Tränengas und Gummischrot: Politikerinnen kritisieren Polizeieinsatz an Party
Publiziert

Tränengas und GummischrotPolitikerinnen kritisieren Polizeieinsatz an Party

Mithilfe von Gummischrot und eines Wasserwerfers hat die Polizei vergangenes Wochenende eine illegale Party am Letten aufgelöst. Dafür gibts Kritik von zwei SP-Gemeinderätinnen.

von
som
Die SP-Gemeinderätinnen Ursula Näf und Linda Bär finden das Vorgehen der Stadtpolizei unverhältnismässig.

Die SP-Gemeinderätinnen Ursula Näf und Linda Bär finden das Vorgehen der Stadtpolizei unverhältnismässig.

Keystone/Walter Bieri

Auf beiden Seiten des Zürcher Letten-Viadukts an der Limmat fand in der Nacht auf Samstag vergangener Woche eine illegale Outdoorparty mit 200 bis 300 Personen statt. Nachdem zahlreiche Lärmklagen bei der Stadtpolizei eingegangen waren, hat diese die Party am frühen Samstagmorgen nach Ablauf eines Ultimatums mit einem Megafon-Aufruf aufgelöst.

Dabei wurden die Einsatzkräfte gemäss Meldung mit Flaschen und Steinen beworfen – zwei von ihnen erlitten leichte Verletzungen. Das Areal wurde darauf mithilfe eines Wasserwerfers und des Einsatzes von Gummischrot und Reizstoff geräumt.

Unangebrachtes Einschreiten in friedliche Party?

Für die beiden SP-Gemeinderätinnen Ursula Näf und Linda Bär stellt sich die Frage nach der Verhältnismässigkeit des Vorgehens und den gewählten Einsatzmitteln. In einer schriftlichen Anfrage schreiben sie, dass der Polizeiaufruf zur Auflösung nur für einen kleinen Teil der Teilnehmern hörbar gewesen sei. Der weitaus grössere Teil der Menge habe erst vom Einsatz erfahren, als die Räumung mit Wasserwerfer, Tränengas und Gummischrot bereits in vollem Gange gewesen sei.

Die beiden SP-Politikerinnen fragen zudem, ob der Stadtrat die Einschätzung teile, dass «das harsche Einschreiten der Polizei, zumal es die mehrheitlich friedlich feiernden Partygäste unvorbereitet traf, unangebracht war». Zudem wollen sie wissen, in welchen Situationen die Stadtpolizei Gummischrot einsetzt. Dieser könne zu erheblichen Verletzungen führen.

Partygäste in die Limmat gefallen?

Auch sollen gemäss Berichten von Beteiligten eine oder mehrere Personen in die Limmat gefallen sein, schreiben Näf und Bär. «Hat die Stadtpolizei berücksichtigt, dass sich die grosse Menschenmenge unter sehr engen Platzverhältnissen in unmittelbarer Nähe der Limmat befand?», wollen sie wissen. Im Generellen stelle sich auch die Frage, wie sich die Stadt zwischen dem Interesse nach Ruhe und Ordnung und jenem nach nicht kommerziellem Freiraum positioniere.

Die Zürcher Stadtpolizei wollte die Vorwürfe auf Anfrage der NZZ nicht kommentieren, da es sich um eine Angelegenheit im Gemeinderat handle. Der Polizei sei nichts bekannt von weiteren Verletzten oder Besuchern, die in die Limmat gefallen seien.

Deine Meinung