrat etwa wissen, warum man «für das Führen eines 1,5 Kilogramm schweren Chihuahua einen Sachkundenachweis braucht, für ein 600 Kilogramm schweres Pferd hingegen nicht».

«Kurse sind reine Geldmacherei»

Beim Konsumentenforum gingen wegen der Kurse in kurzer Zeit über 500 Reklamationen ein. Michel Rudin, Geschäftsführer des Konsumentenforums, kritisiert die Trainings als «reine Geldmacherei» und kämpft an der Seite von Frehner für die Abschaffung des Obligatoriums. Dieser schreibt in seinem Vorstoss: «Viele beanstanden, dass die obligatorischen Hundekurse zu Verkaufsveranstaltungen für Hundeartikel umfunktioniert werden.»

Die beiden Herren haben vor allem Fragezeichen bezüglich der Wirksamkeit. «Nur weil jemand vier Stunden mit seinem Hund in ein Training geht, heisst dies noch lange nicht, dass er seinen Vierbeiner danach im Griff haben muss», sagt Rudin. Vielmehr sei das Ganze eine Alibiübung, «eine politische Überreaktion nach einigen tragischen Zwischenfällen». Bis heute fehlten wissenschaftlich fundierte Daten, die die Wirkung der Kurse belegten. Auch der Blick in die Unfallstatistik der Suva lässt keine eindeutige Schlussfolgerung zu: Gab es 2011 rund 5100 entsprechende Unfälle, nahm die Zahl ein Jahr später um rund 240 zu, bevor sie im 2013 wieder auf 4620 sank.

«Jeder Hund hat ein Recht auf Bildung»

Auch wenn entsprechende Untersuchungen fehlten, will Nora Flückiger von der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) an den Kursen festhalten. Zum einen sei es wichtig, dass sich jeder Halter ein Basiswissen über sein Tier aneigne. «Zum anderen sollte jeder Hund einmal von einer Fachperson begutachtet werden.»

Dieser Meinung ist auch Christina Sigrist. Sie ist Tierärztin und leitet die Fachstelle Ausbildung der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft, die verschiedene Hundertrainer-Ausbildungen anbietet: «Jeder Hund hat eine Recht auf ‹Bildung›, will heissen, zu lernen und gefördert zu werden.» Schliesslich wird eine bestimmte Erziehungsmethode kaum jedem Hund in jedem Lebensalter gerecht. «Von einer Abschaffung kann darum sicher nicht die Rede sein.» Viel eher wünschen sich die Frauen noch mehr Pflichtlektionen. Flückiger: «Vier Stunden sind für eine wirkungsvolle Prävention tatsächlich zu wenig.»

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