Luzern – Politikerin will Lichter in der Stadt während einer Nacht ausknipsen
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Luzern Politikerin will Lichter in der Stadt während einer Nacht ausknipsen

Tamara Celato (SP), Grossstadträtin Luzern, will das Licht in der Stadt während einer Nacht abschalten. Als Vorbild dient die Stadt Genf, die bereits etwas Ähnliches durchgeführt hat.

von
Tino Limacher
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Die Grossstadträtin Tamara Celato möchte ein Event ins Leben rufen, der die finstere Nacht zum Erlebnis machen soll. Dazu hat sie ein Postulat eingereicht. Dieses und die folgenden Bilder stammen von der Aktion «Earth Hour» vom März 2021. 

Die Grossstadträtin Tamara Celato möchte ein Event ins Leben rufen, der die finstere Nacht zum Erlebnis machen soll. Dazu hat sie ein Postulat eingereicht. Dieses und die folgenden Bilder stammen von der Aktion «Earth Hour» vom März 2021.

Stadt Luzern
Damit möchte die Politikerin aber auch erreichen, dass die Leute vermehrt mit den negativen Folgen der Lichtverschmutzung konfrontiert werden. 

Damit möchte die Politikerin aber auch erreichen, dass die Leute vermehrt mit den negativen Folgen der Lichtverschmutzung konfrontiert werden.

Stadt Luzern
Vorbild für so einen Event könnte die Aktion «La nuit est belle – Die Nacht ist schön» der Stadt Genf sein. 

Vorbild für so einen Event könnte die Aktion «La nuit est belle – Die Nacht ist schön» der Stadt Genf sein.

Stadt Luzern

Darum gehts

  • Die Grossstadträtin Tamara Celato (SP) möchte ein Event ins Leben rufen, welches die Finsternis zum Erlebnis macht. Dazu hat sie ein Postulat eingereicht.

  • Mit dem Event möchte sie auch auf die Probleme der Lichtverschmutzung hinweisen und das Interesse an der Dunkelheit generell wecken.

  • Laut der Politikerin könnte als Vorbild das Projekt «La nuit est belle – Die Nacht ist schön» der Stadt Genf dienen.

Erst diesen März hat die Stadt Luzern an der grössten Umweltaktion «Earth Hour» mitgemacht und während einer Stunde die Lichter der Wahrzeichen ausgeschaltet. Damit sollte ein Zeichen für mehr Klimaschutz gesetzt werden. Nun möchte die Grossstadträtin Tamara Celato (SP) aber weitergehen: Ein Event für die Stadt Luzern soll die finstere Nacht zum Erlebnis machen und über Probleme der Lichtverschmutzung aufklären. Zu diesem Zweck hat sie ein Postulat eingereicht.

Obschon beleuchtete Strassen Sicherheit und Sichtbarkeit bedeuten, hat die Lichtverschmutzung nämlich ihre Schattenseiten. So meint Celato: «Es gibt Menschen, die empfindlich gegenüber künstlichem und natürlichem Licht sind. Diese reagieren mit Reizungen der Augen oder Hautausschlägen.» Insbesondere die Tierwelt leidet laut Celato unter der Lichtverschmutzung, da diese noch stärker vom Tag-Nacht-Rhythmus abhängig ist. So kann es bei den Tieren beispielsweise zu Störungen bei der Hormonsteuerung oder der Fortpflanzung kommen. Die künstlichen Lichtquellen sind zudem für Insekten Todesfallen oder sorgen unter anderem bei Vögeln dafür, dass sie die Orientierung verlieren.

Genf als Vorbild

Wie eine solche Aktion genau aussehen soll, darauf möchte sich Celato noch nicht festlegen. Ein Vorbild könnte aber die Stadt Genf sein, wie sie sagt. Unter dem Projekt «La nuit est belle – Die Nacht ist schön» schaltet Genf die ganze öffentliche Beleuchtung während einer Nacht ab. Diese Aktion findet alle zwei Jahre einmal statt. «In dieser Nacht werden auch diverse Anlässe, Nachtspaziergänge und Workshops angeboten, um die Schönheit der Nacht und die Probleme der Lichtverschmutzung den Menschen näherzubringen», so Celato.

Denkbar wäre ein solcher Anlass auch in der Stadt Luzern. «Wichtig ist aber, dass die Agglomerationen der Stadt Luzern mitmachen würden, damit es grossräumig finster wäre. Sicherlich würde ein solcher Anlass an Themen wie die Folgen der Lichtverschmutzung oder Energiesparen anknüpfen.» Zentral ist allerdings für Celato, dass diese Aktion vor allem das Interesse an der Dunkelheit bei den Menschen wieder weckt. Doch auch der gesundheitliche Aspekt ist ihr wichtig. «Durch das viele künstliche Licht haben wir in der Stadt verlernt, unsere Sinne in der Dunkelheit zu nutzen und sie zu schärfen», so Celato.

Zukunft bleibt offen

Auf die Frage, ob sie auch Pläne habe, die Nacht längerfristig in die Stadt zurückzuholen, sagt sie: «Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen, für wie viele Stunden das Licht in der Stadt pro Nacht abgeschaltet werden soll.» Wenn aber die Mehrheit von einer solchen Idee begeistert ist und auch die Parteien mitmachen, wäre ein solcher Schritt laut der Politikerin durchaus denkbar. Trotz gelöschter Lichter darf laut ihr aber die Sicherheit der Bevölkerung nicht gefährdet werden. «Ich möchte auch nicht unbedingt, dass meine Kinder im Dunkeln nach Hause laufen müssen. Deshalb müssten dann die zuständigen Behörden ein solches Vorhaben sorgfältig prüfen», so Celato.

Dark-Sky Switzerland begrüsst das Vorhaben. «Insgesamt merken wir, dass in den letzten Jahren mehr gemacht wird. Beispielsweise wird sich die Stadt Bern neben Genf ebenfalls an der Aktion ‹La nuit est belle – Die Nacht ist schön› beteiligen», sagt Lukas Schuler, Präsident Dark-Sky Switzerland. Dass immer mehr Licht für Sicherheit sorgt, ist laut ihm nicht bestätigt: «Es ist nicht statistisch erwiesen, dass mehr Dunkelheit für mehr Übergriffe auf den Strassen sorgt. Dass wir uns aber sicherer im Licht fühlen, bestreite ich nicht.» Laut Schuler wäre ein solcher Anlass perfekt geeignet, um den Leuten aufzuzeigen, dass man auch gut ohne oder mit sehr wenig künstlichem Licht auskommen kann.

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