Do-it-yourself: Polizei ärgert sich über Fussgängerstreifen
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Do-it-yourselfPolizei ärgert sich über Fussgängerstreifen

Die Einwohner von Blansingen (D) wünschen sich einen Fussgängerstreifen. Weil das Gesetz dies nicht erlaubt, haben nun Unbekannte selbst einen auf die Strasse gepinselt.

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kom
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In Blansingen haben Unbekannte in der Nacht auf Montag einen Fussgängerstreifen gemalt.

In Blansingen haben Unbekannte in der Nacht auf Montag einen Fussgängerstreifen gemalt.

Helmut Wiedemann
Der Grund: Das 500-Seelen-Dorf verlangt schon lange, dass ein Fussgängerstreifen eingerichtet wird. Aufgrund von gesetzlichen Vorgaben sei das aber nicht möglich. So griffen Unbekannte kurzerhand selbst zum Pinsel.

Der Grund: Das 500-Seelen-Dorf verlangt schon lange, dass ein Fussgängerstreifen eingerichtet wird. Aufgrund von gesetzlichen Vorgaben sei das aber nicht möglich. So griffen Unbekannte kurzerhand selbst zum Pinsel.

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Die Polizei spricht von einer gefährlichen Tat, die auch Verkhrsteilnehmer in Gefahr bringe.

Die Polizei spricht von einer gefährlichen Tat, die auch Verkhrsteilnehmer in Gefahr bringe.

Helmut Wiedemann

An der Gemeinderatssitzung in Blansingen (D) wurde vergangene Woche der Wunsch geäussert, dass ein Fussgängerstreifen eingerichtet werden soll. Die gesetzlichen Vorgaben liessen das bisher aber nicht zu.

Mindestens einer der 503 Einwohner des Dorfes, das unweit von Basel liegt, hat nun in der Nacht auf Montag selbst zum Pinsel gegriffen, berichtet die «Badische Zeitung». Der lokale Politiker Helmut Wiedemann schickte die Bilder des DIY-Fussgängerstreifen der Zeitung. Er sei von der Aktion eher belustigt als verärgert, sagte er gegenüber 20 Minuten. Sein Fazit: Die durchfahrenden Fahrzeuge verlangsamen ihre Geschwindigkeit aufgrund der Strassenmalerei.

Gar nicht lustig findet hingegen die Polizei den Fussgängerstreifen. Gegenüber der «Badischen Zeitung» äusserte sich Polizeisprecher Mathias Albicker dazu: «Der selbst auf der Fahrbahn aufgemalte Zebrastreifen stellt zuallererst einmal eine sehr gefährliche Handlung dar», sagte er. Das Material sei nicht geprüft und könne selbst bei trockenem Wetter eine Gefahr darstellen, die die Gemeinde nun beseitigen müsse.

«Könnte wegen fahrlässiger Tötung angezeigt werden»

Dem widerspricht Wiedemann: «Ich habe mit meinem E-Bike auf dem Farbstreifen eine Vollbremsung hingelegt, das hat problemlos funktioniert», erklärte er gegenüber 20 Minuten.

Der unbekannten Person, die den Fussgängerstreifen gemalt hat, drohe eine Schadensersatzforderung aufgrund der Reinigungskosten. «Ganz zu schweigen von den Folgen, wenn es dort zu einem Unfall käme», so Polizeisprecher Albicker. Sogar strafrechtliche Folgen wären in so einem Fall möglich: «Je nach Folgen des Unfalls könnte er sogar wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung angezeigt werden.»

Mitarbeiter des Landkreises aufgeboten

Die Chancen auf einen legalen Fussgängerstreifen seien nach wie vor gering: «Letztlich muss nochmals verdeutlicht werden, dass die gesetzlichen Grundlagen, insbesondere wegen den baulichen Voraussetzungen, für die Anbringung eines Füssgängerüberweges an dieser Stelle nicht vorliegen», so der Sprecher.

Laut Wiedemann begannen am Dienstagmorgen bereits Mitarbeiter des Landkreises damit, den selbstgemalten Fussgängerstreifen zu beseitigen: Er wurde mit einer Spezialfarbe übermalt.

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