Nach Eklat in St. Gallen - Politiker wollen Stadion-Rassisten hart bestrafen
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Nach Eklat in St. GallenPolitiker wollen Stadion-Rassisten hart bestrafen

Beim Match FC St. Gallen gegen Sion am Samstagabend kommt es zu einem Rassismus-Eklat. Von Clubs und Politikern wird hartes Durchgreifen gefordert.

von
Gabriela Graber
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Am Samstagabend wurde der Sion-Goalie Timothy Fayulu laut dem Teamkollegen Serey Dié rassistisch beleidigt.

Am Samstagabend wurde der Sion-Goalie Timothy Fayulu laut dem Teamkollegen Serey Dié rassistisch beleidigt.

Claudio Thoma/freshfocus
Nach rassistischen Äusserungen weint Fayulu,  Vizepraesident Gelson Fernandes tröstet ihn . 

Nach rassistischen Äusserungen weint Fayulu, Vizepraesident Gelson Fernandes tröstet ihn .

Claudio Thoma/freshfocus
«Was auch immer passiert ist: Es muss gravierend gewesen sein, sonst hätte Goalie Fayulu nicht mit Tränen reagiert», sagt Alt-EVP-Grossrat Ruedi Löffel.

«Was auch immer passiert ist: Es muss gravierend gewesen sein, sonst hätte Goalie Fayulu nicht mit Tränen reagiert», sagt Alt-EVP-Grossrat Ruedi Löffel.

privat

Darum geht’s

  • Am Samstagabend wurde der Sion-Goalie Timothy Fayulu laut seinem Teamkollegen Serey Dié rassistisch beleidigt.

  • Alt-EVP-Grossrat Ruedi Löffel erwartet ein entschlossenes Durchgreifen des Verbandes und der Fussballclubs, um ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern.

  • «Die Problematik muss anerkannt und von allen Seiten verurteilt werden», findet SP-Nationalrätin Sibel Arslan.

  • «Der Fussball hat ein Rassismusproblem», sagt Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus.

  • Der FC St. Gallen distanziert sich und seine Fankurve in der offiziellen Stellungnahme von Rassismus.

FCSG-Fans stehen unter Rassismus-Verdacht: Am Samstagabend wurde der Sion-Goalie Timothy Fayulu laut seinem Teamkollegen Serey Dié rassistisch beleidigt. Fayulu sei nach dem Spiel weinend in der Garderobe gesessen.

Auf der Homepage der Sittener erzählt der junge Goalie die Ereignisse aus seiner Sicht. «Zuerst haben sie mich mit Bier und Feuerzeugen beworfen, aber das ist okay. Danach hörte ich ‹Scheiss Fayulu, Monkey Fayulu›. Im Grunde nannten sie mich einen Affen.» Fayulu weiter: «Ich fühle mich, wie wenn man auf mich geschossen hätte.»

«Für mich gilt Nulltoleranz»

Die Vorwürfe schlagen hohe Wellen: Privatpersonen wie Politiker zeigen sich auf Social Media bestürzt und fordern den FC St. Gallen und die Swiss Football League (SFL) zum Handeln auf.

So auch Alt-EVP-Grossrat Ruedi Löffel, der sich auf Twitter zum Vorfall äussert. Zu 20 Minuten sagt er: «Was auch immer passiert ist: Es muss gravierend gewesen sein, sonst hätte Goalie Fayulu nicht mit Tränen reagiert.» Löffel erwartet ein entschlossenes Durchgreifen des Verbandes und der Fussballclubs, um ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern. «Solche Vergehen müssen gravierende Konsequenzen haben: Nicht nur für das Individuum, sondern auch für den Club». Für ihn gilt Nulltoleranz. «Forfait-Niederlagen, Geisterspiele oder drakonische Geldbussen wären denkbar.» Nur wenn rigorose Strafen drohen, werden Clubs und Fangruppierungen laut Löffel alles daran setzen, dass solche Vorfälle nicht mehr geschehen. «Erst wenn Sportverbände klare Regeln haben und diese konsequent durchsetzen, bekommt man das schwelende Rassismus-Problem in den Griff

Problematik muss anerkannt und verurteilt werden

«Ich finde es jenseits. Es tut mir sehr leid für Fayulu, einen solchen verbalen Angriff wohl einmal mehr erleben zu müssen», sagt Grüne-Nationalrätin Sibel Arslan gegenüber 20 Minuten. Solche Vergehen müssten sofort juristisch verfolgt werdenund zwar nicht von der betroffenen Person selbst, sondern in diesem Fall vom Fussballclub. «Die Rassismusproblematik muss anerkannt und von allen Seiten klar verurteilt werden: Fussballclubs, die Politik und jede einzelne Person kann dafür einstehen, dass Rassismus in unserer Gesellschaft keinen Platz hat. Deshalb ein Lob an die Kurve, die sich klar von Rassismus distanziert hat.» Fayulu verdiene jetzt Anerkennung für seine Leistungen, Unterstützung in der schwierigen Zeit und eine Entschuldigung von jenen, die jegliche Grenzen masslos überschritten hätten, so Arslan.

Fussball hat ein Rassismusproblem

«Rassistische Beschimpfungen im Sport sind vollkommen inakzeptabel», sagt Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus. Weiter sei es strafrechtlich relevant, Menschen aufgrund der Hautfarbe mit Tieren gleichzusetzen. Der Vorfall müsse nun konsequent aufgeklärt werden. «Der Fussball hat ein Rassismusproblem. Doch die betroffenen Menschen sind immer weniger bereit, sich diese Vorfälle stillschweigend gefallen zu lassenDas zeige sich im Fussball. «Dieser Sport steht für Diversität, Pluralismus, Gemeinschaft. Ihm kommt im Kampf gegen Rassismus und Prävention eine grosse Bedeutung zu.» Um solche Vergehen zu verhindern, fordert auch die Anwältin eine Null-Toleranz-Politik. «Auch Fanarbeit ist essentiell. Der Verein trägt eine Mitverantwortung für die Fans.» Personen , die sich rassistisch äusserten, müssten bestraft werden. Auch wenn dies bedeute, dass ein Spiel ohne eigene Fans stattfinden müsse.

FC St. Gallen distanziert sich von Rassismus

Der FC St. Gallen distanziert sich und seine Fankurve in der offiziellen Stellungnahme von Rassismus. Weiter entschuldigt sich der Verein bei Sion-Torhüter Timothy Fayulu und spricht ihm seine volle Unterstützung zu. Die Swiss Football League (SFL) werde den Vorfall sauber aufarbeiten.

Am Sonntagabend meldet sich Timothy Fayulu per Instagram zu Wort: «Ich möchte klarstellen, dass das, was gestern im Spiel gegen St. Gallen passiert ist, inakzeptabel ist!» Im Namen seines Clubs dankt er dem FC St. Gallen, dass er die notwendigen Massnahmen ergriffen hat.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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