26.09.2016 20:56

IbizaPolizei befreit 21 Frauen aus Prostitutionsring

Auf Ibiza sind 21 Nigerianerinnen aus den Fängen von Zuhältern befreit worden. Das grausame Schicksal der Frauen begann mit einem Voodoo-Ritual in ihrer Heimat.

von
kle
1 / 7
Am 23. September 2016 wurden auf Ibiza 21 Nigerianerinnen aus den Fängen eines Prostitutionsringes befreit.

Am 23. September 2016 wurden auf Ibiza 21 Nigerianerinnen aus den Fängen eines Prostitutionsringes befreit.

Policia Nacional, Spanien
Die junge Frauen - darunter mindestens eine Minderjährige - waren mit falschen Arbeitsversprechen nach Europa gelockt worden. Viele von ihnen wurden in den Armenvierteln von Nigerias Städten rekrutiert.

Die junge Frauen - darunter mindestens eine Minderjährige - waren mit falschen Arbeitsversprechen nach Europa gelockt worden. Viele von ihnen wurden in den Armenvierteln von Nigerias Städten rekrutiert.

Policia Nacional, Spanien
Die spanische Polizei verschafft sich Zugang zu einer der Wohnungen, in denen die Opfer untergebracht waren.

Die spanische Polizei verschafft sich Zugang zu einer der Wohnungen, in denen die Opfer untergebracht waren.

Policia Nacional, Spanien

In einer riesigen Operation hat Europol, zusammen mit der Polizei von Spanien, Frankreich und Deutschland, einen Menschenhändlerring auf Ibiza zerschlagen. Dabei wurden 21 Frauen aus Nigeria befreit, die mit falschen Arbeitsversprechen nach Europa gelockt und zur Prostitution gezwungen worden waren. Eines der Opfer war gerade mal 16 Jahre alt.

Wie der «Diario de Ibiza» berichtet, begann der Albtraum der Frauen in ihrer Heimat. Die Menschenhändler suchten sich ihre Opfer aus den ärmsten Slums in Nigerias Städten aus. Sie versprachen den Frauen einen Job in Europa. Zuerst aber mussten die Nigerianerinnen einen Voodoo-Eid ablegen, mit dem sie sich verpflichteten, die Reisekosten – die sich nach Angaben der Schleuser auf rund 60'000 Franken beliefen – zurückzuzahlen.

Bis zu 17 Frauen lebten auf 30 Quadratmetern

Die Frauen kamen über zwei mögliche Routen bis zur nordafrikanischen Mittelmeerküste: entweder über Land nach Libyen oder per Flugzeug bis Ceuta. Dann wurden sie auf kleine Boote nach Spanien oder nach Italien gebracht. In einigen Fällen wurden sie in Fahrzeugen versteckt und mit der Fährverbindung nach Spanien gefahren.

Die Nigerianerinnen wurden in kleinen Wohnungen untergebracht. In der Regel lebten bis zu 17 Frauen in 30 Quadratmeter grossen Appartements. In den kleinen Betten schliefen sie zu dritt oder zu viert. Die Zuhälter waren fast ausschliesslich Frauen. Sie holten die Prostituierten jeden Tag ab und brachten sie an ihre Arbeitsstellen.

Einige von ihnen wurden gezwungen, auf der Strasse anzuschaffen, andere arbeiteten während der Wintermonate in Bordellen in Madrid und Castellón. Im Sommer wurden die Prostituierten nach Ibiza oder Mallorca gebracht, wo sie in der Touristenzone anschaffen mussten.

Bandenchefin flüchtete als Asylbewerberin nach Deutschland

Bis zu 14 Stunden am Tag mussten die Frauen arbeiten, um die von den Zuhältern geforderten Tageseinnahmen von 1000 Euro zu erzielen. Schafften sie das nicht, wurden sie gezwungen, stundenlang hinzuknien, während sie mit Besenstöcken geschlagen wurden. Freie Tage bekamen die Opfer nicht.

Die kriminelle Organisation wurde von zwei Frauen geleitet. Eine von ihnen floh über die Schweiz nach Deutschland, als sie von den polizeilichen Ermittlungen erfuhr. Dort meldete sie sich unter einer falschen Identität als Asylbewerberin in einem Flüchtlingsheim an. Das Bundeskriminalamt BKA spürte sie jedoch auf. Vergangenen Freitag wurden schliesslich 24 Personen verhaftet. Sie müssen sich nun unter anderem wegen Menschenhandels verantworten.

Bereits Anfang August berichtete 20 Minuten über die grausamen Methoden der Schleuser, mit denen sie junge Mädchen und Knaben nach Europa locken. Die Hilfsorganisation Save the Children hatte in einem Bericht die Aussagen mehrerer Opfer von Menschenhändlern in Italien veröffentlicht. Auch sie erzählten vom Voodoo-Eid und den falschen Job-Versprechungen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.