Aktualisiert 28.03.2019 08:03

Neue Studie

Politiker wollen das Autofahren erschweren

Der ÖV kommt nicht vom Fleck. Deshalb soll er attraktiver werden – und Autofahrer sollen auf neue Hürden stossen.

von
Stefan Ehrbar
1 / 10
Teurere und weniger Parkplätze, autofreie Zonen, Tempolimits und höhere Benzinpreise: Das sind Vorschläge, die eine neue Studie macht.

Teurere und weniger Parkplätze, autofreie Zonen, Tempolimits und höhere Benzinpreise: Das sind Vorschläge, die eine neue Studie macht.

iStock
Sie wurde vom Bundesamt für Raumentwicklung, dem Verband öffentlicher Verkehr und dem Informationsdienst Litra in Auftrag gegeben. Denn der ÖV stagniert seit Jahren.

Sie wurde vom Bundesamt für Raumentwicklung, dem Verband öffentlicher Verkehr und dem Informationsdienst Litra in Auftrag gegeben. Denn der ÖV stagniert seit Jahren.

Keystone/Gaetan Bally
Obwohl grosse Investitionen gemacht wurden, stieg der Anteil des ÖV an den zurückgelegten Kilometern in den letzten Jahren nicht, wie es in der Studie heisst.

Obwohl grosse Investitionen gemacht wurden, stieg der Anteil des ÖV an den zurückgelegten Kilometern in den letzten Jahren nicht, wie es in der Studie heisst.

Keystone/Gaetan Bally

Teurere und weniger Parkplätze, autofreie Zonen, Tempolimits und höhere Benzinpreise: Das sind Vorschläge, die eine neue Studie macht, die das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) in Auftrag gegeben hat. Der Verband öffentlicher Verkehr und der ÖV-Informationsdienst Litra zählen ebenfalls zu den Auftraggebern. Das Ziel: Die Menschen sollen häufiger den öffentlichen Verkehr nutzen und aufs Autofahren verzichten.

Denn obwohl in den letzten Jahren viel Geld in den ÖV investiert worden sei, stagniere sein Anteil in den letzten zehn Jahren, heisst es in der Studie. Um das zu ändern, könne der ÖV attraktiver gemacht werden – und das Autofahren mühsamer. Ein Ausbau des ÖV sei nämlich noch effektiver, «wenn die Nutzung konkurrierender Verkehrsmittel erschwert wird», so die Studie. «Einschränkungen für Autofahrten» stimulierten zusammen mit anderen Massnahmen die ÖV-Nachfrage.

«Botschaft ist nicht angekommen»

Der Grünen-Nationalrat und Verkehrspolitiker Michael Töngi sagt, es brauche solche Massnahmen. «Mit einer Aufhebung von Parkplätzen und Autospuren schaffen wir Platz für den öffentlichen Verkehr.» Die Kostenwahrheit sei beim Autoverkehr nicht gegeben. In der Politik sei die Botschaft noch nicht angekommen: «Die Klimafrage wird auf der Seite gelassen. Das Parlament hat gerade die Erweiterung von Kapazitäten für die Nationalstrassen beschlossen. Das ist der falsche Weg. Autofahren darf nicht attraktiver werden.»

Der Bund müsse sich nun ein konkretes Ziel setzen, wie stark er den ÖV-Anteil erhöhen wolle, sagt Töngi. Dieses Ziel verfolgt auch der CVP-Nationalrat und Litra-Präsident Martin Candinas. «Der Bundesrat müsste in seinen Legislaturzielen die Steigerung des ÖV-Anteils gemessen am Gesamtverkehr wieder aufnehmen», sagt Candinas. Ein positives Beispiel sei der Kanton Waadt, der sich zum Ziel gesetzt habe, den Anteil des Autoverkehrs von heute 73 auf 65 Prozent zu reduzieren

ÖV-Angebot von Beginn an

Im Fokus stehe ein attraktiverer ÖV. «Wir wollen nicht ein Verkehrsmittel gegen das andere ausspielen», sagt Candinas. Massnahmen wie teurere Parkplätze seien allenfalls eine letzte Massnahme, wenn die Ziele nicht erreicht werden könnten.

Eine wichtige Rolle spiele die Raumplanung: Bei neuen Überbauungen oder Nutzungen wie Shopping-Centern, Bürokomplexen, Schulen oder Freizeitparks müsse von Anfang an ein gutes ÖV-Angebot da sein. «Es darf nicht erst kommen, wenn sich die Leute schon an die Anfahrt mit dem Auto gewöhnt haben.» Vorstellbar seien neue Angebote, bei denen Anbieter von Freizeitaktivitäten mit ÖV-Anbietern zusammenarbeiten.

«Teureres Autofahren ist absurd»

Christian Laesser, Professor für Dienstleistungsmanagement an der Universität St. Gallen, sagt, beim ÖV anzusetzen, sei sinnvoll. «Viele haben gar keine andere Wahl als das Auto», sagt er. «Sie können sich eine Wohnung in der teuren Stadt gar nicht leisten.»

Martin Candinas sagt, die Studie zeige, dass gerade in Agglomerationsregionen, wo in Zukunft das grösste Wachstum erwartet werde, grosses Potenzial für den ÖV brachliege. Zum Teil sei der Anteil des ÖV, der sogenannte Modalsplit, dort gleich hoch wie in ländlichen Regionen.

Der SVP-Politiker Walter Wobmann kritisiert die Vorschläge der Studie. «Es ist absurd, das Autofahren zu verteuern», sagt er. «Die Autofahrer zahlen schon heute am meisten.» Sowohl die Bahn als auch der Autoverkehr müssten ausgebaut werden. Das geschehe auch. Gerade am Montag sei der Ausbauschritt der Bahn in der Verkehrskommission diskutiert worden. Der Bund brauche keine Ziele, um den ÖV-Anteil zu erhöhen, sondern einen Ausbau aller Infrastrukturen. «Wir haben eine massive Steigerung der Bevölkerung», sagt Wobmann. «Das hat Auswirkungen auf alle Verkehrsmittel.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.