Walliser in der Türkei: Polizei-Chef drohen zehn Jahre Gefängnis
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Walliser in der TürkeiPolizei-Chef drohen zehn Jahre Gefängnis

Sein Sohn soll einen Kieselstein im Gepäck gehabt haben. Deshalb sitzt Christian Varone, der Kommandant der Kantonspolizei Wallis, weiter in der Türkei in Haft. Sein Reisebüro kritisiert die Behörden.

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alp/rme
Christian Varone wurde am Freitag vor dem Abflug aus der Region Antalya verhaftet.

Christian Varone wurde am Freitag vor dem Abflug aus der Region Antalya verhaftet.

Die Ehefrau sowie der Bruder des in der Türkei festgenommenen Kommandanten der Walliser Kantonspolizei hoffen auf ein baldiges Treffen. Christian Varone war am Freitag bei der Rückreise aus den Ferien von der türkischen Polizei verhaftet worden. Nach einem Gespräch mit der amtlichen Anwältin des Festgenommenen am Montagabend hoffe er auf ein Zusammentreffen am Dienstag, sagte Christian Varones Bruder Patrick auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Trotz der Anstrengungen der Anwältin dürfte der Fall noch «viele administrative Hürden» bereithalten, sagte Varone. Umso mehr, als sich offensichtlich viele Personen in den Ferien befänden.

Schweizer Botschaft involviert

Was dem Walliser Polizeikommandanten im Detail vorgeworfen wird, konnte dessen Bruder bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Patrick Varone hoffte diesbezüglich aber auf Klärung noch am Dienstag. Gemäss Varone unternimmt der Schweizer Botschafter vor Ort sein Möglichstes, um Klarheit in die Sache zu bringen.

Aufgrund der konstant hohen Spannung «schlafe er wenig», sagte Varone weiter. «Die grosse Zahl von Botschaften mit aufmunternden Worten hat uns gefreut und wir werden versuchen, sie an Christian weiterzuleiten.» Auf Facebook hat sich eine Gruppe zur Unterstützung des Polizeikommandanten gebildet. Bereits sind mehr als 650 Personen beigetreten.

Bis zu zehn Jahre Gefängnis möglich

Varone war nach den Familienferien in der Region von Antalya am vergangenen Freitag auf dem Rückweg in die Schweiz, als er verhaftet wurde. Buchstäblicher Stein des Anstosses war offenbar ein Stück Gestein, das Varones Sohn während eines Spaziergangs bei einer archäologischen Fundstätte eingesteckt hatte.

In der Türkei wird die Ausfuhr von Kultur- und Naturgütern hart bestraft, weshalb Schweizer Reiseveranstalter wie Hotelplan davor warnen, solche einzupacken. Es drohen Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren. Fälle wie denjenigen der Familie Varone kommen trotzdem regelmässig vor.

Organisiert hat Varones Reise die Firma Bentour Swiss. Deren Chef Kadir Ugur wird auf dem türkischen Reiseportal Turizm Güncel damit zitiert, dass es seiner Ansicht nach falsch war, Varone zu verhaften. «Es hätte gereicht, ihm den Pass wegzunehmen», sagt Ugur, man habe voreilig gehandelt. «Zuerst hätte man eingehend abklären sollen, ob der Stein wertvoll ist.» (alp/rme/sda)

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