Winterthur: Polizei beendet Tanzdemo mit Tränengas
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WinterthurPolizei beendet Tanzdemo mit Tränengas

Rund 400 Menschen haben sich auf dem Winterthurer Hauptbahnhof zu einer Strassenparty versammelt, um für mehr Freiräume zu demonstrieren. Es kam zu Zusammenstössen mit der Polizei.

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ann/rey

In Winterthur haben sich am Samstagabend rund 400 Menschen zu einem «Umzug mit Tanzmusik» versammelt. Die Polizei riegelte den Bahnhofplatz komplett ab und war mit einem Grossaufgebot präsent.

Es kam zu kleineren Scharmützeln zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Einsatzkräfte setzten Tränengas-Petarden und Gummischrot ein, Wasserwerfer gingen in Stellung. Es gab Verletzte und kam zu zahlreichen Verhaftungen, wie die Polizei mitteilte. Unter den Verhafteten soll auch ein Winterthurer Gemeinderat sein, wie die Bildagentur Newspictures berichtet. Ob es sich tatsächlich um den genannten Politiker handelt, ist aufgrund des Bildmaterials allerdings kaum möglich. In einem Communiqué der Stadtpolizei Winterthur war von «massiven gewaltsamen Auseinandersetungen» die Rede.

Wegen der Absperrungen und der Polizeipräsenz hatte sich die Party um 22 Uhr zum Salzhaus verlagert. Dort ertönte Musik von vier Demo-Wagen – auf einem spielte eine Band.

Gegen 23 Uhr hatten mehrere Demonstranten versucht, mit Kisten und Gittern eine Strassenbarrikade zu errichten. Die Polizei ging sofort mit einem Wasserwerfer gegen sie vor. Nachdem die Gruppe, die die Barrikade aufbauen wollte, aufgelöst war, hat sich die Situation wieder beruhigt.

Zu der Tanzdemo hatte die Organisation «Standort FUCKtor Winterthur» aufgerufen. Sie fordert mehr Freiräume und protestieren gegen Überwachungskameras, Polizeipatrouillen und «seelenlose Konsumtempel».

«Toller Tanz gegen Nulltoleranz»

Via Facebook und mit einem Flyer war zur Teilnahme am «Umzug mit Tanzmusik» aufgerufen worden. Laut Flyer «wird es eng in den urbanen Zentren». Die wenigen verbliebenen Freiräume würden zu Ordnungswüsten gesäubert, heisst es weiter. Toleriert und gefördert werde nur, was Profit abwerfe. «Das passt uns überhaupt nicht, deshalb feiern wir. Laut, ungefragt und bis tief in die Nacht hinein. Heute wollen wir nur toller Tanz gegen Nulltoleranz. Aber morgen wollen wir noch viel mehr», steht auf dem Flugblatt zu lesen.

Gewerbetreibende rund um den Bahnhofplatz hatten offenbar mit Randalen gerechnet und ihre Geschäfte mit Brettern zugenagelt. Auch die Polizei hatte bereits am Freitag Absperrgitter aufgestellt.

Am 25. Mai hatte eine «Tanz dich frei»-Kundgebung in Bern landesweit für Aufsehen gesorgt. Bis zu 10'000 Personen waren grösstenteils friedlich durch Berns Innenstadt gezogen. Einige Chaoten nutzten die Veranstaltung für ihre Interessen und liessen eine Spur der Verwüstung hinter sich.

Rund zwei Wochen nach der Kundgebung in Bern hatten sich rund 800 Personen Anfang Juni in Aarau an einer Tanzdemo für ein autonomes Zentrum beteiligt. Diese verlief mehrheitlich friedlich.

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