Heirat ohne Beirat: Politiker will Trauzeugen-Zwang kippen
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Heirat ohne BeiratPolitiker will Trauzeugen-Zwang kippen

FDP-Nationalrat Andrea Caroni möchte den Trauzeugen-Zwang bei der Hochzeit abschaffen. Mitte- und Rechtspolitiker sind wenig begeistert von diesem Vorhaben.

von
Camilla Alabor

Die Trauzeugen gehören zur Heirat wie das Brautkleid. Geht es nach FDP-Nationalrat Andrea Caroni, könnte allerdings schon bald Schluss sein damit: Der Appenzeller will die Bestimmung abschaffen, wonach es für die Heirat zwei Trauzeugen braucht. Zudem will er die Frist von zehn Tagen abschaffen, die zwischen Vorbereitungsverfahren und Trauung besteht. Dazu hat er im Parlament einen entsprechenden Vorstoss eingereicht.

Zwar gefalle ihm die Tradition persönlich sehr, sagt Caroni. «Es soll aber jeder selber entscheiden können, ob er Trauzeugen dabeihaben will oder nicht.» Das sei ein persönlicher Entscheid, in den sich der Staat nicht einzumischen habe. «Ich habe mir vorgenommen, in Bern unnötige Bürokratie abzuschaffen.» Das wolle er hiermit tun.

Überbleibsel von früher

Unterstützung erhält Caroni von Peter Breitschmid, Professor für Privatrecht an der Uni Zürich. Für ihn ist die Regelung mit den Trauzeugen ein Überbleibsel aus früherer Zeit. «Als viele Leute noch nicht schreiben konnten, dienten die Trauzeugen der Beweissicherheit.» Sie sollten bezeugen, dass die beiden Personen auch wirklich die waren, die sie zu sein behaupteten. Für Breitschmid ist klar: «Diese Praxis hat sich längst überlebt.»

CVP-Politiker Jakob Büchler hält hingegen nichts von einer Abschaffung der Trauzeugen: «Das ist ein System, das eine lange Tradition hat.» Die Trauung sei ein Familienanlass, daran solle man festhalten. Büchler ist auch dagegen, dass jedes Paar selbst bestimmen kann, ob Trauzeugen mitkommen. «Freiwilligkeit ist immer der Weg hin zur Abschaffung.»

«Trauzeugin zu sein, ist eine Ehre»

Auch SVP-Familienpolitikerin Nadja Pieren möchte die heutige Praxis beibehalten. «Das ist doch eine wunderschöne Tradition.» Es sei eine Ehre, als Trauzeugin ausgewählt zu werden: «Ich darf nächstes Jahr bei der Hochzeit meiner Schwester diese Rolle übernehmen und freue mich sehr darauf.» Pieren glaubt zudem, dass es mit der Änderung einfacher würde, Scheinehen zu schliessen.

Bereits heute kommt es hin und wieder vor, dass ein Paar ohne Trauzeugen auf dem Standesamt erscheint. «Das kann der Fall sein, wenn das Paar die Hochzeit geheim halten will oder wenn es sich um Touristen handelt», sagt Alexander Egli, Leiter des Basler Zivilstandamtes. In diesem Fall stellt das Amt zwei Mitarbeiter zur Verfügung, die als Zeugen dienen. Rein rechtlich sei eine Trauung aber gültig, selbst wenn die Trauzeugen fehlten, so Egli.

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