4000 bis 8000 Franken: Politikerinnen wollen AHV-Renten verdoppeln

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4000 bis 8000 FrankenPolitikerinnen wollen AHV-Renten verdoppeln

Eveline Widmer-Schlumpf will, dass Frauen mehr arbeiten für eine bessere Rente. Linke Politikerinnen haben eine andere Idee: die AHV massiv ausbauen.

von
Claudia Blumer
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Die zweite Säule soll aufgehoben, die AHV ausgebaut werden: Nationalrätin Stefania Prezioso Batou (Ensemble à gauche) schlägt dies in einer parlamentarischen Initiative vor. 

Die zweite Säule soll aufgehoben, die AHV ausgebaut werden: Nationalrätin Stefania Prezioso Batou (Ensemble à gauche) schlägt dies in einer parlamentarischen Initiative vor. 

20min/Monika Flueckiger
Danielle Axelroud, Finanzspezialistin bei Economiefeministe, befürwortet dies. Damit würde unbezahlte und bezahlte Arbeit bei den Altersrenten gleichermassen berücksichtigt.

Danielle Axelroud, Finanzspezialistin bei Economiefeministe, befürwortet dies. Damit würde unbezahlte und bezahlte Arbeit bei den Altersrenten gleichermassen berücksichtigt.

privat
Auch SP-Nationalrätin Tamara Funiciello unterstützt den Vorstoss von Stefania Prezioso. Mehrere weitere Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben ihn mitunterzeichnet.

Auch SP-Nationalrätin Tamara Funiciello unterstützt den Vorstoss von Stefania Prezioso. Mehrere weitere Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben ihn mitunterzeichnet.

Tamedia

Darum gehts

  • Politikerinnen wollen die AHV massiv ausbauen und die Pensionskassen abschaffen. Eine AHV-Rente soll demnach 4000 bis 8000 Franken betragen.

  • Das verlangt eine parlamentarische Initiative der Genfer Nationalrätin Stefania Prezioso.

  • Mehrere Politikerinnen der linken Parteien sind dafür – Prezioso hofft auch auf Unterstützung der Bürgerlichen.

Politikerinnen der Gewerkschaften und der linken Parteien wollen keine Erhöhung des Frauen-Rentenalters und sie halten auch nichts von der Forderung der Ex-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, dass jede Frau mindestens 70 Prozent erwerbstätig sein soll.

Stattdessen fordern sie einen Totalumbau der Altersvorsorge: Die zweite Säule soll aufbehoben, die AHV massiv ausgebaut werden. Konkret sollen die AHV-Renten auf 4000 (Minimalrente) bis maximal 8000 Franken angehoben werden. Das verlangt eine parlamentarische Initiative der Genfer Nationalrätin Stefania Prezioso (Ensemble à gauche). Die berufliche Vorsorge wäre verfassungsrechtlich nicht mehr vorgeschrieben, der Bundesrat könnte aber Regeln zum individuellen Sparen erlassen.

Die berufliche Vorsorge stehe aus mehreren Gründen auf unsicherem Terrain, sagt Stefania Prezioso. «Erstens erreicht sie viele Frauen gar nicht wegen zu tiefer Erwerbspensen. Zweitens ist ihre Finanzierung im heutigen Umfeld höchst unsicher.» Es brauche bei den Altersrenten einen Systemwechsel hin zu mehr Gleichstellung. Mit einer Integration der zweiten in die erste Säule werde diese erreicht, sagt die Genferin. «Das Total der Arbeit muss sich in der Rente abbilden, die bezahlte sowie auch die unbezahlte Arbeit.»

«Frauen arbeiten heute schon gleich viel»

SP-Nationalrätin Tamara Funiciello unterstützt den Vorstoss, er wurde auch von mehreren Parlamentarierinnen und Parlamentariern aus SP und Grüne mitunterzeichnet. Prezioso glaubt, dass die Initiative über das linke Lager hinaus Unterstützung bekommen wird. «Die zweite Säule in die erste zu integrieren, ist eine geniale Idee. Es sind sich viele Parlamentarier bewusst, dass es eine umfassende Reform braucht bei der Altersvorsorge.»

Befürworterin ist auch Finanzspezialistin Danielle Axelroud von Economiefeministe. Sie hält nichts von der Forderung, dass Frauen in höheren Pensen arbeiten sollen. «Frauen arbeiten heute schon gleich viel wie Männer, sogar etwas mehr. Nur ist der grösste Teil ihrer Arbeit unbezahlt», sagt die Westschweizerin. Jährlich würden in der Schweiz 9,2 Milliarden Arbeitsstunden unbezahlt geleistet, 7,9 Milliarden Arbeitsstunden bezahlt. Das Problem sei die fehlende finanzielle und organisatorische Unterstützung. 

Die Lösung liegt ihrer Ansicht nach in der AHV - diese müsste massiv ausgebaut, die Renten verdoppelt werden, sagt sie. «Mit der AHV haben wir ein gutes System, welches die unbezahlte Arbeit berücksichtigt durch Betreuungsgutschriften. Nur sind die Renten zu klein zum Leben.» Bei der jüngeren Generation werde sich die ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit bereits ein wenig ausgleichen, hofft Axelroud. Doch der Wandel finde sehr langsam statt. Deshalb brauche es einen Systemwechsel und Ausbau der Renten.

Daniel Axelroud tritt am Montag gemeinsam mit SP-Nationalrätin Min Li Marti und Grüne-Ständerätin Maya Graf vor die Medien, um für ein Nein zur AHV-Vorlage zu werben. Dies im Namen des Komitees «Gleichstellung zuerst!». 

Sollen die Pensionskassen abgeschafft und die AHV ausgebaut werden?


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