Aktualisiert

WahlkampfPolitischer Sturm nach Rumänien-Kritik

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) wegen seiner Äusserungen über rumänische Arbeiter und chinesische Investoren scharf angegriffen.

Es sei eine Schande, dass ein Ministerpräsident Rumänen beleidige und Chinesen verspotte, sagte der Vizekanzler am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Duisburg. Solche Äusserungen seien Wasser auf die Mühlen der Extremisten. Rüttgers sei ein Spalter.

Rüttgers hatte mit Blick auf die Verlagerung der Nokia-Produktion ins Ausland auf einer Wahlkampfkundgebung in Bonn unter anderem gesagt: «Im Unterschied zu den Arbeitnehmern hier im Ruhrgebiet kommen die in Rumänien eben nicht morgens um sieben zur ersten Schicht und bleiben bis zum Schluss da. Sondern sie kommen und gehen, wann sie wollen, und wissen nicht, was sie tun.» Am Freitag bat er für diese Worte um Entschuldigung.

Die nordrhein-westfälische SPD warf Rüttgers am Samstag vor, dass die Äusserungen keine einmalige Entgleisung gewesen seien. Rüttgers habe ähnliche Worte auch bei einem Wahlkampftermin in Münster verwendet.

Werkschliessung trotz Profite

Hintergrund der Äusserungen ist die Schliessung des Nokia-Werkes in Bochum. Der finnische Hersteller gab im Januar vergangenen Jahres bekannt, den Standort trotz schwarzer Zahlen aus Kostengründen aufzugeben und die Produktion ins Billiglohnland Rumänien zu verlagern. Wochenlange Proteste und Grossdemonstrationen unter der Führung des Betriebsrats und der Bochumer IG Metall blieben erfolglos. Im Mai 2008 wurde die Produktion eingestellt, das Werk im Juni offiziell geschlossen. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.