Kriminaltouristen: Polizei bereitet sich auf Einbruchswelle vor

Aktualisiert

KriminaltouristenPolizei bereitet sich auf Einbruchswelle vor

Sensibilisierungskampagnen, Zivilpatrouillen, Reaktivierung historischer Gefängnisse: Die Polizeien der Grenzkantone rüsten sich für den Sommer – sie rechnen mit noch mehr Kriminaltouristen.

von
Stefan Heusser
Polizei und Gefängnisse wappnen sich gegen kriminelle Kurzaufenthalter.

Polizei und Gefängnisse wappnen sich gegen kriminelle Kurzaufenthalter.

Im Hinblick auf den kommenden Sommer bereitet sich die Polizei in verschiedenen Kantonen auf eine mögliche Einbruchserie vor. Die Kriminalstatistik 2012 zeigte eine massive Zunahme von Einbrüchen. Viele wurden gemäss Bundesamt für Statistik von Kriminaltouristen begangen. Die Kantonspolizei der Kantone Aargau, Basel-Stadt, Graubünden, Schaffhausen und St. Gallen zeigen sich auf Anfrage von 20 Minuten vorbereitet auf die kriminellen Kurzaufenthalter. «Unsere Streifenpolizisten sind für das Thema sensibilisiert», bestätigt Anja Schudel von der Schaffhauser Polizei. In allen genannten Kantonen macht die Polizei die Bevölkerung auf die Gefahr aufmerksam.

«Wir gehen in die Quartiere»

In Basel hat man schon vor Monaten mit der Planung von Massnahmen begonnen: «Wir gingen mit unserem Polizeimobil in die Quartiere und haben den Menschen erklärt, wie sie sich vor Einbruchdiebstählen schützen können», erklärt Martin Schütz vom Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt. Sollte es zu einer Einbruchswelle kommen, wird die Polizei vermehrt in den Wohnquartieren präsent sein. «Wir sind nicht nur uniformiert, sondern auch zivil unterwegs», sagt Schütz.

Die Schaffhauser Polizei sensibilisiert die Bevölkerung mit Referaten und Warnhinweisen: «Wir haben Spezialisten, welche die Bevölkerung auf Schwachstellen an den Gebäuden aufmerksam machen», sagt Anja Schudel. Auch die Kantonspolizeien der Kantone Aargau, Graubünden und St. Gallen bestätigen, mit Informationskampagnen aktiv zu sein. Doch Martin Schütz warnt: Es werde «trotz all dem präventiven Engagement der Polizei» zu Einbrüchen kommen – und damit auch zu Festnahmen.

Militärzellen werden aufgerüstet

Weil in vielen Gefängnissen Platznot herrscht, werden zusätzliche Plätze für die Kriminaltouristen geschaffen. Basel reaktiviert das seit 2001 geschlossene Bezirksgefängnis Laufen. Daneben hat man bereits 2012 ein Provisorium im Gefängnis Bässlergut mit 29 Zellen geschaffen. Im Untersuchungsgefängnis Waaghof wurden 34 zusätzliche Betten in die Zellen gestellt und einige Frauen- zu Männerzellen umgerichtet. «Auch einige Militärzellen wurden aufgerüstet, um U-Häftlinge unterbringen zu können», sagt Schütz. Die Gefängnisse in Graubünden und Schaffhausen, die gut ausgelastet sind, müssen bei einer Einbruchswelle auf Gefängnisse in anderen Kantonen ausweichen. St. Gallen arbeitet mit Notfallszenarien und kann bei Bedarf an Hafträumen aufstocken.

«Auf keinen Fall Ferienfotos auf Facebook posten»

Mieter und Hausbesitzer müssen ihren Beitrag leisten, um sich vor Kriminaltouristen zu schützen, so Schütz. «Fenster schliessen, Licht brennen lassen, auf dem Telefonbeantworter nicht sagen: ‹Ich bin in den Ferien›. Und auf keinen Fall auf Facebook Ferienfotos posten.» Die Polizei Schaffhausen warnt: «Kriminaltouristen machen leider keine Ferien. Aus diesem Grund macht die Polizei darauf aufmerksam, dass die Wohnung einen bewohnten Eindruck machen sollte. Das heisst: Briefkasten leeren und Rasen mähen lassen.»

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