Aktualisiert 28.07.2004 22:55

Polizei-Affäre: Der Kläger erwartet rein gar nichts

Erstmals sagt in der Polizei-Affäre einer der Kläger aus. An ein echtes Verfahren glaubt er allerdings nicht.

Lehrling Urban Hodel (18) behauptet unter anderem, nach der Velo-Demo vom 12. Juni von einem Polizisten an den Kopf getreten worden zu sein – wehrlos am Boden liegend. Das steht in der Anzeige, die er beim Amtsstatthalteramt Luzern-Stadt wegen Körperverletzung und Amtsmissbrauchs eingereicht hat. Gestützt wird seine Aussage durch ein Arztzeugnis, das 20 Minuten einsehen konnte.

Urban Hodel berichtet: «Vor dem Hotel Palace warf mich einer der Polizisten zu Boden und hielt mich dort fest. Dann trat mich ein anderer mit seinen Kampfstiefeln ins Gesicht. Hier zeigte sich einmal mehr die hässliche Fratze des repressiven Staates.»

Morgen Freitag wird Hodel dazu einvernommen. Vorgeladen hat ihn Amtsstatthalter Georges Frey. Dieser ist Sozialdemokrat, genau wie die politische Verantwortliche, Sicherheitsdirektorin Ursula Stämmer. Kritiker sind skeptisch wegen dieser Konstellation: Stämmer habe alles Interesse daran, dass die Polizei bei der «Untersuchung» gut wegkomme. Frey seinerseits sieht keinerlei Interessenskonflikte, will gegenüber 20 Minuten jedoch nicht Stellung nehmen.

«Frey und die Polizei sind tagtäglich aufeinander angewiesen. Er hat darum nicht wirklich ein Interesse, diese Ungeheuerlichkeiten aufzuklären», glaubt Urban Hodel. «Überhaupt hatten Verfahren gegen die Polizei noch nie eine echte Chance.»

Herbert Fischer

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