Aktualisiert 05.01.2015 09:21

SP und SVPPolitikerinnen wollen Quäl-Pelze verbieten

Blutige Kampagnen, Hausverbot für Pelzträger: Die Pelz-Debatte ist so emotional wie lange nicht mehr. Politikerinnen fordern nun ein Importverbot. Die Branche wehrt sich.

von
J. Büchi
Das Fell von Marderhunden ist derzeit an vielen Winterjacken-Kapuzen zu sehen.

Das Fell von Marderhunden ist derzeit an vielen Winterjacken-Kapuzen zu sehen.

Lieber nackt als im Pelz? Das war einmal. Wer heute durch die Schweizer Strassen läuft, sieht sie alle paar Meter: Jacken, Mäntel, Mützen oder Schuhe mit Pelzbesatz. Modehäuser bestätigen, dass der Verkauf von Echtpelz zugenommen hat. Tierschützer sprechen vom grössten Pelzboom seit Jahrzehnten.

«Kauften früher reiche Damen Pelzmäntel als Statussymbol, hängt heute an jeder Winterjacke noch ein halbes Tier dran», sagt Katharina Büttiker, Präsidentin der Stiftung Animal Trust. Auf grossen Plakaten in der ganzen Schweiz warnt die Stiftung: «Für Pelzmode sterben Tiere unter schlimmsten Qualen. Sie werden ertränkt, erschlagen oder lebendig gehäutet.» Andere Organisationen warnen in blutigen Kino- und TV-Spots vor dem Trend. In St. Gallen schwärzte ein Tierschützer gar ein einzelnes Modegeschäft in einem Zeitungsinserat an.

(Quelle: Youtube.com/LSCV)

Bundesrat soll Verbot erlassen

Der Pelzboom ruft auch Politikerinnen auf den Plan. Andrea Geissbühler (SVP) und Pascale Bruderer (SP) forderten den Bundesrat in der Wintersession unabhängig voneinander dazu auf, ein Verbot für Pelzprodukte aus tierquälerischer Produktion zu prüfen.

Grund: Eine Deklarationspflicht, die seit März dieses Jahres für Pelz gilt, zeigte kaum Wirkung. Bei einer Stichprobe des Bundesamts für Veterinärwesen haben 41 von 48 Verkaufsstellen nicht korrekt ausgewiesen, aus welchem Land, aus welcher Haltungsform und von welchem Tier ihre Pelze stammen.

Nur noch Felle aus heimischer Produktion

Geissbühler will vom Bundesrat wissen, was er «angesichts der ernüchternden Resultate» unternehmen wolle – und ob ein Import- und Verkaufsverbot nicht zielführender wäre als die geltende Deklarationspflicht. «Produkte aus tierquälerischer Haltung haben in Schweizer Läden nichts verloren», sagt die Nationalrätin. Die Schweiz sei zurecht stolz auf ihre hohen Tierschutz- und Produktestandards. Es gebe keinen Grund, warum Importprodukte diesen nicht auch genügen sollten.

Ähnlich argumentiert Bruderer: «Viele in der Schweiz verkaufte Produkte stammen aus ausländischen Produktionen, die den Tierschutzprinzipien der Schweizer Gesetzgebung diametral widersprechen.» Auch für die Aargauer Ständerätin wäre es deshalb die sauberste Lösung, den Import von Pelzprodukten aus tierquälerischer Produktion komplett zu verbieten. «Dafür könnten Felle aus heimischer Produktion gefördert werden, die in freier Wildbahn und nach geltenden Tierschutzgesetzen erlegt werden.»

Noch weiter geht Büttiker von der Stiftung Animal Trust: «Pelz aus artgerechter Haltung gibt es nicht», ist sie überzeugt. «Nerze, Marderhunde und Füchse sind Wildtiere, die in Gefangenschaft immer schlimme Qualen leiden.» Es sei jedoch erfreulich, dass die Politik den Handlungsbedarf nun offenbar erkannt habe.

«Hohe Tierschutzstandards»

Thomas Aus der Au vom Schweizerischen Pelzfachverband weist die Vorwürfe entschieden zurück. «Die meisten in der Schweiz verkauften Felle stammen aus skandinavischen Ländern, die ähnliche hohe Tierschutzstandards haben wie wir.» Ein Verbot lasse sich nicht rechtfertigen: «Sonst müsste die Schweiz auch den Import aller Kleider, Smartphones und aller anderen Waren verbieten, die nicht unter Schweizer Gesetzgebung und Arbeitsbedingungen hergestellt wurden.»

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