Aktualisiert 23.08.2017 06:49

Affoltern am Albis

Polizei büsst Raucher von CBD-Zigarette

Trotz industriell gefertigter Zigarette erhielt ein junger Mann eine Busse wegen Drogenhanf. Die Gemeinde sagt, sie könne die Echtheit der CBD-Zigarette nicht prüfen.

von
ann
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Die Busse der Kommunalpolizei Affoltern, die dem 19-jährigen CBD-Raucher ausgestellt wurde.

Die Busse der Kommunalpolizei Affoltern, die dem 19-jährigen CBD-Raucher ausgestellt wurde.

Dies, obwohl die Zigaretten vom Bundesamt für Gesundheit zugelassen sind und industriell gefertigt werden.

Dies, obwohl die Zigaretten vom Bundesamt für Gesundheit zugelassen sind und industriell gefertigt werden.

Claudia Link
Kaufen kann man sie ab 18 Jahren im Coop.

Kaufen kann man sie ab 18 Jahren im Coop.

Wegen Autolärms haben Polizisten am Samstagabend eine private Geburtstagsparty im Schützenhaus Zwillikon ZH überprüft. «Als die Beamten der Kommunalpolizei vorfuhren, rauchte ich gerade CBD», erzählt ein 19-Jähriger, der anonym bleiben will. Die Polizistin habe dies sofort gerochen und nach dem Ursprung gesucht. «Sie wollte mir zuerst aber nicht glauben, dass der Geruch von der Zigarette kommt, die ich in der Hand hielt.»

Denn der 19-Jährige rauchte die industriell gefertigte Heimat-Zigarette. «Die sieht halt aus wie eine normale Zigarette.» Die Kommunal-Polizistin der Gemeinde Affoltern habe zwar von den CBD-Zigaretten von Heimat schon gehört, trotzdem habe sie die drei Zigaretten sichergestellt und ihm eine Ordnungsbusse für das Rauchen eines Joints ausgestellt, erzählt der 19-Jährige.

«Wir können die Echtheit dieser Zigarette nicht prüfen»

Er selbst kann nicht verstehen, dass er für eine Zigarette, die vom Bundesamt für Gesundheit zugelassen ist, eine Busse erhält. «Ich zahle 100 Franken dafür, dass ich etwas Legales konsumiere.»

Auf der Gemeinde Affoltern bestätigt man, dass es an jenem Abend in Zwillikon so einen Vorfall gab. «Drei Zigaretten wurden sichergestellt», sagt Gemeindeschreiber Stefan Trottmann. Er bestätigt auch, dass CBD-Raucherwaren gleich behandelt werden wie THC-haltige. Dazu würden auch die Heimat-Zigaretten gehören. «In den internen Polizei-Systemen ist kein Merkblatt vorhanden, woran wir die Echtheit dieser Zigaretten überprüfen können.»

Unnötige Kosten für den Steuerzahler

Der Betroffene könne sich zudem gegen die Busse wehren. Trottmann: «Er hat das Recht, innert der aufgedruckten Bedenkfrist ein ordentliches Verfahren zu verlangen.»

Allein die Kosten für die Laboruntersuchungen, die dazu nötig sind, betragen rund 300 Franken. Was für den administrative Teil des Verfahrens hinzukommt, lässt sich nicht sagen. Klar ist aber: Bei Heimat-Zigaretten zahlt dies alles der Steuerzahler.

Manipulation wäre leicht zu erkennen

Bei Koch & Gsell, dem Hersteller der Heimat-Zigaretten, kann man das Vorgehen der Kommunalpolizei Affoltern darum nicht verstehen. Man habe aus diesem Grund ein Merkblatt an Fedpol versandt, zuhanden der Polizeien. «So wollten wir verhindern, dass die Polizei die Hanf-Zigaretten konfisziert, da eine Manipulation an den Zigaretten leicht zu erkennen ist», sagt Marketingleiter Björn Koch.

So habe auch der Filter der Zigarette den Aufdruck Heimat, damit man falsche Zigaretten, die in die Schachtel gesteckt würden, sofort erkennen könne. «Es wäre also für die Polizei leicht feststellbar, ob eine Konfiszierung gerechtfertigt ist.»

Coop verkauft die zugelassenen Zigaretten

Bei Coop, der die Heimat-Zigaretten verkauft, möchte man sich zum Vorfall nicht äussern. Nur so viel: «Die CBD-Zigaretten der Marke Heimat sind zugelassen und bei Coop ab 18 Jahren erhältlich.»

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