Basel-Stadt und Baselland: Politikerinnen fordern Gratistampons an Schulen
Publiziert

Basel-Stadt und BasellandPolitikerinnen fordern Gratistampons an Schulen

Am Mittwoch haben SP-Grossrätin Jessica Brandenburger in Basel-Stadt und SP-Landrätin Miriam Locher in Baselland Vorstösse eingereicht, in denen sie Gratis-Hygieneartikel für Frauen in den Basler und Baselbieter Schulen fordern.

von
Lea Lozano
1 / 6
An den Schulen in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland sollen Hygieneartikel, die Frauen während der Menstruation brauchen, gratis abgegeben werden. Das fordern Politikerinnen der SP.

An den Schulen in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland sollen Hygieneartikel, die Frauen während der Menstruation brauchen, gratis abgegeben werden. Das fordern Politikerinnen der SP.

KEYSTONE
Es gehe darum, junge Frauen psychisch und finanziell zu entlasten und das Thema zu enttabuisieren.

Es gehe darum, junge Frauen psychisch und finanziell zu entlasten und das Thema zu enttabuisieren.

KEYSTONE
Im Kanton Basel-Stadt macht sich Grossrätin Jessica Brandenburger für das Begehren stark. «Es ist ein kleiner Schritt, aber ein wichtiger», sagt sie.

Im Kanton Basel-Stadt macht sich Grossrätin Jessica Brandenburger für das Begehren stark. «Es ist ein kleiner Schritt, aber ein wichtiger», sagt sie.

SP Basel-Stadt

Darum gehts

  • Die SP-Grossrätin Jessica Brandenburger hat am Mittwoch einen Vorstoss eingereicht, in dem sie die kostenlose Abgabe von Menstruationsartikeln an Basler Schulen fordert.
  • In Baselland fordert SP-Landrätin Miriam Locher dasselbe.
  • Dies solle vor allem Mädchen zu zugutekommen, die sich die Hygieneartikel nicht leisten könnten, obwohl diese genauso wie WC-Papier zum Grundbedarf gehörten.
  • Die Gratisabgabe der Hygieneartikel solle zudem eine Enttabuisierung des Themas bewirken.

An Schulen sollen Tampons und Binden gratis zur Verfügung gestellt werden. Die Basler Grossrätin Jessica Brandenburger (SP) hat am Mittwoch einen entsprechenden Vorstoss im kantonalen Parlament eingereicht. Im Kanton Baselland wurde von Landrätin Miriam Locher (SP) die gleiche Forderung eingebracht.

In anderen Ländern wie Neuseeland oder Schottland seien Gratis-Hygieneartikel für Frauen bereits gang und gäbe, begründen die Politikerinnen ihre Vorstösse. In der Schweiz müssten Frauen jedoch 7,7 Prozent Mehrwertsteuer bezahlen, obwohl die Artikel zum Grundbedarf gehörten. Deshalb gibt es in Luzern ähnliche Forderungen. Im Kanton Bern gibt es gar ein entsprechendes Pilotprojekt, obwohl sich die Regierung Ende 2019 gegen eine Gratisabgabe ausgesprochen hatte.

Wollen Frauen die Angst nehmen

«Gerade in der Schulzeit kann es für Mädchen oft unangenehm sein, wenn sie zum Beispiel von ihrer Periode überrascht werden. Plötzlich können sie sich auf nichts anderes mehr konzentrieren und haben Angst, dass es einen Fleck auf der Hose gibt», sagt Brandenburger. Mit dem Fokus, der nun vorerst auf Schulen liegt, wollen Brandenburger und Locher ihren Beitrag dazu leisten, den jungen Frauen dieses unangenehme Gefühl zu nehmen. «Es ist ein kleiner Schritt, aber ein wichtiger», betont die Grossrätin gegenüber 20 Minuten.

Brandenburger schildert, dass es auf ihren Vorstoss hin etliche Reaktionen von Männern gehagelt habe, die sich fragten «Und was ist mit den Männern?». «Ich habe diese Herren dann mit der Frage konfrontiert, welche Hygieneartikel sie sich denn gratis in Schulen wünschen würden, worauf ihnen selbst klar wurde, dass Produkte wie Seife oder WC-Papier ihnen bereits zur Verfügung stehen», so Brandenburger. Man müsse nun den Umgang mit den Hygieneartikeln für Frauen ebenso normalisieren, denn es müsse schliesslich auch nicht jeder mit einer Rolle WC-Papier herumlaufen.

SP ist gegen Stigma und Tabu

Ein weiterer Effekt, den die Gratis-Hygieneartikel haben sollen, ist die Enttabuisierung des Themas Menstruation. «In den Tamponwerbungen sieht man haufenweise Frauen, die in weissen Kleidern durch die Gegend hüpfen und eine blaue Flüssigkeit bluten. Das könnte nicht ferner von der Realität sein. Durch unrealistische Darstellungen wie diese wird das Thema immer weiter tabuisiert», beschreibt sie weiter.

SP-Landrätin Miriam Locher ist sich bewusst, dass der Kampf um Gratis-Hygieneartikel kein einfacher wird. «Die Politik ist immer noch ein Bereich, der von Männern dominiert wird. Der Entscheid wird somit zu einem grossen Teil in den Händen von Leuten liegen, die von der Problematik gar nicht betroffen sind.» Sie zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass sich nach dem Pilotprojekt in Bern auch in den beiden Basel bald etwas tun könnte.

SVP will keine Gratisabgabe

Laetitia Block, Vizepräsidentin der SVP Frauen Basel-Stadt, steht der Sache kritisch gegenüber. «Anstatt Menstruationsartikel gratis in Schulen abzugeben, wäre ich eher dafür, die Preise für die Artikel zu senken. Die Hygieneartikel für Frauen sind immer noch mit einer höheren Mehrwertsteuer belegt als andere Grundbedarfsartikel. Das ist definitiv ein Aspekt, den man angehen könnte», sagt sie auf Anfrage von 20 Minuten.

Deutlicher dagegen ist Nicole Roth, Präsidentin der Jungen SVP Baselland. «Der Staat kann nicht ständig für alles aufkommen, auch wenn die Linken manchmal das Gefühl haben, dass er eine unerschöpfliche Geldquelle ist», sagt sie. Die Genderdiskussion werde ihrer Meinung nach für alles missbraucht: «Es gibt auch Umstände, in denen Männer benachteiligt sind und dennoch nicht ständig eine Sonderbehandlung fordern», so Roth. Als Beispiele führt sie Bartwuchs, Militärdienst und Schlechterstellung bei Scheidungen an.

Deine Meinung

874 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Kopfschüttler

12.09.2020, 23:19

Wahlzeit setzt immer früher ein...

Martha

12.09.2020, 20:16

Beruhigt euch; es geht um Menstruations Hygieneartikeln für junge Frauen, Teenager und Kinder in die Schulen. Es geht nicht um Paketen-weis Verteilung von Tampons und Binden für alle menstruierte in der Schweiz. Die ersten Menstruationen brauchen Überwindung für sehr junge Mädchen, manchmal schon mit elf oder zwölf. Für manche ist es nicht leicht, mit der Familie darüber zu sprechen. Unsere Gesellschaft lehrt uns eben dass es etwas Schmutziges ist, über das wir nicht reden dürfen. Je nach Kultur und familiäre Konstellation wird nicht darüber instruiert. Es braucht ein wenig Zeit und Organisation bis man es in Griff bekommt, vor allem wenn die Periode unerwartet beginnt. Was ist diese Parallele mit Rasierer? Es sind verschiedene Auswirkungen zum Schluss ob man unrasiert oder ob mann ohne Menstruationsschutz aus dem Haus geht, vor allem in der Schule, oder? Ich bin sicher dass jeder Schule einen Weg finden würde um Missbrauch zu verhindern.

miggi

12.09.2020, 19:38

Hilfe nicht schon wieder dieses Thema