Aktualisiert 13.08.2009 11:54

Couchepin-NachfolgePolitschwergewicht ohne Welschenbonus

Der Freiburger Ständerat Urs Schwaller ist ein politisches Schwergewicht. Es ist nicht die erste Bundesratsvakanz, bei der sein Name in aller Munde ist. Zum ersten Mal aber hat sich der CVP-Politiker nun offiziell zu einer Kandidatur durchgerungen.

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Micheline Haegeli/SDA

Als Bundesratskandidat trat Schwaller schon 1999 in Erscheinung. Nach dem Doppelabgang der CVP-Bundesräte Flavio Cotti und Arnold Koller wurde sein Name herumgereicht. Schwaller winkte jedoch ab: Er will sich auf sein Amt als Finanzdirektor des Kantons Freiburg konzentrieren. An seiner Stelle wurde neben Ruth Metzler ein perfekt bilinguer Freiburger in die Landesregierung gewählt: Joseph Deiss.

Ladies first

Nach dem überraschenden Rücktritt von Deiss im April 2006 wurde Schwallers Name erneut heiss gehandelt. Schwaller verhehlte sein Interesse am Amt nicht, stellt seine Ambitionen aber hinter diejenigen von CVP-Präsidentin Doris Leuthard.

Als sich Leuthard zur Kandidatur entschloss, lässt ihr Schwaller den Vortritt. Ein Jahr später - bei der Abwahl von Christoph Blocher - wollten viele Linke Schwaller anstelle des SVP-Übervaters zum Bundesrat machen.

Der Deutschfreiburger nahm die Steilvorlage nicht an. Mit kluger Taktik verhalf er aber der Bündner SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf zu einer Mehrheit im Parlament.

AOC Fribourg

Bereits am Tag der Rücktrittsankündigung von Pascal Couchepin stand der Deutschfreiburger wieder im Zentrum des Interesses. Die Vorzeichen haben sich allerdings geändert. Nun soll Schwaller einen Westschweizer ersetzen - eine Aufgabe, die ihm nicht alle zutrauen.

Zwar stammt Schwaller aus einem mehrheitlich französischsprechenden Kanton, doch Kritiker bemängeln, dass er mental kein Romand, sondern ein Deutschschweizer sei. Andere sehen seine Zweisprachigkeit dagegen als Trumpf, um für die Westschweiz mehr bewirken zu können, als jemand, der kaum Deutsch spricht.

Langsamer, aber stetiger Aufstieg

Schwaller selbst verleugnete seine Herkunft nie. 1952 geboren, lebt er seit langer Zeit in seiner Heimatgemeinde Tafers im deutschsprachigen Sensebezirk.

Schwallers politische Karriere ging langsam, aber stetig bergauf. Mit 34 Jahren wurde der Doktor der Rechte und Anwalt zum Oberamtmann des Sensebezirkes gewählt. Dort profilierte er sich als Politiker, der weit mehr war als bloss ausführender Arm der Freiburger Regierung.

Nach fünf Jahren nahm Schwaller die nächste Karrierestufe: 1991 wählten ihn die Freiburger in die Kantonsregierung, wo er 13 Jahre amtete. Dort sanierte er die kantonalen Finanzen auf behutsame, aber doch konsequente Art und Weise. Seither schreibt der Kanton schwarze Zahlen und wird vielfach als beispielhaft dargestellt.

Schnell Respekt verschafft

Im Dezember 2003 wechselte Schwaller auf die Bundesebene. Er wurde in den Ständerat gewählt und vier Jahre später problemlos bestätigt. Schwaller brauchte nicht lange, um sich in der kleinen Kammer Respekt zu verschaffen. Er wurde schnell zum politischen Schwergewicht.

Im Jahr 2005 zeigte sich, wie stark der innerparteiliche Einfluss von Schwaller nach zwei Jahren bereits war: Er wird Fraktionschef der CVP - was sehr selten ist für einen Ständerat. Meist nimmt dieses Amt ein Nationalrat ein.

Schwaller sitzt gegenwärtig in drei prestigeträchtigen Kommissionen: In der Finanzkommission, der staatspolitischen Kommission sowie jener für soziale Sicherheit und Gesundheit, die er auch präsidiert. Zudem ist er Mitglied der Finanzdelegation.

Wie häufig bei einflussreichen Parlamentariern halten sich die Vorstösse bei Schwaller in engen Grenzen. In sechs Jahren reichte der 56-Jährige weniger als 15 politische Vorstösse ein.

Schwaller ist kein Blender. Auch wenn er sich vor den Kameras und Mikrophons souverän gibt: Er rennt den Medien nicht hinterher. In Zeiten der Personalisierung zeigt sich der Ständerat diskret.

Schwaller ist verheiratet und hat drei Kinder. Die Familien und die katholische Religion sind wichtige Eckpfeiler seines Lebens. In seiner Freizeit treibt er Sport und kocht für seine Familie.

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