Sihlquai in Zürich - Türen verbarrikadiert, doch Polizei trifft keine Besetzenden an
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Sihlquai in ZürichTüren verbarrikadiert, doch Polizei trifft keine Besetzenden an

Ein Gebäude am Sihlquai in Zürich wurde am Sonntagabend besetzt. Die Polizei hat das Gebäude am Montag durchsucht.

von
Thomas Mathis
Lynn Sachs
20min/Lynn Sachs

Darum gehts

  • Ein Wohngebäude von Coop am Sihlquai soll zu Büros und Labors umgenutzt werden.

  • Zuvor kommt es zu einer Zwischennutzung.

  • Am Sonntagabend wurde das Gebäude besetzt, am Montag hat die Polizei das Gebäude durchsucht.

Die Wohnhäuser am Sihlquai 280 und 282 wurden am Sonntagabend besetzt. Eine Gruppe ist ins Gebäude eingedrungen und hat dieses mit Bannern für besetzt erklärt. Gleichzeitig fand auf der Strasse eine Protestaktion mit mehreren Dutzend Personen statt. Linksextreme haben sich auf einem einschlägigen Online-Portal zur Aktion bekannt.

Die Stadtpolizei hat das Gebäude am Montagmorgen durchsucht, es bestanden auch Hinweise auf weitere Aktionen. «Es konnten keine Personen angetroffen werden, die sich widerrechtlich in den Häusern aufhielten», sagt Medienchefin Judith Hödl. Bei den Hauseingängen und an den Wohnungstüren waren teilweise die Schlösser ausgewechselt worden oder die Türen wurden beschädigt oder verbarrikadiert. Es laufen nun Ermittlungen wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.

Wucherpreise bei Zwischennutzung?

Die Liegenschaft soll umgenutzt werden. Die Eigentümerin Coop will darin Büros und Labors einrichten. Gegen das Vorhaben der Coop Genossenschaft hat sich Widerstand formiert. Auch die geplante Zwischennutzung stösst auf Kritik. «Das Vorgehen am Sihlquai steht beispielhaft für die sich allgemein zuspitzende Entwicklung», heisst es von den Besetzenden. Man solidarisiere sich mit den Bewohnenden der Liegenschaft. Die Zwischennutzung sei für die Mietenden ein Schlag ins Gesicht. «Die Zimmer werden nun zu Wucherpreisen angeboten», heisst es.

Beim Zürcher Mieterverband spricht man von einem unsensiblen Vorgehen. «Ich verstehe den Ärger der Mieter*innen», sagt Sprecher Walter Angst. Coop habe vier Monate lang Wohnungen am Sihlquai leer stehen lassen. Jetzt schicke man die Firma Intermezzo, die mit der Vermietung von Zimmern maximale Rendite mache. Angst kritisiert auch die Umnutzungspläne an und für sich. «Wohnraum an dieser Lage in Büros umzuwandeln ist nicht nachvollziehbar.»

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Die Stadtpolizei ist am Montag vor Ort.

Die Stadtpolizei ist am Montag vor Ort.

20min/Lynn Sachs
Das Gebäude wurde am Sonntagabend besetzt.

Das Gebäude wurde am Sonntagabend besetzt.

20min/News-Scout

Um die Zwischennutzung kümmert sich die Zürcher Firma Intermezzo. «Derzeit stehen rund zehn Wohnungen leer», sagt Geschäftsführer Gabriel Jundt. Davon seien vier Wohnungen in gutem Zustand. Die anderen Wohnungen müssten aufgewertet werden. Zum Vorwurf der Wucherpreise sagt Jundt, dass die Preise für die WG-Zimmer im Vergleich zum Markt tief sind. «Wir verlangen zwischen 700 und 790 Franken all inclusive – dazu gehört auch Internet und eine Grundausstattung der Küche.»

«Coop verdient nicht mehr an Zwischennutzung»

Bei Coop heisst es, dass man mit der Mehrheit der Mietenden eine Lösung finden konnte. «Lediglich mit zwei Mietparteien laufen derzeit noch Gespräche», sagt eine Sprecherin. Es sei geplant gewesen, die Umbauarbeiten umgehend zu beginnen, sobald die Wohnungen leer stehen. «Da gewisse Mieter allerdings eine Erstreckung beantragt haben, wurde entschieden, die Wohnungen bis zum voraussichtlichen Erstreckungstermin für eine Zwischennutzung zu vermieten.»

Dazu habe man die Wohnungen an Intermezzo vermietet. «Diese bietet die Wohnungen zu ihren eigenen Konditionen unabhängig von Coop an. Coop verdient an der Zwischennutzung nicht mehr als an den bisherigen Mietpreisen.» Coop hat nach der Besetzung Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch eingereicht. Zum Umnutzung kommt es laut Coop, weil das Gebäude sanierungsbedürftig sei und betriebliche Anpassungen nötig seien, um auch in Zukunft den Versorgungsauftrag wahrnehmen zu können und den Standort von Swissmill zu sichern.

Ein Mieter aus dem Haus wurde von den Besetzern überrumpelt. «Wir bekamen kurz Angst», sagt er zu 20 Minuten. Doch die Eindringlinge hätten ihm versichert, dass sie nur gegen gegen die Besitzerin Coop und die Behörden, die diese Umnutzung bewilligt haben, vorgehen wollen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Fragen zu Miete oder Vermietung?

Hier findest du Hilfe:

Mietrecht.ch, Schlichtungsstellen nach Region

Mieterverband, Tel. 0900 900800 (kostenpflichtig)

Casafair, Hauseigentümerverband

HEV Schweiz, Hauseigentümerverband

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