Männer profitieren eher von Steuergeldern – Politikerinnen wollen mit Gender Budgeting Geld gerechter verteilen
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Männer profitieren eher von Steuergeldern Politikerinnen wollen mit Gender Budgeting Geld gerechter verteilen

Per Vorstoss fordern SP, Grüne und GLP, dass die Stadt Luzern ihre Ausgaben untersucht. Durch Gender Budgeting soll eine gerechtere Verteilung der Gelder möglich werden.

von
Gianni Walther
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«Meistens sind es immer noch die Frauen, die sich um die Kinder kümmern und nicht mehr arbeiten gehen, wenn sich eine Familie keine Kinderbetreuung leisten kann», sagt die Luzerner Grosstadträtin Regula Müller (SP).

«Meistens sind es immer noch die Frauen, die sich um die Kinder kümmern und nicht mehr arbeiten gehen, wenn sich eine Familie keine Kinderbetreuung leisten kann», sagt die Luzerner Grosstadträtin Regula Müller (SP).

Julian Stratenschulte/dpa
Würden mehr Gelder in Kinderbetreuung investiert, komme dies Frauen zugute.

Würden mehr Gelder in Kinderbetreuung investiert, komme dies Frauen zugute.

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Zusammen mit Mitgliedern der Grünen und der GLP fordert Müller nun in einem Vorstoss im Stadtparlament, dass die Verteilung der Steuergelder gerechter wird. Durch die Einführung von Gender Budgeting soll aufgezeigt werden, wer von eingesetzten Steuergeldern profitiert.

Zusammen mit Mitgliedern der Grünen und der GLP fordert Müller nun in einem Vorstoss im Stadtparlament, dass die Verteilung der Steuergelder gerechter wird. Durch die Einführung von Gender Budgeting soll aufgezeigt werden, wer von eingesetzten Steuergeldern profitiert.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Per Vorstoss fordern SP, Grüne und GLP, dass in der Stadt Luzern Gender Budgeting eingeführt wird.

  • Dadurch sollen Steuergelder gerechter zwischen Geschlechtern verteilt werden können.

  • In Andalusien konnten durch Gender Budgeting positive Entwicklungen im Bereich Gleichstellung erzielt werden.

«Männer profitieren häufig stärker von öffentlichen Geldern als Frauen», sagt die Luzerner Grossstadträtin Regula Müller (SP). Verschiedene Studien zeigen laut ihr auf, dass dies so ist. «Ob dies in Luzern der Fall ist, wissen wir nicht. Aber wir müssen davon ausgehen. In diversen Bereichen ist die Gleichstellung noch nicht erreicht. Das dürfte auch bei den öffentlichen Geldern so sein», sagt sie. Zusammen mit Mitgliedern der Grünen und der GLP fordert Müller nun in einem Vorstoss im Stadtparlament, dass die Verteilung der Steuergelder gerechter wird. Der Schlüssel dazu soll Gender Budgeting sein. Dabei wird untersucht, ob ausgegebene Steuergelder eher Frauen oder eher Männern zugute kommen. Luzern soll die Grundlagen schaffen, dass Gender Budgeting eingeführt werden kann.

Laut Müller könnte die Ungerechtigkeit bei der Verteilung von Fördergeldern sichtbar werden, etwa bei Sport- und Spielplätzen: Sie geht davon aus, dass mehr in Bereiche investiert wird, die Buben und Männer eher interessieren als Frauen. Als Beispiel nennt sie den Street-Workout-Park bei der Ufschötti. «Dort werden ganz klar Männer mehr angesprochen. Da bräuchte es auch ein Angebot, mit dem weibliche und auch non-binäre Personen vermehrt angesprochen werden», sagt Müller.

Männer gestalten eine Welt eher für Männer

«Wenn man mehr in Kinderbetreuung investiert, wird die Gleichstellung unterstützt. Meistens sind es immer noch die Frauen, die sich um die Kinder kümmern und nicht mehr arbeiten gehen, wenn sich eine Familie keine Kinderbetreuung leisten kann», sagt sie. Würden mehr Gelder in Kinderbetreuung investiert, komme dies Frauen zugute. «Natürlich versursacht eine genauere Untersuchung Kosten, aber das muss es uns jetzt wert sein. Frauen warten schon viele Jahre auf Gleichstellung.» Nehme man das Thema nicht in Angriff, verändere sich auch nichts.

«In den Entscheidungspositionen sind mehr Männer vertreten», so die Grossstadträtin. Das sei etwa in Parlamenten der Fall. «Die Männer gestalten die Welt eher für Männer. Das ist verständlich, aber genau deshalb muss man dies untersuchen, damit eine Welt für alle entstehen kann», sagt Müller. Dies führe auch dazu, dass in den Gremien mehr Frauen vertreten sind, in denen Entscheidungen getroffen werden.

Bestrebungen auf nationaler Ebene erfolglos

Müller verweist auf die spanische Region Andalusien, wo durch Gender Budgeting positive Entwicklungen im Bereich Gleichstellung erzielt wurden. «Dort gibt es inzwischen mehr Betreuungsplätze für Kinder und mehr Professorinnen», so Müller. Es gebe auch mehr Orte, die in der Nacht besser beleuchtet sind, wodurch die Sicherheit erhöht werde.

Auf nationaler Ebene gab es auch schon Bestrebungen für die Einführung von Gender Budgeting, bisher wurden diese aber abgelehnt. Aktuell sind aber noch Vorstösse im eidgenössischen Parlament hängig. Müller spricht sich für eine Einführung auch auf nationaler und kantonaler Ebene aus. «Es dürfte sinnvoll sein, wenn man bei den Gemeinden beginnt. Dort sieht man genau, wo Gelder investiert werden.» Beim Bund, der etwa Gelder an Kantone verteilt, sei dies weniger übersichtlich.

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