Vorteil für Junge: Politisch korrekte Sprache hilft bei der Berufswahl

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Vorteil für JungePolitisch korrekte Sprache hilft bei der Berufswahl

Die männlichen und weiblichen Jobbezeichnungen zu benutzen nervt viele. Doch sie wirken positiv auf die Berufswahl, zeigt eine Studie.

von
D. von Wartburg
Pilotin Julia Büsser: derzeit eine von wenigen Frauen in einem Flugzeug-Cockpit.

Pilotin Julia Büsser: derzeit eine von wenigen Frauen in einem Flugzeug-Cockpit.

Pilot und Pilotin: Oft wird gefordert, die männliche und die weibliche Form zu verwenden – der politischen Korrektheit zuliebe. Nur nervig und unnötig, finden viele. Doch: «Die sogenannte geschlechtsneutrale Sprache lohnt sich», sagt Pascal Gygax von der Uni Freiburg. Denn so werden nachweislich Stereotype in Berufen bekämpft (siehe Interview unten).

Das zeigt der Psychologe in einer neuen Studie. Er stellte über 220 Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren in Vorträgen verschiedene Berufe vor. Die eine Gruppe erhielt Präsentationen mit stereotypen Berufsbezeichnungen, etwa Bauarbeiter oder Kindergärtnerin. Bei der anderen wurde zusätzlich jeweils die weibliche beziehungsweise die männliche Form genannt.

Wirkung bei Frauen und Männern

Das Ergebnis: Wenn beide Formen benutzt wurden, sahen sich mehr Mädchen als Mechanikerin oder Informatikerin. Genauso war es für die Jungs bei weiblich geprägten Berufen: Plötzlich wurde etwa der Kindergärtner zu einer Perspektive.

Zudem trat noch ein weiterer Effekt auf, der selbst die Forschenden überraschte: Die zusätzliche weibliche Bezeichnung bei typisch männlichen Jobs sorgte gar dafür, dass auch die befragten Jungs diesen Beruf attraktiver fanden.

«Viele setzen die Prioritäten falsch»

20 Minuten hat beim Autor der Studie, dem Psychologen Daniel Gygax, nachgefragt, ob es tatsächlich so entscheidend ist, die männlichen und weiblichen Jobbezeichnungen zu benutzen.

Herr Gygax, sind Jugendliche nicht selber schuld, wenn sie sich von Berufsbezeichnungen abschrecken lassen?

Nein. Dies ist eine unbewusste Reaktion, für die die Jugendlichen nichts können und mit der man sie nicht allein lassen darf. Um Geschlechtertrennung in Berufen zu bekämpfen, ist die Nennung beider Formen ein effektives Mittel.

Aber mit Arzt oder Pilot sind doch beide Geschlechter gemeint. Genügt das denn nicht?

Nein. Das Mitmeinen reicht nicht. Man muss die Jugendlichen aktiv ansprechen, um sie abzuholen. Wer mehr Informatikerinnen im Markt möchte, muss auch wortwörtlich nach Informatikerinnen suchen.

Wie bleiben geschlechterneutrale Texte trotzdem noch lesbar?

Es gibt Wege, die Doppelform zu umgehen. Statt von Lehrer und Lehrerin kann man von Lehrkräften sprechen. Das braucht nicht mehr Platz, spricht aber alle an. Ob man das beachtet, ist eine Frage der Priorität. Und die setzen viele falsch. Ich persönlich finde es wichtiger, Geschlechterstereotype aufzuheben, als an simpler Sprache festzuhalten.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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